Constanze Hintze

Expertenrat – Constanze Hintze Bella Italia bringt den Euro in Bewegung, aber nicht zu Fall

Italienische Anleihen verlieren an Wert, was vor allem Sparer trifft. Aber sind die Marktreaktionen angemessen? Es gibt Gründe, zuversichtlich zu sein.
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Normalisieren sich die Zustände? Quelle: dpa
Italiens neuer Premierminister Conte

Normalisieren sich die Zustände?

(Foto: dpa)

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ Die Ereignisse in Italien kann niemand ignorieren, da bilde ich keine Ausnahme. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, das an antiken Schätzen überreiche Land und Sehnsuchtsort vieler Deutscher befindet sich seit einigen Wochen im Ausnahmezustand. Die Sorge, dass sich die Italien-Krise zur Euro-Krise entwickelt, besteht nicht nur im politischen Berlin, sondern ist Thema vieler meiner Beratungsgespräche, die ich in diesen Tagen mit meinen Kundinnen und Kunden führe.

Ich möchte mich jedoch nicht in die Riege der Untergangspropheten einreihen, auch wenn der Ruf nach Schuldenerleichterungen bei gleichzeitiger Ausweitung der Staatsverschuldung und Steuererleichterungen jeder ökonomischen Vernunft entbehrt. Es gibt keinen Grund in Euphorie zu verfallen. Allerdings empfinde ich die Reaktion der Märkte auf die politischen Entwicklungen in Rom als übertrieben.

Bereits in den vergangenen Wochen, während der Koalitionsgespräche zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord, konnte man am Renditeanstieg italienischer Staatsanleihen ablesen, dass die Marktteilnehmer der Regierungsbildung der beiden populistischen Parteien mit Skepsis gegenüberstanden. Der italienische Renten-Future fiel von 138 (14. Mai) auf 129 (29. Mai) Punkte.

Zugespitzt hat sich die Lage mit der angekündigten Benennung des europakritischen Politikers Paolo Savona zum Wirtschaftsminister. Die Futures fielen am 29. Mai im Laufe des Tages auf 120 Punkte. Das heißt: Grundsätzlich konservativ eingestellte Anleger, also jene, die Aktienanlagen scheuen und stattdessen auf Anleihen setzen, verloren in wenigen Tagen mehr als 14 Prozent ihres Geldes.

Interessanterweise sind es vor allem italienischen Sparer , die ihr Vermögen darin angelegt haben. Für sie waren diese Tage eine Katastrophe, für Manager europäischer Rentenportfolios Herausforderung und Chance gleichermaßen.

Lichtstreifen am italienischen Anlagehorizont

Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, die für eine Normalisierung sprechen – zumindest für italienische Verhältnisse. Nach dem Votum des Staatspräsidenten Sergio Mattarella, wonach Savona einen anderen Bereich verantwortet, gelang im zweiten Anlauf die Bildung einer Regierung.

Wir werden sehen, was von den Wahlversprechen umgesetzt wird. Die Renditen italienischer Staatsanleihen haben sich fürs Erste bei 2,7 Prozent stabilisiert. Dieses Niveau wurde zuletzt 2014 erreicht, wo niemand von einer Staatskrise sprach.

Es gibt sogar gute Gründe, Zuversicht zu haben. Die fundamentale Situation des Landes stellt sich deutlich robuster dar als in früheren Stressphasen. Die Wirtschaft wächst, die italienischen Großbanken sind gut aufgestellt und die Haushaltssituation hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Trotz des jüngsten Renditeanstiegs ist die Zinslast für den italienischen Staat auf dem jetzigen Niveau immer noch verkraftbar. Zudem steht die Europäische Zentralbank (EZB) als Käuferin von Staatsanleihen dem italienischen Staat weiterhin zur Seite. Italiener verfügen über große Privatvermögen und sind nur gering verschuldet. Und laut einer aktuellen Umfrage wollen zwei Drittel der Italiener den Euro behalten. Bei Goethe heißt es weiter: „Dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!“

Constanze Hintze, 53, ist Vermögensverwalterin, Buchautorin und Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen und hat sich auf Finanz- und Vermögensberatung für Frauen spezialisiert. Ihre Leidenschaft gehört der Börse, neuen Wegen in der Altersvorsorge und ihrer roten Vespa.

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