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Nora Heer

Expertenrat – Nora Heer Warum Autokraten wie Putin und Erdogan in der Wirtschaft keine Chance hätten

Demokratische Systeme geraten, auch in Europa, zunehmend unter Druck. In Unternehmen ist das genau umgekehrt – und das aus gutem Grund.
2 Kommentare
Kann die Türkei nun nach seinen Vorstellungen umbauen. Quelle: dpa
Recep Tayyip Erdogan

Kann die Türkei nun nach seinen Vorstellungen umbauen.

(Foto: dpa)

Weltweit leben rund 4,2 Milliarden Menschen in Demokratien und etwa 3,3 Milliarden in Autokratien. Mehr als die Hälfte der Menschheit genießt also die unbestreitbaren Vorteile einer demokratischen Ordnung: Rechtssicherheit, Freiheit, Liberalität und Stabilität.

Doch nicht nur gefühlt gerät das System Demokratie – nach Winston Churchill immer noch die beste aller schlechten Staatsformen – in letzter Zeit gehörig unter Druck. Populisten und Autokraten sind weltweit auf dem Vormarsch.

China zum Beispiel hat keine demokratische Tradition. Und doch hofften die westlichen Industriestaaten, dass die Volksrepublik irgendwann demokratisch wird – wenn es schon eine Marktwirtschaft und offene Grenzen gibt. Heute wissen wir, dass das nur Wunschdenken war: Der Nationale Volkskongress hat dem Präsidenten Xi Jinping eine Regentschaft auf Lebenszeit zugesichert.

Auch Russland kann nicht auf eine demokratische Tradition bauen. Das chaotische Experiment nach dem Zerfall der Sowjetunion war rasch beendet. Wladimir Putin, der auf Bären reitende starke Mann im Kreml, hat der gebeutelten Nation wieder nationales Selbstbewusstsein eingeflößt und sitzt für weitere sechs Jahre fest im Präsidentensattel. Sein Wahlerfolg ist jedoch weniger beeindruckend, da in seiner „gelenkten Demokratie“ wirklich freie Wahlen nach westlichem Muster nicht möglich sind.

Recep Tayyip Erdogan hat in der Türkei ein ähnliches System der Pseudodemokratie etabliert. Nach seiner Wiederwahl kann er nun das tun, was er schon lange anvisiert hat – als Partei-, Staats- und Regierungschef mit fast unbeschränkten Befugnissen durchregieren. Auch wenn das Wahlergebnis angesichts der legitimen und illegitimen Mittel, die Erdogan im Wahlkampf im Ausnahmezustand einsetzen konnte, knapp ausgefallen ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass sehr viele Türken den „geliebten Führer“ nach wie vor unterstützen.

Dass Ungarns Viktor Orbán zu den ersten Gratulanten von Erdogan zählte, überrascht nicht. Auch er hält nichts von kritischen Medien und widerborstigen Richtern. Doch Orbán ist nicht der einzige zu Autokratie und Populismus neigende Staatenlenker in Europa, der Wiege der Demokratie. In Polen ist Jarosław Kaczyński dabei, demokratische Strukturen wie die Gewaltenteilung oder die Pressefreiheit immer mehr zu durchlöchern.

Dass sich sogar der Präsident einer seit gut 250 Jahren bewährten Demokratie ebenfalls als Vorkämpfer einer breiten Volksbewegung sieht, die sich gegen die traditionellen Eliten und Institutionen und gegen die liberale Ordnung auflehnt, ist wirklich besorgniserregend. Auch wenn Donald Trump die große demokratische Tradition der USA noch nicht komplett über Bord werfen konnte, das politische Leben in Washington hat er schon jetzt verändert. Nicht zum Guten.

Die Wirtschaft macht vor, wie es geht

Es erstaunt, dass auf dem politischen Parkett die Populisten laufend Erfolge feiern, während in der Wirtschaft längst die Erkenntnis gereift ist, dass Führungskräfte, die statt auf Vertrauen, Wertschätzung, Motivation und individuelles Engagement auf eine harte Hand setzen, schädlich für Unternehmen und deren Erfolg sind.

Beispiele aus der Vergangenheit gibt es viele. So hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Matthias Müller anschaulich gezeigt, was passiert, wenn Chefs ein Klima der Angst schaffen und nur noch Menschen um sich scharen, die ihrer Meinung sind und unsinnige, ja sogar illegale Entscheidungen willfährig abnicken. Diese Art von Größenwahn führt nicht nur früher oder später zum eigenen Sturz, sondern bringt auch das ganze Unternehmen in gefährliche Turbulenzen.

Im 21. Jahrhundert sind Kontrollwahn, diktatorisches Führungsverhalten und autokratisches Gehabe antiquierte Auslaufmodelle für den Müllhaufen der Geschichte. Ein agiles Führungsverständnis, das auf Dezentralisierung der Macht und auf breitgestützte Checks and Balances baut, sind die Maxime der Zukunft. Oft wird das Primat der Wirtschaft gegenüber der Politik beklagt. Wenn es um erfolgreiche Führung geht, so kann dieses Primat aus meiner Sicht nur erwünscht sein.

Nora Heer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im Bereich Personal und Management von Organisationen hat sie den Aufbau unterschiedlichster Unternehmen vom Start-up bis zum Konzern mitgestaltet und begleitet.

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2 Kommentare zu "Expertenrat – Nora Heer: Warum Autokraten wie Putin und Erdogan in der Wirtschaft keine Chance hätten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Putin und Erdogan vertreten die Wünsche und Sehnsüchte der Mehrheit ihrer Bevölkerung.
    Putin und Erdogan sind genauso demokratische gewählt wie Merkel und Trump.

  • Ein Unternehmen zu fuehren ist keine demokratische Aufgabe. Natuerlich muss der Chef
    das Vertrauen seiner Mitarbeiter haben, aber das heisst noch lange nicht, dass er
    "demokratisch" agiert - das wird auch von der Mehrheit der Mitarbeiter nicht gewuenscht.
    In der Politik verlieren leider immer mehr demokratisch gewaehlte Regierende das
    Vertrauen ihrer Waehler - warum wohl?

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