Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Nora Heer

Expertenrat – Nora Heer Lahm belehrt Löw nach dem WM-Aus – worauf es bei guter Führung jedoch tatsächlich ankommt

Nach dem deutschen WM-Aus diskutiert das ganze Land, wie es weitergehen soll. Unzählige Fußball-Experten fordern eine straffe Führung. Doch was ist darunter zu verstehen?
Kommentieren

Nora Heer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im Bereich Personal und Management von Organisationen hat sie den Aufbau unterschiedlichster Unternehmen vom Start-up bis zum Konzern mitgestaltet und begleitet.

Seit dem peinlich frühen Ausscheiden der Ex-Weltmeister bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist das Land in hellem Aufruhr. Auch noch Wochen nach dem WM-Finale melden sich täglich Fußball-Kenner zu Wort, die genau wissen, warum Deutschland so blamabel abgeschnitten hat und, was jetzt zu tun ist, um die erfolgsverwöhnte „Mannschaft“ wieder in die Spur zu bringen.

Viel Kritik kommt auch aus nicht berufenem Mund. Wenn sich aber Ex-Nationalspieler Philipp Lahm Gedanken über das Fußball-Debakel macht, lohnt es sich, genauer hinzuhören. Lahm ist kein Dampfplauderer. Er weiß, wovon er spricht.

In seiner aktiven Zeit galt er zu Recht als einer der besten Außenverteidiger, hat aber ebenfalls im defensiven Mittelfeld seine Stärken gezeigt. Kluge und präzise Pässe, Schnelligkeit und Ausdauer haben ihn als Spieler ausgezeichnet. Doch auch neben dem Spielfeld hat er sich schon immer geschickt profiliert.

Nach seiner beeindruckenden Karriere hat er sich als Fußball-Vordenker und gewiefter Stratege – durchaus auch in eigener Sache – positioniert und Respekt verschafft. Wenn Lahm seine Meinung kundtut, hört ihm die Fußball-Nation zu. Nicht zuletzt deshalb, weil er persönliche Angriffe vermeidet und sachlich kritisiert. Die Regeln für konstruktives Feedback kennt und beherrscht er.

Wenn er seinen Beitrag zur Aufarbeitung des Vorrunden-Aus leistet, dann tut er das mit Bedacht. Seine Analyse, dass sich bisherige Erfolgsrezepte nicht auf die Zukunft übertragen lassen, klingt naheliegend. Sie macht aber auch deutlich, dass dem Trainerteam die Ideen fehlten, ein neues, überraschendes Spielsystem zu etablieren.

Der bisher erfolgreiche Ballbesitzfußball war in Russland nicht das zwingende Erfolgsrezept. Die Mannschaften, die dem Turnier ihren Stempel aufdrückten, glänzten mit einer direkten und entschlossenen Spielweise. Auch was die Zusammenstellung der Mannschaft betraf, setzte Trainer Jogi Löw auf Bewährtes.

Heute wissen wir, dass einige Spieler nicht in der Form waren, um auf dem Spielfeld aufzulaufen. Leistung hätte die Grundlage für die Nominierung der Spieler sein müssen – und nicht die Verdienste der Vergangenheit. Wenn jemand nicht mehr ins Teamgefüge passt, sollte man selbst vor harten Entscheidungen nicht zurückschrecken und stattdessen jungen Talenten die Chance geben, auch wenn das Risiken mit sich bringt. Talente für die notwendige Blutauffrischung gibt es genügend im deutschen Fußball.

Die aufgeheizte Diskussion um den Fototermin der Fußballer Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan war sicher Gift für die Stimmung im Team und für die Vorbereitung auf das Turnier. Eine klare Ansprache an die beiden Wahlkämpfer wäre nötig gewesen.

Deutschland und der DFB stehen für eine freiheitliche Grundordnung, demokratische Prinzipien und Liberalität. Und es ist nicht zu viel verlangt, dass auch Spieler mit multikulturellem Background klar dafür einstehen.

Andererseits hat sich der Verband bei Weitem nicht genügend hinter die beiden England-Söldner gestellt und sich nicht in aller gebotenen Klarheit gegen die üblen rassistischen Reaktionen positioniert. Das ist beschämend für einen Verband, der seine erste Mannschaft als Vorbild für funktionierende Multikulturalität und gelungene Integration darstellt. Das Image ist nun futsch und muss erst wieder aufgebaut werden – nicht zuletzt seit dem vieldiskutierten Rücktritt von Özil aus der deutschen Nationalelf.

Lahm kritisierte auch offen den kollegialen Führungsstil von Löw. Er analysierte, dass die nachrückende Generation eine klare Ansprache braucht, da sie in den Leistungszentren zu Egoisten herangezogen werden, die vor allem den eigenen Erfolg im Fokus haben.

Lahm machte dabei nicht klar, was er genau unter straffer Führung und klarer Ansage versteht. Falls er damit meinte, dass junge Spieler streng hierarchisch und von oben herab geführt werden sollen, dann ist er damit auf dem Holzweg. Ein solches Führungsverständnis kommt bei den nachrückenden Generationen nicht gut an und löst nicht die gewünschte Entwicklung aus.

Gegen klares – auch kritisches – Feedback ist nichts einzuwenden, solange es konstruktiv bleibt und nicht die Person abwertet. Denn gerade kritisches Feedback ist ein Zeugnis für Wertschätzung der Person gegenüber. Es zeigt, dass man an der weiteren sportlichen und menschlichen Entwicklung der Person interessiert ist.

Mit dieser Art von Feedback wird es möglich sein, die Spieler vom hohen Ross runterzubekommen und sich mannschaftsdienlich auf das gemeinsame Ziel auszurichten. Wenn das gelingt, droht kein weiteres Scheitern in der Vorrunde. Und auch ein fünfter Stern auf dem Trikot ist möglich.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Nora Heer - Lahm belehrt Löw nach dem WM-Aus – worauf es bei guter Führung jedoch tatsächlich ankommt

0 Kommentare zu "Expertenrat – Nora Heer: Lahm belehrt Löw nach dem WM-Aus – worauf es bei guter Führung jedoch tatsächlich ankommt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%