Johann Jungwirth

Expertenrat – Johann Jungwirth Wie der iMac Apple rettete und die Branche revolutionierte

Als Steve Jobs vor 20 Jahren den ersten iMac vorstellte, stand er kurz vor der Pleite. Der Rechner brachte die Wende – nicht nur für Apple.
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Steve Jobs während der Vorstellung des neuen iMacs: „Man kann hineinsehen. Das ist so cool.“ Quelle: dapd
Steve Jobs (Archivbild 1998)

Steve Jobs während der Vorstellung des neuen iMacs: „Man kann hineinsehen. Das ist so cool.“

(Foto: dapd)

„This is iMac.“ Mit diesen Worten stellt Steve Jobs im Mai 1998 in einer heute legendären Keynote den iMac vor. Genauer gesagt: den iMac G3. Einen für die damalige Zeit mit Hightech aufgerüsteten Supercomputer mit 32 Megabyte Arbeitsspeicher, vier Gigabyte Festplattenspeicher und einer schnellen Internetverbindung, die Daten mit 56 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) aus dem Netz lädt.

Ein Wert, der heute jedes Smartphone mit LTE-Mobilfunktechnologie selbst beim Surfen mit reduzierter Geschwindigkeit übertrifft (64 kbit/s). Das kleine „i“, das sich mittlerweile in diversen Apple-Produkten wiederfindet und hier erstmals zur Verwendung kommt, steht dabei für eine ganze Reihe von Begriffen, etwa „Internet“, „Individuell“ und „Informieren“.

1998 stand das World Wide Web gerade vor dem Durchbruch und der iMac sollte laut Jobs vor allem eines tun: „Seine Nutzer ins Internet bringen – schnell und einfach.“

Der All-in-one-Computer mit dem 15-Zoll-Bildschirm versetzt die gesamte Branche in Aufruhr. Zum ersten Mal erscheint ein Rechner in einem transluzenten, blaugrünen (Bondi Blue), ovalen Gehäuse. Apple revolutioniert damit die Designsprache in der bis dahin von den Farben Beige, Grau und Schwarz dominierten Computerwelt.

„Ihr müsst euch dieses Ding persönlich ansehen“, sagte Jobs während der Vorstellung. „Man kann hineinsehen. Das ist so cool.“ Der iMac wird schnell zum Aufmerksamkeitsmagneten und entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Kaum eine Zeitschrift verzichtet auf die bildliche Darstellung des neuen Rechners und bereits in den ersten sechs Wochen verkauft Apple über 278.000 Einheiten in Nordamerika und Europa – trotz des hohen Preises von 2999 Mark in Deutschland.

Wenig später meldet Apple einen Gewinn von 106 Millionen US-Dollar für das vierte Quartal des Jahres 1998 – dem profitabelsten Jahr seit 1995 – und leitet damit die Rückkehr in die Gewinnzone ein.

Jobs wollte etwas Neues und Besseres in die Welt setzen

Ganz klar: Der vom heutigen Apple-Chefdesigner Jonathan „Jony“ Ive entworfene iMac hat neue Maßstäbe gesetzt. Neben dem innovativen Design hebt Apple mit seinem Entwurf vor allem die Einfachheit hervor, mit der sich der iMac aufbauen und bedienen lässt.

Außer dem Netz- und dem USB-Kabel für die Tastatur muss nichts angeschlossen werden. Daran hat sich bis heute wenig geändert – mittlerweile kann dank Bluetooth sogar auf Keyboard- und Maus-Kabel verzichtet werden. Der iMac steht daher nicht nur sinnbildlich für Apples Rückkehr in die schwarzen Zahlen, er ist zugleich auch Auslöser und Motor eines Paradigmenwechsels in der gesamten Tech-Branche.

In den ersten sechs Wochen nach Markteinführung verkauft Apple über 278.000 Einheiten – trotz des hohen Preises von 2999 Mark in Deutschland. Quelle: AP
IMAC

In den ersten sechs Wochen nach Markteinführung verkauft Apple über 278.000 Einheiten – trotz des hohen Preises von 2999 Mark in Deutschland.

(Foto: AP)

Nicht Geräte und Hardware stehen im Vordergrund, sondern das Design sowie das Nutzer- und Qualitätserlebnis. Ein Faktor, der sich heute mehr denn je bemerkbar macht und verdeutlicht, welchen Stellenwert Produkt- und User-Experience-Design als Wirtschaftsfaktoren eines Unternehmens bekommen haben.

Ob iMac, iPod, iPhone oder iPad: Apple prägt seither das Design einer ganzen Generation von Consumer-Produkten und belegt, was schön aussieht, wird auch besser verkauft. Steve Jobs – begleitet von Chef-Designer Jony Ive – zählte zu den wenigen Persönlichkeiten der Tech-Szene, die erkannt haben, dass man Nutzer nicht mehr mit unübersichtlicher Bedienung und komplizierter Funktionalität belästigen darf.

Im Unterschied zu Microsoft hatte Jobs eine klare Vision vom Gesamtprodukt und -erlebnis. Ein gut funktionierendes Produkt kann nur gelingen, wenn Hardware, Software und Services in Harmonie zusammenspielen. Alles, was Apple auf den Markt bringt, entsteht durch ein holistisches Konzept und die Abkehr von der klassischen Produktentwicklung.

Johann Jungwirth ist Ingenieur und als Chief Digital Officer bei Volkswagen für die digitale Transformation und die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge im Konzern verantwortlich. Zuvor arbeitete er für Daimler und Apple.

Am wichtigsten sind der Design-Ansatz und die Nutzererfahrung – und, dass alles auf Einfachheit zugeschnitten sowie unmittelbar einleuchtend ist. Das macht auch klar, warum Apple mit Produkten wie dem iPod, dem iPhone oder dem iPad Wegbereiter für das mobile Internet und die nächste Stufe der digitalen Revolution war und ist – im Gegensatz zu den damals schon etablierten Schwergewichten der Informationstechnologie.

Steve Jobs fragte sich nicht, wie er die Vergangenheit verbessern kann. Er war ausschließlich daran interessiert, etwas Anderes und Besseres in die Welt zu setzen. Die Nutzung soll fast schon „magisch“ sein. Steve Jobs selbst sagte dazu: „You have got to start with the customer experience and work backwards to the technology!“ Auf Deutsch etwa: „Du musst mit dem Kundenerlebnis beginnen und dann den Weg zurück zur Technologie erarbeiten.“

Eines der wichtigsten DNA-Elemente und der Schlüssel zum Erfolg von Apple ist: „We obsess over the customer experience.“ Also: „Wir steigern uns in das Kundenerlebnis hinein.“ Und das lebt Jony Ive auch heute noch bei Apple jeden Tag vor: Produkt und die grafische Benutzeroberfläche bleiben die bestimmenden Innovationstreiber.

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