Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Warum gute Mütter und Väter die besseren Vorstände sind

Motivieren, Grenzen setzen, Risiken abwägen: Kindererziehung ist alles andere als banal. Wer aber aus dem Nachwuchs selbstständige Wesen macht, der taugt als Führungskraft.
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Als Kopf einer Familie erlernt man wesentliche Bausteine erfolgreicher Führung. Quelle: Imago/Westend61
Vater und Sohn

Als Kopf einer Familie erlernt man wesentliche Bausteine erfolgreicher Führung.

(Foto: Imago/Westend61)

Wenn Kinder Fahrrad fahren lernen, dann stehen die meisten Eltern daneben, ermuntern, ein paar Meter mehr zu fahren, trösten, wenn der eine oder andere Versuch mit blauen Flecken endet. Sukzessive vergrößern die Mütter und Väter den Radius ihres Schützlings.

Das Kind, das Hilfestellung und regelmäßige Motivation erfahren hat, das Vertrauen durch die Nähe der Erziehungsperson spürt, trainiert weiter. Mit diesem Selbstvertrauen und der guten Erfahrung lässt sich das Kind auf die neue Situation ein und erlebt seine eigene Weiterentwicklung, in etwa so, wie es auch Laufen gelernt hat.

Das lässt sich leicht auf die Unternehmenswelt übertragen. Ein Firmeninhaber oder angestellter Geschäftsführer führt qua Funktion Mitarbeiter, delegiert Aufgaben, setzt Ziele, an denen die Mitarbeiter wachsen können, bleibt aber für mögliche Rückfragen immer erreichbar. Idealtypisch spürt das Mittelmanagement, dass der Chef den Führungskräften die Bewältigung von Aufgaben zutraut.

Das lässt sich nur in der eigenen Familie lernen, nicht in einem einstündigen Webinar oder in theorielastigen Universitätsseminaren. Als Kopf einer Familie erlernt man wesentliche Bausteine erfolgreicher Führung. Dazu gehört zuallererst, Verantwortung für andere zu übernehmen, und zwar mit allen Konsequenzen.

Das geht beim Umgang mit dem Säugling los und führt über die Wahl der richtigen Ausbildungsstätten bis zu Gesundheitsfragen. Fragen von essenzieller Bedeutung für die Schützlinge also, für deren Konsequenzen es keine D&O-Versicherung gibt und auch kein Rücktrittsrecht, selbst bei erheblichen Mängeln.

Zur Führungsfähigkeit gehört aber noch eine Menge mehr. Wer eine Familie hat, denkt und handelt nicht weniger mutig als Kinderlose, aber risikobewusster. Denn eine Bedrohung der eigenen Existenz ist auch gleichzeitig eine Bedrohung für die anderen Familienmitglieder. Konsequenzen eigener Entscheidungen werden also häufiger bedacht, was auch der Belegschaft zugutekommt. 

Wer eine Familie besitzt, lernt zu improvisieren. Je mehr Kinder zwischen den Beinen herumlaufen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass alle Planungen, sei es am Wochenende, auf der Fahrt in den Urlaub oder am abendlichen Essentisch, durch kurzfristige Ereignisse über den Haufen geworfen werden. 

Wer Kinder hat, dem gelingt es in der Regel auch leichter, sich selber nicht so ernst zu nehmen. Das lässt sich leicht beim Auftritt der Kleinsten in ihrem allerersten Theaterstück beobachten. Dort ist keine Bühne für das Aufblähen von Eitelkeiten Erwachsener, es geht schlicht um die Emporkömmlinge. Auf die Firmenwelt übertragen: Gelassenheit und humorvolles Abstandnehmen zur eigenen Arbeit wissen Mitarbeiter zu schätzen. 

Nicht zuletzt möchten Eltern auch irgendwann einmal zu Hause die Kinder selber erleben. Und sollten damit automatisch Verständnis für die zeitlichen Belange der Mitarbeiter haben, die das gleiche Bedürfnis kennen. 

Das alles setzt jedoch voraus, dass die Führungskraft Familie auch wirklich lebt und sie sich nicht nur als Statussymbol hält. Wer das Erwachsenwerden seiner Kinder ausschließlich Nannys, Krippen und dem Internat überlässt, der hat nicht verstanden, worum es wirklich geht.

Klaus Hansen ist Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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