Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Warum Trumps Führungsstil für manche Manager vorbildlich ist

Donald Trump beherrscht wie kein Zweiter die Weltpolitik. Taugt der Führungsstil des Präsidenten als Vorbild für deutsche Manager? Ja und nein.
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Gibt der Erfolg dem US-Präsidenten recht? Quelle: Reuters
Trump mit Siemens-Chef Kaeser

Gibt der Erfolg dem US-Präsidenten recht?

(Foto: Reuters)

Knapp anderthalb Jahre im Amt ist Donald Trump als Präsident der USA. Angesichts seiner enormen Präsenz in den Medien vergisst man schnell: Der Mann ist eigentlich Unternehmer, kein Berufspolitiker. Da stellt sich die Frage: Taugt sein Führungsstil in der Politik als Vorbild für deutsche Manager?

Ein „Nein“ ist schnell gerufen. Und wem mag man das (vor-)schnelle Urteil verübeln, wenn der tumbe Trump wie kein zweiter Staatsmann regelmäßig auf großer Bühne peinlich herumpoltert?

Trotzdem: Differenzierung ist auch an dieser Stelle nötig. Tatsächlich passt Trumps Stil zu einer ganz bestimmten Unternehmensphase wie die Faust aufs Auge: die der existenziellen Krise. Nach dem Schock von 9/11 gab es solche Beispiele zuhauf, nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers umso mehr.

Wenn also die Umsätze schmelzen, wenn die Liquidität aufgebraucht ist, wenn ganze Top-Teams fluchtartig das Weite suchen – dann braucht es einen Chef, der den Ernst der Lage erkannt, einen klaren Plan im Kopf hat und diesen rigoros umsetzt. Unabhängig davon, ob andere Führungskräfte und Mitarbeiter seiner Meinung sind oder nicht.

Traditionell bleiben durch das Verhalten dieser „Management-Despoten“ viele Mitarbeiter auf der Strecke. Entweder weil sie freiwillig das Unternehmen verlassen oder rausgeworfen werden. Dieser Kollateralschaden ist praktisch unabdingbar, schließlich ist absolute Geschlossenheit bei der Umsetzung des Ziels der Chefetage Voraussetzung für den Erfolg der Mission. Zaudern, Zögern, schier endloses Diskutieren ist fehl am Platze.

Auf scheinbar wundersame Weise verstummen die Klagelieder der Mitarbeiterschaft rasch, wenn sich die ersten Sanierungserfolge des „trumpschen“ Chefs einstellen, Kunden wieder Vertrauen fassen, die Umsätze klettern und die Angst dem Optimismus weicht. Scheinbar paradox: Das eigentlich nicht erträgliche Chefverhalten wird rückblickend wohlwollend kommentiert.

Auf Dauer schädlich

Gibt der Erfolg Trump nicht recht? Wenn etwa Nordkoreas Regent Kim Jong Un scheinbar devot auf Trumps Linie zusteuert, wenn China sich artig um den Defizitausgleich bemüht, wenn es in Europa keinen nennenswerten Widerstand gibt. „Spitz-auf-Knopf“-Strategie forever?

Lässt sich diese Art von Führung zum dauerhaften Erfolgsmaßstab erklären? Auf die Unternehmenslandschaft bezogen lautet die Antwort: nein. Denn ein solcher der unmittelbaren drohenden Gefahr dienender Führungsstil funktioniert nur über einen sehr kurzen Zeitraum, längstens ein Jahr.

Verlängert man diese Mission mutwillig und ohne berechtigte Grundlage, dann wendet sich das Ganze ins Gegenteil – und führt unweigerlich ins Verderben. Das ist wie bei Karl Mays Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi: Wenn er seinem Hengst „Rih“ zwischen die Ohren ruft, läuft dieser weit über seine Reserven hinaus, viel weiter als die sogenannte „extra Meile“. Jedoch zu oft gerufen, fällt der Hengst irgendwann tot um.

Übertragen auf Donald Trump heißt das: Der US-Präsident wird aller Voraussicht nach den Bogen überspannen, seine „America-first“-Politik wird am Ende mehr zerstört als erschaffen haben, denn die gefühlte Krise der USA legitimiert ein solches Führungsverhalten nicht. Noch schaut alles auf das „Rih“, aber der Schaum am Maul der Weltwirtschaft tropft schon gewaltig herunter.

Klaus Hansen ist Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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