Johann Jungwirth

Expertenrat – Johann Jungwirth D!Everything – Das waren die wichtigsten Digitaltrends der Cebit

Die Cebit 2018 zeigte konkrete Lösungen für die digitale Transformation und disruptive Technologien, die das Geschäft von morgen prägen werden.
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Auf der Digitalmesse konnten Besucher neue Transportmöglichkeiten – etwa Volocopter – kennenlernen. Quelle: dpa
Cebit 2018

Auf der Digitalmesse konnten Besucher neue Transportmöglichkeiten – etwa Volocopter – kennenlernen.

(Foto: dpa)

Mit der Cebit 2018 endete kürzlich die Premiere der Digitalmesse mit ihrem neuen Konzept aus Konferenz, Networking-Event und Entertainment, gut strukturiert in D!Tech, D!Campus, D!Talks und mehr. Ein gelungener Aufschlag, wie ich finde. Die Mischung aus Vorträgen, Messeständen, Start-up-Bereich und Unterhaltung funktioniert und sorgt für Business-Festival-Feeling.

Rund 2.800 internationale Aussteller wie Huawei, IBM, SAP, Vodafone, Oracle und Salesforce präsentierten auf dem Messegelände in Hannover Digitalthemen, die unsere Zukunft prägen werden: von künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik über Blockchain, 5G und Virtual Reality (VR) bis hin zu smarten Mobilitätskonzepten und selbstfahrenden Fahrzeugen.

Und das neue Cebit-Konzept kommt an: Softwarehersteller SAP etwa hatte auf dem Außengelände ein Riesenrad aufgebaut und seine Kundenmeetings und Expertentalks vom Messestand in die 40 Kabinen in bis zu 60 Meter Höhe verlegt. Vodafone lud in offene, knallrote Pavillons und IBM hob seine Kunden mit einem Cloud-Lifter – einer an einem Kran befestigten wetterfesten Kapsel –  in den Himmel.

Auch für uns als Automobilkonzern ist die Cebit ein wichtiger Termin, um Neuerungen und innovative Mobilitätslösungen in den Bereichen Digitalisierung, Konnektivität und künstliche Intelligenz zu demonstrieren, und auch, um zu zeigen, wie rasant die Fortschritte beim autonomen Fahren sind.

Auf dem Volkswagen-Messestand konnten Cebit-Besucher die jüngste Variante unseres selbstfahrenden Autos erleben, den SEDRIC Active. Das Sport- und Outdoor-Modell hat zum Ziel, Mountainbiker oder Kajakfahrer zu ihrem Startpunkt zu fahren und sie an ihrem Zielort später abzuholen.

Blockchain-Lösungen für Maschinen-Ökonomie

Das Thema Blockchain prägte die Cebit 2018 wie kaum ein anderes. Mehrere Unternehmen zeigten, dass sich die Technologie ebenso für den sicheren Datenaustausch im Internet der Dinge (IoT - Internet of Things) eignet als auch für den Handel mit erneuerbarer Energie oder Carsharing-Dienste.

Mit der Blockchain für vertrauenswürdige Transaktionen kann nahezu alles, was einen Wert hat, digital abgebildet und jeder Geschäftsvorgang transparent nachverfolgt werden – vom Abschluss von Verträgen über das Teilen von Konsumgütern bis zum Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen.

In der neuen Mobilitätswelt könnten selbstfahrende Fahrzeuge zum Beispiel Zahlungen für Fahrten selbstständig abrechnen, die Gebühr fürs Parken im Parkhaus entrichten oder Mautgebühren bezahlen.

Urbaner Verkehr in der dritten Dimension

In den kommenden Jahren wird sich die Mobilität stark verändern. Es werden sich nicht nur Elektromobilität und selbstfahrende Fahrzeuge durchsetzen, sondern auch die sogenannte 3D-Mobilität. Gemeint damit ist der Einsatz von Drohnen für den Personen- und Warenverkehr. Das Start-up Volocopter zeigte auf der Cebit mit dem gleichnamigen Multicopter seine konkrete Vision davon, wie der Luftraum für den Individualverkehr in der Zukunft genutzt werden kann.

Der Volocopter ist ein emissionsfreies, elektrisch angetriebenes und autonomes Fluggerät mit 18 Propellern, das senkrecht startet und landet. Es basiert auf Drohnen-Technologie, ist aber so leistungsstark, dass zwei Menschen darin Platz finden und bis zu 27 Kilometer weit fliegen können. An Flugtaxi-Visionen und Prototypen arbeiten außer Volocopter noch andere Unternehmen. Auch Airbus und Audi wollen noch in diesem Jahr gemeinsam einen Lufttaxi-Service vorstellen.

Datenkommunikation in Echtzeit

Mit der 5G-Technologie und Konnektivität steht der mobile Datenfunk vor einem Quantensprung. Die Datenkommunikation in Echtzeit macht viele IoT-Anwendungen realisierbar, die auf der Cebit Premiere feierten. Vodafone zeigte, wie ein Kranführer zukünftig dank 5G-Technologie und IoT mehrere Kräne an verschiedenen Standorten in Deutschland von einer Steuerzentrale aus lenken kann. Der Kranfahrer steuert aus einer Zentrale in Hannover, der Kran verrichtet seine Arbeit „fahrerlos“ und autonom im 300 Kilometer entfernten Aldenhoven bei Aachen.

Auch im Güterverkehr der Zukunft ist der 5G-Echtzeitstandard unverzichtbar – etwa für das sogenannte Platooning, das hochautomatisierte Kolonnenfahren von Lastkraftwagen. Gleiches gilt für das automatisierte Einfädeln von Pkw von der Beschleunigungsspur auf die Autobahn.

3D-Ultraschallsensor als Sichtfeld des selbstfahrenden Automobils

Für autonomes Fahren ist eine räumlich präzise Wahrnehmung gefragt. Das Start-up Toposens zeigte auf der Cebit den ersten 3D-Ultraschallsensor der Welt, der Objekte und Personen im Nahbereich in Echtzeit wahrnehmen und lokalisieren kann. Dafür sendet der kleine Sensor Ultraschallsignale aus, die von den Objekten in der Umgebung reflektiert und direkt im Sensorsystem in 3D-Koordinaten umgewandelt werden – ganz nach dem Echo-Ortungsprinzip der Fledermaus.

Künstliche Intelligenz überall

Künstliche Intelligenz und selbstlernende Systeme waren weitere Leuchtturmthemen der Cebit. Dazu gehören Smart Home, Smart Cities, Smart Mobility, Smart Drones, Assistenten wie Alexa und Google Assistant oder Chatbots, die auf Zuruf reagieren. Bei Hewlett Packard stand das Thema Gesundheit im Vordergrund. Das IT-Unternehmen zeigte, wie Computer in kürzester Zeit Millionen von Krankheitssymptomen aus unterschiedlichen Quellen vergleichen können, um die optimale Medikation für einen Patienten zu finden.

Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen in allen Bereichen

Auch die Themen Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) waren auf der Cebit sehr präsent. Beispielsweise hatte MOIA eine Virtual-Reality-Experience vorbereitet. Das Mobilitätsunternehmen des Volkswagen Konzerns nimmt Ende 2018 seinen Shuttle-on-Demand-Betrieb in Hamburg auf. Cebit-Besucher konnten virtuell in einem MOIA Fahrzeug Platz nehmen und mit einer Oculus Go Brille auf Entdeckungstour gehen. Das VR-Headset der Facebook-Tochter Oculus wurde zum ersten Mal in Deutschland gezeigt und ist das erste Gerät das kabellos ohne Smartphone oder Computer betrieben wird.

Außerdem gelungen: der Start-up-Bereich scale11. Hier präsentierten jede Menge Start-ups und Gründer ihre Produkte und verwandelten die Messemetropole zumindest temporär in eine Art Silicon Valley.

Es wäre schön, wenn im nächsten Jahr noch mehr Aussteller das neue Messekonzept mitgehen und ich freue mich auf die Cebit 2019. Es ist ein spannender globaler Wettbewerb mit anderen Messen und Tech Festivals wie der Consumer Electronics Show (CES) oder South by Southwest (SXSW).

Johann Jungwirth ist Ingenieur und als Chief Digital Officer bei Volkswagen für die digitale Transformation und die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge im Konzern verantwortlich. Zuvor arbeitete er für Daimler und Apple.

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