Constanze Hintze
Rentner

Oftmals werden die Kosten des Ruhestands unterschätzt.

(Foto: dpa)

Expertenrat – Constanze Hintze Die unterschätzten Kosten des Ruhestandes

Viele Menschen wissen kaum, welche Ausgaben sie als Rentner haben werden – und sorgen deshalb schlecht vor. Was Sie bei der Altersvorsorge beachten sollten.
6 Kommentare

Den meisten Menschen ist zwar glücklicherweise bewusst, dass sie fürs Alter zusätzlich finanziell vorsorgen müssen. Doch wie hoch der tatsächlich Bedarf wirklich ist – das wissen bedauernswerterweise nur wenige.

Die Global-Investor-Studie von Schroders brachte dazu bemerkenswerte Ergebnisse zutage. Demnach schätzen die hierzulande Befragten, dass sie 38 Prozent ihrer Alterseinkünfte für Lebenshaltungskosten wie Wohnen, Essen und Kleidung ausgeben werden. Tatsächlich liegt dieser Wert aber höher, nämlich bei fast der Hälfte der Ruhestandsbezüge. Mit anderen Worten: Die Kosten des Ruhestands werden deutlich unterschätzt, was den sorgenfreien Altersabend infrage stellt.

Wie kann diese Fehleinschätzung begründet werden? Nach meiner Erfahrung haben viele – sowohl junge als auch ältere – Menschen wenig realistische Kenntnisse über ihre tatsächlichen Ausgaben. Miete, Sportstudio, Versicherungsprämien sind noch bekannt, aber bei den flexiblen Kosten, wie der Einladung zum Lunch oder dem spontanen Konzertbesuch, fehlt der Überblick und damit eine wichtige Kalkulationsgrundlage für die eigene Altersvorsorge. Hier hilft nur eines: Buch führen.

Im Alter kommen zudem neue Ausgaben hinzu, die viele nicht einkalkulieren. Wer eine eigene Immobilie hat, muss mit Sanierungen rechnen. Hatten Sie einen Firmenwagen? Dann steht jetzt wahrscheinlich ein eigenes Auto auf Ihrer Wunschliste. Und wer eine private Krankenversicherung (PKV) hat, muss auch als Senior mit kräftigen Preissteigerungen rechnen.

Die im Jahr 2000 in der PKV eingeführten Alterungsrückstellungen werden das kaum verhindern können. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Beiträge für privat Krankenversicherte um rund drei Prozent pro Jahr. Man muss kein Mathegenie sein, um zu wissen, dass Monatsbeiträge von 1.000 Euro und mehr im Alter keine Seltenheit sein werden. Ich bin überzeugt, dass die Kosten, die wir aus eigenem Budget für unsere Gesundheit in der Zukunft ausgeben werden, deutlich ansteigen werden.

Die Botschaft kann daher nur sein: Starten Sie frühzeitig mit eigener privater Altersvorsorge und bedenken Sie, dass wir mit einem langen Leben rechnen dürfen. Ihr privater Vorsorgetopf kann deshalb nicht groß genug sein.

In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase und bei anziehender Inflation sollten Sie deshalb auch Aktienstrategien in Ihre Finanzplanung einbinden. Wenn Sie sich zum Ziel setzen, im Alter über 75 Prozent Ihres bisherigen Einkommens zu verfügen, sollte der glückliche Ruhestand gelingen.

Constanze Hintze, 53, ist Vermögensverwalterin, Buchautorin und Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen und hat sich auf Finanz- und Vermögensberatung für Frauen spezialisiert. Ihre Leidenschaft gehört der Börse, neuen Wegen in der Altersvorsorge und ihrer roten Vespa.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Constanze Hintze - Die unterschätzten Kosten des Ruhestandes

6 Kommentare zu "Expertenrat – Constanze Hintze: Die unterschätzten Kosten des Ruhestandes"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sorry, Frau Hintze – wenn ich Vermögen hätte, würde ich mich von Ihnen lieber nicht beraten lassen. Dafür liegen Sie zu weit neben den Fakten: Die größte unabhängige Langzeitanalyse der PKV-Beiträge (IGES-Institut 2017) zeigt nämlich, dass die Älteren unter den langfristig Versicherten absolut keine höheren Prämien zahlen als die Jüngeren. In den untersuchten Beständen zahlten nur 0,1 % der Versicherten mehr als den GKV-Höchstbeitrag von rund 690 €. Das Klischeebild von 1000 € geht also meilenweit an der Realität vorbei.
    Übrigens: Die PKV-Alterungsrückstellungen wurden keineswegs erst 2000 eingeführt, wie Sie behaupten. Denn da betrugen sie bereits 59,5 Mrd. € (für 7,5 Mio. Privatversicherte) - das war damals schon mehr als doppelt so viel wie die kompletten Reserven der GKV für 72 Mio. Versicherte heute. Im Jahr 2000 kam der gesetzliche "10-Prozent-Zuschlag" hinzu, als zusätzliche Stärkung der Alterungsrückstellungen. Der fällt mit Alter 60 weg, dann sinken (!) die Beiträge also um 10 Prozent – und das angesparte Kapital wird ab Alter 65 zur Beitragsdämpfung verwendet.
    Stefan Reker (PKV-Verband)

  • Wer sich als "Vermögensberater" so aus dem Fenster lehnt, sollte idealerweise auch Ahnung haben. Die größte unabhängige Langzeitanalyse der PKV-Beiträge (IGES-Institut 2017) zeigt, dass die Älteren unter den langfristig Versicherten absolut keine höheren Prämien zahlen als die Jüngeren. In den untersuchten Beständen zahlten nur 0,1 % der Versicherten mehr als den GKV-Höchstbeitrag von rund 690 €, das Klischeebild von 1000 € geht also meilenweit an der Realität vorbei.
    Die PKV-Alterungsrückstellungen wurden keineswegs erst 2000 eingeführt, wie die "Expertin" behauptet. Im Jahr 2000 betrugen sie bereits 59,5 Mrd. € (für damals 7,5 Mio. Versicherte) - das war damals schon mehr als doppelt so viel wie die kompletten Reserven der GKV für 72 Mio. Versicherte heute. Im Jahr 2000 kam der gesetzliche "10-Prozent-Zuschlag" hinzu, mit dem die Alterungsrückstellungen seither zusätzlich aufgestockt werden. Ab dem Alter 60 fällt dieser Zuschlag weg, der PKV-Beitrag sinkt dann also um 10 % - und ab dem Alter 65 wird das angesparte Kapital zusätzlich zur Dämpfung des Beitrags verwendet.

  • "Wenn Sie sich zum Ziel setzen, im Alter über 75 Prozent Ihres bisherigen Einkommens zu verfügen, sollte der glückliche Ruhestand gelingen. "

    Was ist eigentlich das "bisherige Einkommen", das Nettogehalt nach Abzug der Sparpläne/Versicherungen oder das volle Nettogehalt? Unter Einkommen versteht doch jeder etwas anderes. Kapitalerträge mitgerechnet? Was ist wenn der Fonds terausiert, sind dann die wiederangelegten Ausschüttungen Einkommen? Werden Werbungskosten wie das Fahrgeld in die Firma abgezogen oder nicht?

  • ich gebe meinen Vorredner Recht: zu wenig Zahlen. Zudem ist die Angabe: 38% der Ausgaben für Lebenshaltung; problematisch. Wenn die Befragten von 100% Ihrer aktuellen Bezüge ausgehen und nicht nur von 75% im Rentenalter, dann wäre hier schon die "fehlenden" 10% zur Empfehlung von Frau Hintze zu finden.

  • Ist mir zu oberflächlich und bringt keine neuen Erkenntnisse. Statt penibler Buchführung könnte man auch einfach messen wieviel Geld man im Monat für allgemeine Dinge ausgibt indem man die Bargeldabhebungen und Kreditkarten auswertet.

  • Sehr nett geschrieben, aber wenig hilfreich. Fuer das bisschen Sensibilisierung sollte sich HANDELSBLATT eigentlich zu schade sein.
    Schieben sie doch bitte einen auf Zahlen fundierten ausführlichen Artikel nach.
    Der kann an Fallbeispielen den Interessierten vor Augen fuehren ,mit welchen Kosten Sie im Detail zu rechnen haben

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%