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Constanze Hintze

Expertenrat – Constanze Hintze Verkaufsstopp bei Investmentfonds? Unwahrscheinlich!

Die derzeit diskutierten Verkaufsstopps für Investmentfonds würden die Börsen keineswegs stabilisieren, sondern nur zu Verdruss beim Anleger führen.
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Was für die Anlageklasse Immobilien sinnvoll ist, passt nicht unbedingt für börsentäglich gehandelte Aktien, Anleihen und Derivate im Mantel eines Fonds. Quelle: imago/Jochen Tack
Investmentfonds

Was für die Anlageklasse Immobilien sinnvoll ist, passt nicht unbedingt für börsentäglich gehandelte Aktien, Anleihen und Derivate im Mantel eines Fonds.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Vor einigen Monaten wurden meine Kundinnen durch eine Nachricht aufgeschreckt, dass ihre Vermögensanlagen in bestimmten Situationen „eingefroren“ werden könnten. Konkret geht es um Verkaufsbeschränkungen sowohl bei Indexfonds (ETFs) als auch bei aktiv gemanagten Investmentfonds, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Investmentfonds gehören für mich zu den transparentesten, reguliertesten und auch liquidesten Geldanlagen für die Vermögensanlage – was war da geschehen?

Urheber der Nachricht war der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), dessen Ziel es ist, das Finanzsystem der EU zu kontrollieren und mit geeigneten Maßnahmen zu stabilisieren. Die Idee des Verkaufsstopps erinnert an die Schließung der offenen Immobilienfonds nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA vor rund zehn Jahren.

Damals gerieten offene Immobilienfonds in große Schwierigkeiten, weil sich plötzlich viele Investoren von ihren Fondsanteilen trennen wollten. Die Fonds waren gezwungen, innerhalb kürzester Zeit Bürogebäude oder Wohnimmobilien zu verkaufen, weil die vorhandenen Barreserven für den Ansturm der verkaufswilligen Anleger bei Weitem nicht ausreichten.

Doch wer unter Zeitdruck verkaufen muss, hat keine guten Karten. Um eine Preisspirale nach unten zu begrenzen, wurden damals die ursprünglich offenen Fonds für weitere Rückgaben seitens der Anleger geschlossen.

Insgesamt 18 Fonds mit einem verwalteten Vermögen von gut 24 Milliarden Euro waren davon betroffen. In manchen Fällen verloren Anleger dabei mehr als die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals.

Um dieses Desaster nicht noch einmal zu wiederholen, wurden 2013 neue Regeln eingeführt, die jedoch zulasten der Flexibilität gehen: Alle Anleger, die in einen Immobilienfonds einsteigen, müssen ihre Anteile mindestens zwei Jahre lang halten.

Was für die Anlageklasse Immobilien sinnvoll ist, soll nun, wie man liest, auch für börsentäglich gehandelte Aktien, Anleihen und Derivate im Mantel eines Fonds gelten?

Der ESRB meint nämlich, dass bei ETFs und gemanagten Investments systemrelevante Risiken lauern, die überwacht und eingedämmt werden müssen. So wird über Mindesthaltedauer, tägliche Höchstrückgabebeträge bis hin zum Verbot von Fondsanteilsverkäufen nachgedacht.

Die Sorge der europäischen Regulierer: Geben sehr viele Anleger gleichzeitig ihre Fondsanteile zurück, sind die Fondsmanager gezwungen, die Aktien aus dem Fonds zu schlechten Kursen zu verkaufen. Damit würde der Kursrutsch an den Börsen beschleunigt werden: Die Baisse nährt die Baisse.

Keine Schlechterstellung von Aktionären und Fondsbesitzern

Für mich gehen diese Überlegungen in die falsche Richtung. Sie werden aus meiner Sicht nicht dazu führen, dass die Börsen einen stabileren Verlauf nehmen. Dieser ist von ganz anderen Faktoren abhängig.

ETF und Rentenfonds – So finden Sie den richtigen Aktienfonds

Überdies sind täglich bewertete und verfügbare Aktien nicht mit langfristig vermieteten Großimmobilien zu vergleichen. In der Konsequenz müssten dann ja auch einzelne Aktien diesen Verkaufsbeschränkungen unterliegen, denn eine Schlechterstellung eines Fondsinvestors gegenüber einem Einzelaktionär wäre nicht akzeptabel.

Verkaufsbeschränkungen bei Publikumsfonds führen nur zu Verdruss beim Anleger, wenn dieser tatenlos zusehen muss, wie sein Vermögen bei einem Crash an Wert verliert und er nicht agieren kann. Die in Deutschland ohnehin wenig ausgeprägte Börsenaffinität erhielte einen schweren Dämpfer.

Glücklicherweise denken die Zentralbanker auch über andere Instrumente wie Liquiditätsmanagementtools nach, denn nicht nur in Krisenzeiten muss gewährleistet sein, dass die Fonds jederzeit ausreichend liquide Mittel vorhalten, um Verkaufswünsche zu bedienen.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns die Flexibilität von Publikumsfonds erhalten bleibt. Sie sind Anlagefreiheit pur.

Constanze Hintze, 53, ist Vermögensverwalterin, Buchautorin und Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen und hat sich auf Finanz- und Vermögensberatung für Frauen spezialisiert. Ihre Leidenschaft gehört der Börse, neuen Wegen in der Altersvorsorge und ihrer roten Vespa.

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