Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Was eine gute Führungskraft vom einfachen Manager unterscheidet

Es wimmelt hierzulande nur so von Managern – mit mehr oder weniger finanzieller und materieller Verantwortung. Für das große Ganze aber braucht es einen Unternehmensführer.
Kommentieren
Management ist eine unterstützende, dienende Funktion der Führung. Quelle: Imago
Führungskraft und Mitarbeiter

Management ist eine unterstützende, dienende Funktion der Führung.

(Foto: Imago)

Zwei Wörter reichen, um die Sache auf den Punkt zu bringen. „Business Administration“, so heißt im Angelsächsischen das Studienfach, das in Deutschland als „Betriebswirtschaftslehre“ bekannt ist. „Administration“ wird gemeinhin mit Verwaltung, Ausführung und Vollstreckung übersetzt. Diese Aufgaben sind in jedem Unternehmen zu erledigen. In höherer Hierarchien gehen sie einher mit finanzieller und materieller Verantwortung.

Diejenigen, die diese Aufgaben ausführen, werden zumeist als Manager bezeichnet. Unternehmensführer sind sie damit noch lange nicht. Management ist eine unterstützende, dienende Funktion der Führung, die unerlässlich, aber eben nur eine Teilmenge des großen Ganzen ist. Was dem Management fehlt, ist das ganzheitliche Moment des unternehmerischen Handelns – des Führens.

Was aber bedeutet Führungsfähigkeit in diesem Zusammenhang? Ein Beispiel vorangestellt: Ex-Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel fasste seine Strategie für den Konzern in bestechender Einfachheit und Logik wie folgt zusammen: Kapitalbeschaffung durch Börsengang – geografische und produktseitige Expansion – Weltmarktführerschaft in der Logistik.

Anfang der 1990er-Jahre auf der Rückseite einer Visitenkarte formuliert, besaß die Strategie bis zu seinem Ausscheiden in 2008 Gültigkeit. Diese umzusetzen, bedingte zugleich eine seltene Kombination aus visionärer Kraft, hohem Maß an Abstraktionsvermögen und Mut zum Risiko – Eigenschaften, die Zumwinkel zugeschrieben wurden.

So mancher dagegen scheitert bei dem Wunsch, erfolgreicher Unternehmensführer zu werden, schon an den Voraussetzungen. Dazu zählt vor allem die Befähigung, Ziele zu erkennen und richtig setzen zu können, um anschließend durch die Vorgabe der für die Erreichung notwendigen Mittel andere dazu zu befähigen, diese Ziele zu erreichen. Hieraus ergeben sich zwei zentrale Anforderungen an eine oberste Führungskraft.

Zum einen die Fähigkeit, ungeachtet kurzzeitiger Strömungen oder Trends eine Vision – und daraus abgeleitet eine Strategie – entwickeln zu können. Diese wesentliche schöpferische Leistung des „Unternehmers“ schafft erst den Handlungsrahmen für alle weiteren Entscheidungen und die Grundlage für eine Delegation von Verantwortung, die in den heutigen komplexen, rapide rotierenden Organisationen unabdingbar ist.

Oder anders ausgedrückt: Ohne Ziel ist jeder Weg richtig. Die Entwicklung und Formulierung einer solchen Vision kann zwar durch interne und/oder externe Unterstützung befördert werden, am Ende verlangt es aber nach der Gestaltungskraft des Unternehmensführers, die nicht erlernbar, sondern als individuelle Veranlagung vorhanden ist – oder eben nicht.

Die zweite wesentliche Anforderung an eine Führungskraft ergibt sich aus der Notwendigkeit, die Umsetzung der einmal formulierten Strategie durch andere erfolgreich sicherzustellen. Dieser eigentliche Führungsvorgang lebt ebenfalls zunächst von der Persönlichkeit und damit vom angeborenen Talent der Person, ungeachtet der unternehmerischen Umgebung führend wirken zu können.

Zusammengefasst heißt das: Erfolgreiche Unternehmensführer vereinen im Wesentlichen zwei Merkmale auf sich. Erstens die gestalterische Kraft zur abstrakten Formulierung einer Vision und Durchsetzung der daraus abgeleiteten konkreten Unternehmensziele. Und zweitens die Souveränität, Managern den notwendigen Handlungsspielraum und die dazu nötigen Kompetenzen einzuräumen, ohne die eigene, letzte Gesamtverantwortung dadurch zu verwässern.

Die hohe Notwendigkeit exzellenten Managements soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Ganz im Gegenteil: Wie Yin und Yang bedingen sich Führung und Management gegenseitig. Management ohne Führung ist ziellos, Führung ohne Management wirkungslos.

Klaus Hansen ist Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Hansen - Was eine gute Führungskraft vom einfachen Manager unterscheidet

0 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Hansen : Was eine gute Führungskraft vom einfachen Manager unterscheidet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%