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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Was Manager im Jahr 2030 erwartet

Die zukünftige Arbeitswelt krempelt das Selbstverständnis der heutigen Generation von Managern um. Wer jetzt nicht umdenkt, hat schon verloren.
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Hierarchien lösen sich auf. Quelle: Imago
Manager in einer Lagerhalle

Hierarchien lösen sich auf.

(Foto: Imago)

Wir schreiben das Jahr 2030. Peter Müller ist 50 Jahre alt, führt einen internationalen Logistik-Konzern. Auf Assistentinnen verzichtet er schon seit Jahren, Software auf der Basis von Künstlicher Intelligenz steuert seine Terminplanung. Müllers Unternehmen weist nur noch drei Ebenen auf, den Vorstand, die Teamleiter und die Ebene der Angestellten.

Müllers Aufgabe besteht darin, Mitarbeiter zu beraten und Aufgaben zu koordinieren. Führung bedeutet für ihn, die gesamte Belegschaft zu begeistern, da es keine feste Zuordnung von Mitarbeitern zu Vorgesetzen gibt.

Selbstlernende Maschinen haben Müllers Unternehmen geentert und 70 Prozent der Aufgaben übernommen, die bislang Menschen verrichteten. In den Lagern des Unternehmens gibt es noch eine Handvoll Mitarbeiter, die bei einem Ausfall der Maschinen zur Stelle sind. Sie wirken wie Spielfiguren in einem überdimensionierten Schachspiel.

Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten und gleichsam flexibel reagieren zu können, hat Müllers Konzern wie andere Unternehmen aus der Branche keine Festangestellten mehr in den Lagern. Vergangenes Jahr ist der letzte vertraglich gebundene Mitarbeiter in den Vorruhestand gegangen.

Kreativität als neue Schlüsselqualifikation

Seinem Umfeld predigt Müller unaufhörlich eine neue Definition der Schlüsselqualifikationen. Die klassischen Skills eines Facharbeiters reichen nicht mehr aus, dagegen werden Kreativität und Lösungsorientierung zu den entscheidenden Merkmalen.

„Was“, fragt Müller rhetorisch Studenten, die kurz vor dem Abschluss stehen und heute sein Unternehmen besuchen, „was unterscheidet uns noch von der Künstlichen Intelligenz?“ Und weist noch rasch darauf hin, dass die Rechenleistung eines Smartphones inzwischen die des menschlichen Gehirns übertrifft. Die Studenten, die Outlook und Excel nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, antworten brav: „Kreativität und Emotionen, Herr Müller!“

Später entwickelt sich eine teils hitzige Diskussion zwischen dem älteren Manager Müller und den Mittzwanzigern über den Wert des Einzelnen in der vielfach künstlich-intelligent-gesteuerten Arbeitswelt. Müller merkt an, dass es immer schwieriger sei, Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Seit Jahrzehnten, fügt er hinzu, nehme die Beschäftigungsdauer eines Arbeitsverhältnisses ab.

Im Stillen hadert er manchmal damit, dass aufgrund der Automatisierung Menschen immer weniger Entscheidungen treffen müssen. Seine Studenten lässt er an seiner „Früher-war-einiges-besser“-Einstellung nicht teilhaben. Er hält stattdessen ein flammendes Plädoyer dafür, mit persönlicher Kreativität sich selbst und seinem Arbeitgeber einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen zu können.

Ein Student erzählt von seinen ersten Bewerbungsgesprächen. Er hat nur Firmen angesprochen, zu denen er entweder maximal zwanzig Kilometer fahren muss oder für die er komplett von zu Hause oder einem nahen „Working Space“ arbeiten kann. „Ich will bald eine Familie gründen, langes Pendeln sehe ich da nicht ein!“

Der Student bewegt sich damit im Mainstream, die Bereitschaft, die eigene „Scholle“ zu verlassen und sich für die Karriere von seiner Familie zu trennen, hat dramatisch abgenommen. Er verweist bei seiner Bewerbungsstrategie keck darauf, dass die Demografie ihm in die Karten spielt: Auf ausgeschriebene Führungspositionen bewerben sich immer weniger Personen.

Gleich in sein erstes Bewerbungsgespräch, so erzählt der Student weiter, sei er mit breiter Brust gegangen. So wie ein maßgeschneiderter Anzug müsse auch das Arbeitsverhältnis maßkonfektioniert sein. Montags und dienstags sei er nur für Teilzeit zu haben, mittwochs und donnerstags könne er komplett im Büro arbeiten, freitags möchte er vom Homeoffice arbeiten. „Der persönliche Kontakt zu den Kollegen“, argumentiert er, „ist doch durch Videokonferenzen in 3D zunehmend überflüssig geworden.“

Geld als Tauschmittel

Manager Müller nestelt an seiner Jackettasche, zieht einen Füllfederhalter raus, beginnt damit zu spielen. Für seine persönliche Ausgeglichenheit braucht er dieses scheinbar retrohafte Schreibvehikel wie andere Personen den Kaugummi im Flugzeug. Erst vor Kurzem hat Müller ein Schreibseminar besucht, um seine persönliche Handschrift zu trainieren – damit seine Ehefrau die persönliche Weihnachtskarte auch entziffern kann.

Der Student erzählt von seiner Gehaltstrategie im Bewerbungsgespräch. Annehmlichkeiten und sinnvolle Dienstleistungen seien ihm wichtiger als der harte Euro. „Für mich ist ein großer Teil des Gehalts eine Art Tauschobjekt“, sagt er in die Runde. „Im Zweifel ist mir freie Zeit mit meiner Familie wichtiger als die Arbeit.“

Altvorderer Müller nickt wissend, er kennt diese Ansicht aus fast allen seiner Gespräche mit Bewerbern. In den Runden mit der nachfolgenden Generation beeindruckt ihn dabei am meisten, wie hartnäckig die Bewerber versuchen, die Sinnhaftigkeit des ausgeschriebenen Jobprofils auszuforschen.

In der immer noch an Komplexität zunehmenden Arbeitswelt möchte jeder Jobaspirant weit mehr als das Rädchen im großen Getriebe sein. Es ist vor allem diese Gabe der jungen Leute, die ihm Mut macht, dass Menschen immer über Maschinen stehen werden.

Klaus Hansen ist Managing Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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1 Kommentar zu "Expertenrat – Klaus Hansen: Was Manager im Jahr 2030 erwartet"

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  • Fehlen nur noch die Firmen die solche "Bewerber" einstellen ;-)