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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen So schützen sich Manager vor einem Burn-out

Gegen die Manager-Zivilisationskrankheit Nummer eins helfen Achtsamkeit, Entspannung und das Delegieren von Aufgaben. Das sind zugleich die Königsdisziplinen guter Führung.
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Viele prominente Manager mussten sich bereits eine Auszeit nehmen. Quelle: Imago
Burn-out

Viele prominente Manager mussten sich bereits eine Auszeit nehmen.

(Foto: Imago)

Der frühere C&A-Chef Alain Caparros hatte eine schwere Herzattacke. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck erlitt einen Nervenzusammenbruch, zwei Hörstürze und einen leichten Schlaganfall. Fußballtrainer Ralf Rangnick zog die Reißleine, als er nicht einmal mehr ein paar Treppenstufen gehen konnte.

Die drei Männer sind prominente Beispiele von alljährlich Tausenden Menschen in Deutschland, deren Körper ein Notsignal aussenden – und sich eine Auszeit nehmen müssen. Burn-out, Erschöpfungssyndrom: Es existieren viele Begriffe für diese Zivilisationskrankheit.

Den Patienten ist eines gemein: Sie haben einen enorm hohen Leistungsanspruch an sich selbst, viel zu viel gearbeitet und sich kaum Ruhepausen gegönnt. „Ich habe das Unternehmen mit Leidenschaft und Engagement geführt“, sagte etwa Caparros. Und ergänzte: „Leider sehe ich mich aufgrund meines Herzinfarkts nicht mehr in der Lage, meine Position mit dem erforderlichen Einsatz auszufüllen.“

Die Ausbreitung der Krankheit spiegelt auch die Entwicklung der Wirtschaft wider. Die Verfügbarkeit von Informationen, die Geschwindigkeit, mit der diese Informationen weitergegeben werden können und die Interdependenzen von Ereignissen und Entscheidungen haben im Laufe der vergangenen Jahre exponentiell zugenommen.

Das betrifft hochrangige Führungskräfte besonders. Der Druck, jederzeit verfügbar zu sein und schnell zu entscheiden, wächst – dabei werden die Aufgabenstellungen immer komplexer.

Die Entwicklung steht im krassen Widerspruch zur naturgegebenen Verfassung von Menschen. Unsere Spezies, die auch in 20, 50 oder 1000 Jahren nicht als Roboter zur Welt kommen wird, braucht ausreichend Zeit, um sich an Veränderungen anzupassen. Die Crux dabei: Die Kluft zwischen den vermeintlichen Anforderungen der Märkte an unser Handeln und den eigenen Fähigkeiten wird immer breiter.

Was hinzukommt: Die unternehmerischen Entscheidungen sind durch die Fülle an verfügbaren Informationen nicht besser geworden. Vielmehr ist vielen Top-Führungskräften die Fähigkeit abhanden gekommen, unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen. Und das, obwohl diese Fähigkeit eigentlich den Leader vom Manager unterscheidet.

Was ist in dieser Gemengelage zu tun? Es ist nur menschlich, den Führungskräften zuzurufen: Arbeitet weniger, grenzt euch besser ab! Nur geht das einerseits an der Realität vorbei, und andererseits verkennt es, dass Stress auch ermöglicht, Höchstleistungen zu erbringen.

Viel wichtiger ist es, eindeutige Signale zu erkennen und auf sie zu reagieren. Regelmäßiger Alkoholkonsum, lange Genesungszeiten nach einer simplen Erkältung, ein Abkoppeln vom sozialen Umfeld – das sind überaus deutliche Zeichen einer zu hohen Belastung.

Effizienz ist intelligente Faulheit

Wer es gar nicht so weit kommen lässt, hat die Grenzen seines eigenen Handelns schon besser verinnerlicht. Inklusive der Selbsterkenntnis, jeden Tag etwas Gutes für sich zu tun. Das kann der Ausgleichssport sein, das Hobby, oder etwa das Meditieren.

Viele Manager haben dazugelernt und machen das von Fachleuten empfohlene Mindestmaß an Entspannung von 20 Minuten täglich. So wie etwa der ehemalige Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling, der nicht nur boxt, sondern auch Yoga betreibt. Auch Ralf Rangnick hat sein Leben umgekrempelt. Er ernährt sich gesünder und integriert Yoga mittlerweile in seinen Tagesablauf.

Wer einmal die Notwendigkeit von Verhaltungsänderungen erkannt hat, dem ist zu wünschen, dass er konsequent in der Umsetzung bleibt und sich auch nicht durch andere, zum Beispiel durch den Chef, davon abbringen lässt.

Dazu gehört auch, unnötige Meetings abzulehnen und geschickt Aufgaben zu priorisieren. Schließlich stellt das sinnvolle Delegieren von Aufgaben und Verantwortung eine der Königsdisziplinen guter Führung dar.

Effizienz ist am Ende nichts anderes als intelligente Faulheit. Oder wie es General Kurt von Hammerstein-Equord einst formulierte: Wer klug ist und faul, qualifiziert sich für höchste Führungsaufgaben. Und lebt im Zweifelsfalle länger.

Mehr: In seinem Expertenrat im Juni erklärt Klaus Hansen, was Führungskräfte von Jürgen Klopp lernen können.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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