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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Wir brauchen mehr Multi-Kulti in deutschen Führungsetagen

Deutsche Führungsgremien befinden sich im Wandel: Sie werden nicht nur weiblicher, sondern auch internationaler. Das wirkt sich positiv auf die Führungskultur aus.
2 Kommentare
Diversität ist in deutschen Chefetagen Mangelware. Quelle: Robert Hanson
Verschiedene Herkünfte

Diversität ist in deutschen Chefetagen Mangelware.

(Foto: Robert Hanson)

Niran Peiris ist das Paradebeispiel eines internationalen Managers. 1961 wurde er in Colombo, Sri Lanka, geboren und wuchs dort auch auf. Für das Studium der Rechtswissenschaften und Ökonomie ging Peiris dann nach Sydney. In der bevölkerungsreichsten Stadt Australiens fand er später seine berufliche Heimat. Mehrere Jahrzehnte arbeitete er für australische Versicherer – bis er zur dortigen Tochtergesellschaft des Dax-Konzerns Allianz wechselte.

Vor einem Jahr wurde Peiris nun in den Vorstand des Münchner Unternehmens berufen und trägt seither zum besonderen „Multi-Kulti-Status“ der Führungsriege bei: Sieben von zehn der heutigen Vorstandsmitglieder der Allianz sind im Ausland geboren. Zusammen mit Fresenius Medical Care und Wirecard gehört die Allianz damit zu den Dax-Konzernen mit der höchsten Quote an Internationalität.

Doch auch andere Unternehmen aus dem größten deutschen Börsensegment haben aufgeholt. Im vergangenen Jahr hat der Anteil an nicht-deutschen Dax-Vorständen zum ersten Mal die 30-Prozent-Marke überschritten, wie unser Dax-Vorstands-Report zeigt.

Jahrelang stagnierte diese Quote deutlich unter 30 Prozent – und das ausgerechnet bei den Flaggschiffen der deutschen Industrie. Was hoffnungsvoll für die nächsten Jahre stimmt: 43 Prozent der Vorstandsmitglieder, die in 2018 neu in die Gremien berufen wurden, sind nicht-deutscher Herkunft. Dieser Trend dürfte die nächsten Jahre anhalten.

Die Entwicklung kommt natürlich nicht zufällig. Erstens sind Dax-Firmen wie die Allianz streng genommen gar keine deutschen Unternehmen mehr. Einer Untersuchung zufolge hielten Investoren aus dem Ausland vergangenes Jahr durchschnittlich 53,7 Prozent der Aktien der Dax-Konzerne – ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 52,4 Prozent. Das Kommando in den Konzernen haben also zunehmend Investoren aus dem Ausland, zum Beispiel Investmentfonds.

Zweitens dringen Aufsichtsräte und Anteilseigner darauf, dass das Personaltableau auch zu den Absatzmärkten passt. Industriekonzerne wie Daimler oder BMW gehen in Auslandsmärkten nicht nur auf Kundenfang, sondern kaufen dort auch Materialien ein, die sie vor Ort brauchen, um ihre Kunden schnell beliefern zu können.

Wer also seine Absatzmärkte optimal verstehen will, muss auch eine vielfältige und internationale Kultur im Unternehmen fördern. Ein Deutscher dagegen hat in einer fernen Region, die er zuvor noch nicht gesehen hat, häufig Schwierigkeiten, erfolgreich Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Umgekehrt kann ein „fremdländischer“ Vorstand in der deutschen Konzernzentrale Einfluss auf die Unternehmenskultur seines Arbeitgebers nehmen. Qua seiner Herkunft nimmt er einen anderen Blick auf die Dinge ein, stellt andere Fragen und Anforderungen an seine Mitarbeiter. Die Führungskultur in seinem Verantwortungsbereich verändert sich dann sukzessive, wird fluider und flexibler.

Damit wird aber erst die Grundlage dafür geschaffen, dass auch in tieferen Schichten der Unternehmen zunehmend Nicht-Deutsche einen Platz finden können, weil sie sich nicht an eine „deutsche“ und damit eine ihnen fremde und oftmals fremdelnde Kultur anpassen müssen, was regelmäßig schiefgeht.

Erst eine signifikante Erhöhung des Ausländeranteils auf den drei Ebenen unterhalb des Vorstands ermöglicht eine wirklich globale Betrachtung der Märkte und Produkte. Damit dieser Prozess auch langfristig von Erfolg gekrönt ist, bedarf es umfassender kultureller Begleitmaßnahmen für die neuen Mitarbeiter und deren Angehörige. Denn Herzogenaurach, Walldorf oder Essen sind nun mal nicht Metropolen wie New York, Singapur oder Sydney.

So gesehen hatte Niran Peiris einen kleinen Vorteil, als er Anfang 2018 von Sydney in die auch bei Ausländern beliebte bayrische Landeshauptstadt wechselte. Viel Gelegenheit zur Stadtbesichtigung hat er allerdings nicht: Als zuständiges Vorstandsmitglied für die englischsprachigen Märkte ist er viel im Flugzeug unterwegs.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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2 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Hansen: Wir brauchen mehr Multi-Kulti in deutschen Führungsetagen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Anders formuliert: wir brauchen gute Leute, nicht Multi-Kulti.

  • Das glaube ich nicht, Tim.

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