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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Manager in Deutschland haben wieder mehr Lust auf Führung

Die Freude am Chefsein ist hierzulande gestiegen, wie das Manager-Barometer von Odgers Berndtson zeigt. Das ist eine gute Nachricht in diesen disruptiven Zeiten.
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Der Adidas-Chef ist nach Ansicht von Klaus Hansen ein gutes Beispiel für vorbildliche Führung. Quelle: dpa
Kasper Rorsted

Der Adidas-Chef ist nach Ansicht von Klaus Hansen ein gutes Beispiel für vorbildliche Führung.

(Foto: dpa)

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Manager im deutschsprachigen Raum haben wieder mehr Freude an Führung. Die Lust, eine derartige Aufgabe zu übernehmen, steigt unserem aktuellen Manager-Barometer zufolge deutlich. Der entsprechende Wert liegt aktuell bei gut 55 Prozent – in den Vorjahren betrug dieser Wert noch etwa 50 Prozent. Die Freude an der Führungsaufgabe motiviert dabei umso stärker, je höher die Führungsebene und -verantwortung sind.

Odgers Berndtson befragt jährlich sein Executive Panel, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet. Ziel der jährlichen Befragung, die Odgers Berndtson bereits zum neunten Mal online und anonym durchgeführt hat, ist es, zu ermitteln, was Führungskräfte bewegt, was sie für ihren weiteren Berufsweg motiviert, wozu sie bereit sind und wozu nicht. Am aktuellen Manager-Barometer haben 2344 Manager teilgenommen.

Der aktuelle Wert ist aus mehreren Gründen eine erfreuliche Entwicklung. Zum einen braucht es gerade in Zeiten zunehmender Dynamik lustvoll und überzeugt agierende Manager, die nicht in Selbstzweifel geraten, wenn ihr Fachwissen praktisch über Nacht an Bedeutung verliert und sie sich schnell neue Kenntnisse aneignen müssen.

Zum anderen erzeugen Dynamik und Disruption Unsicherheit und Zeitdruck in der Entscheidungsfindung, die wiederum zu Orientierungslosigkeit und Lähmung einer Organisation führen – ein leidenschaftlich agierender Manager wirkt dem üblicherweise durch Entscheidungsfreude und klare Leitlinien entgegen.

Dass eine an Konsequenzen arme Führung stets zu Tatenlosigkeit und Phlegma führt, lässt sich immer wieder in der Staatsführung besichtigen. In der Politik werden wichtige Themen bekannterweise gerne auf schier endlos lange Bänke geschoben – Leadership ist etwas anderes.

Die wieder zunehmende Freude an Führungsaufgaben ist allerdings für sich genommen noch kein Grund, in Euphorie zu verfallen. Schließlich ist die neue Lust kein Garant für gute Führung. Allerdings stellt sie für Vorgesetzte eine zwingende Voraussetzung dar, sich auf das Risiko der Übernahme von Verantwortung einzulassen. Dazu gehört ebenfalls: Wirkungsvolle Führung speist sich aus intrinsischer Motivation und nicht aus dem Einfordern von Statussymbolen oder überzogener Gehälter.

Wer sich angesprochen fühlt, eine Karriere mit Führungspositionen einzuschlagen, sollte sich als Erstes nüchtern und ehrlich überprüfen, ob die notwendigen Skills vorhanden sind.

Sie sind nicht vorhanden? Nicht schlimm. Anders als früher angenommen kann praktisch jeder die fehlenden Kompetenzen erwerben und antrainieren. Auch das viel beschriebene Charisma, das angeblich zum „Leadership-Gen“ gehört, ist weniger wichtig als gedacht.

Hohe Bescheidenheit

Mittlerweile ist umfassend belegt, dass sich die wirklich guten Führungskräfte vor allem durch ein hohes Maß an Bescheidenheit auszeichnen. Das erlaubt es ihnen, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen, Verantwortung abzugeben, Mitarbeiter zu fördern und diese um Rat zu fragen.

So manche vermeintliche Erfolgsgaranten aus früheren Tagen gehören dagegen für immer in die Mottenkiste der Führungsgeschichte. Dazu zählen markige Sprüche, machohaftes Verhalten und das Feiern des eigenen Egos ebenso wie ein völlig verqueres Rollenverständnis, das noch davon ausgeht, dass die Mitarbeiter für den Chef da sein sollten – und nicht umgekehrt. Was für ein Irrtum.

Wer also die Freude an Führung (wieder-)gewonnen hat, der möge sich nicht an den Vorbildern der grauen Vergangenheit orientieren, sondern an Zeitgenossen wie etwa Adidas-Chef Kasper Rorsted, die ihre Führungsfähigkeit gegenüber den „Millennials“, also der jüngeren Generation, in einer Transformation und in dynamischen Märkten erfolgreich unter Beweis gestellt haben.

Wünschenswert wäre zudem, wenn die Freude, konkrete Verantwortung zu übernehmen, nicht begrenzt auf den Arbeitgeber bleibt, sondern sich in weitere Sphären wie das Ehrenamt und die Politik ausweitet. Dann würde zumindest mittelfristig das Vakuum an Führungskompetenz quer durch die Parteienlandschaft aufgefüllt werden, und dies würde Politiker erwachsen lassen, die abseits des Mainstreams ein Vorbild geben für Mut zum Risiko und Entscheidungsfreude auch gegen Wählerwiderstände – und so die Voraussetzung für grundlegende Veränderungen schaffen.

Mehr: Viele Vorstandsvorsitzende in Deutschland verpassen den richtigen Zeitpunkt, um ihr Amt abzugeben, meint Klaus Hansen. Die Überprüfung durch einen neutralen Dritten wäre in vielen Fällen notwendig.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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