Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Visionäre wie Steve Jobs haben jung gegründet – entscheidet das Alter über den Erfolg?

Ikonen wie Mark Zuckerberg und Steve Jobs vermitteln den Eindruck, dass man als Gründer zwingend jung sein muss. Doch es gibt gute Gründe, im Alter zu gründen.
Kommentieren
Mit seiner Vision machte der Unternehmer Apple zu einem weltweit führenden Tech-Konzern. Quelle: AP
Steve Jobs

Mit seiner Vision machte der Unternehmer Apple zu einem weltweit führenden Tech-Konzern.

(Foto: AP)

Mark Zuckerberg, Steve Jobs, Bill Gates, Michael Dell und Walt Disney – das sind Namen erfolgreicher Gründer, die eines verbindet: Spätestens mit Anfang 20 gründeten sie ein Unternehmen.

Deutschland dagegen, so scheint es, karikiert diesen Gründermythos. Einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge sind Gründer in Deutschland im Schnitt 39 Jahre alt, Tendenz steigend. Jeder Dritte ist bereits über 45 Jahre, ebenfalls Tendenz steigend.

Mehr noch: Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Gründungen um 17 Prozent im Vergleich zu 2016. Deutschland schickt also immer weniger, dafür aber mehr Ältere in den weltweiten Kampf um die digitale Vorherrschaft. Stimmt das wirklich, und wenn ja, ist das Alter ein Nachteil? Ein genauerer Blick gibt Klarheit.

Zum Ersten werden in der Statistik alle Gründungen erfasst, also auch die Pizzeria und die Modeboutique. Und in diesen Branchen werden sicherlich häufiger die sogenannten „Seniorpreneure“ anzutreffen sein als bei einem App-Entwickler. Zum Zweiten altert Deutschlands Gesellschaft rasant. Im Jahr 2035 werden knapp 50 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Und zum Dritten halten die florierende Konjunktur und der Wohlstand von weiten Teilen der Gesellschaft so manchen jungen Menschen ab, mit einer Existenzgründung gleich zu Anfang der Karriere Risiken einzugehen.

Ist Existenzgründung im fortgeschrittenen Alter überhaupt erfolgversprechend? Es steht außer Frage, dass bahnbrechende Innovationen schon immer das Privileg der Jugend waren. Nahezu alle Nobelpreisträger haben ihre wichtigsten Entdeckungen vor ihrem 30. Lebensjahr gemacht.

Doch es gibt etwas, an dem schon viele Start-ups mit ihren (jungen) Gründern gescheitert sind – und zwar an Führung und Organisation.

Eine außergewöhnliche Idee umzusetzen, ist das eine. Die darauf folgende Phase des Wachstums erfolgreich zu managen, das andere. Dann werden nämlich plötzlich ganz andere Dinge relevant, wie etwa die Firma strukturell der Wachstumsphase anzupassen, Verantwortung zu delegieren und die besten Mitarbeiter zu binden. Sicher, neue Strukturen lassen sich durch eine externe Beratung konzipieren und umsetzen – die damit einhergehende neue Art von Führung dagegen muss teilweise mühsam erlernt werden.

Junge Gründer haben oft nur wenig Lebenserfahrung

Kein Wunder, dass sehr viele junge Unternehmen daran scheitern. Schließlich hat der junge Gründer nie etwas anderes gesehen als seine eigene Firma. Er hat im Zweifelsfalle nie selber gute oder schlechte Führung am eigenen Leib als Angestellter erlebt. Er kann auf keinerlei Lebenserfahrung zurückgreifen.

Ältere Gründer dagegen können aus einem Reservoir an Lebenserfahrung schöpfen, haben Niederlagen erlebt, hoffentlich daraus gelernt, können mit steigender Zahl an Mitarbeitern besser delegieren, behalten die Übersicht und können sich auch selber zurücknehmen. Sie können zumeist Risiken realistischer beurteilen und wissen deshalb Investitionsfragen cleverer zu beantworten.

Vor diesem Hintergrund wirkt der vordergründige Nachteil des Gründens im höheren Alter nicht besonders gewaltig. Zumal die meisten Neugründungen nicht gleich am Anfang, sondern bei der ersten richtigen Bewährungsprobe scheitern. Und hier ist im Vorteil, wer auf Erfahrungen zurückgreifen kann.

Fazit: Jugend ist keine Sünde und Alter kein Verdienst. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Klaus Hansen ist Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Hansen - Visionäre wie Steve Jobs haben jung gegründet – entscheidet das Alter über den Erfolg?

0 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Hansen: Visionäre wie Steve Jobs haben jung gegründet – entscheidet das Alter über den Erfolg?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%