Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Neues Jahr – neuer Job?

Zum Jahresanfang sinnieren viele Menschen über gute Vorsätze. Auch der Job steht auf dem Prüfstand. Aber Vorsicht vor Selbstüberschätzung.
Kommentieren
Chancen und Risiken sollten gründlich abgewogen werden. Quelle: Robert Hanson
Neue Karriereperspektiven im Kopf

Chancen und Risiken sollten gründlich abgewogen werden.

(Foto: Robert Hanson)

Für die meisten gehört zu den guten Vorsätzen fürs neue Jahr wohl der Verzicht auf allerlei Sündiges wie etwa Fast Food. Doch so mancher denkt auch darüber nach, endlich etwas im Job zu ändern: Sei es, mehr Gehalt zu fordern, auf eine Beförderung zu drängen oder gleich den ganzen Job hinzuwerfen und sich etwas Neues zu suchen.

Grundsätzlich ist eine kritische Reflexion der eigenen Tätigkeit sehr sinnvoll und sollte regelmäßig stattfinden. Nur wer sich und seine Arbeit regelmäßig und ehrlich hinterfragt, bleibt auf der Höhe der Zeit und verhindert, dass er plötzlich von anderen verändert wird oder den Anschluss für eine Weiterentwicklung verpasst.

Der ritualisierte Denkprozess sollte aber vom Virus des Jahresend-Aktivismus abgegrenzt werden, der vielerorts immer wieder zahlreiche Manager befällt. Zum Jahresende werden insbesondere Personalberater häufig mit Initiativbewerbungen jeglicher Couleur überhäuft.
Aktuell hat die Wechselwilligkeit sogar ein Rekordniveau erreicht: Rund 43 Prozent der befragten Manager halten einen Wechsel ihrer beruflichen Position in den nächsten Monaten für wahrscheinlich, zeigt unser Manager-Barometer. Seit dem Start der Studie vor acht Jahren lag der Wert nicht höher.

Fragen die Personalberater dann nach der Motivation, den Zielen oder Ambitionen des Wechselwilligen, dann wird dieser schnell unkonkret. Man will sich verändern, heißt es dann. Wohin die Jobreise aber konkret gehen soll, bleibt nebulös. Ganz zu schweigen von den Gründen, die abstrakt bleiben.

Jede Art von Veränderung sollte also gut überlegt sein. Diese Erkenntnis steht nicht im Widerspruch zur heutzutage eingeforderten Dynamik und Veränderungsbereitschaft, die den Führungskräften abverlangt wird. Veränderung darf kein Selbstzweck sein. Was ist also zu tun?
Zunächst ist Ehrlichkeit vonnöten. Resultiert der Wunsch nach Veränderung aus Unter- oder Überforderung? Wird es wirklich langweilig oder komme ich mit der Veränderung um mich herum nicht mehr mit? Beides sind gute Gründe, über einen Wechsel nachzudenken, aber die jeweiligen Antworten auf die Fragen fallen sehr unterschiedlich aus.

Wer sich ernsthaft unterfordert oder gelangweilt fühlt, muss aktiv in den Markt gehen und nach neuen Herausforderungen suchen. Dazu gehört auch der Mut, Risiken bei der Neuausrichtung einzugehen und neue Pfade zu betreten.

Davon abzugrenzen ist der Handlungsbedarf für die zweite Gruppe. Wer im derzeitigen Umfeld nicht mitkommt, wem die Taktzahl zu hoch ist, sollte – allein schon aus gesundheitlichen Gründen – Risiken vermeiden. Wer nicht zur Spitze oder zumindest zum ersten Drittel seiner Peer Group gehört, sollte Sicherheit vor Annehmlichkeiten stellen. Dass folgerichtig das Gehalt geringer ausfallen kann, ist einzukalkulieren.

Personalberater erleben in Gesprächen immer häufiger Kandidaten, die sich maßlos selbst überschätzen und frei von jeglichem Realitätsbezug argumentieren. Woher kommt diese Hybris?

Ab einer gewissen Hierarchiehöhe nimmt die Zahl derjenigen exponentiell ab, die mit einer ehrlich formulierten Meinung auf dem Boden der Tatsache bleiben. Ausbleibende Kritik wird daher irrtümlicherweise als Zustimmung verstanden. Auf Dauer erzeugt dies innere Begeisterung am eigenen Dasein in einem fragwürdigen Ausmaß.

Es wäre daher jedem Manager zu wünschen, die freien Tage zum Jahreswechsel einmal dafür genutzt zu haben, ehrliche Meinungen über einen selber einzuholen, kritische Reflexion zu betreiben und die eigenen Möglichkeiten wieder realistisch einschätzen zu lernen. Andernfalls droht man voll Selbstüberzeugung, aber mit flachem Kiel zu neuen Ufern aufzubrechen.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Hansen - Neues Jahr – neuer Job?

0 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Hansen: Neues Jahr – neuer Job?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.