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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Aktienrückkäufe sind ein süßes Gift, das bald anfangen könnte zu wirken

Die Aktienrückkäufe in den USA erreichen dieses Jahr einen Rekordwert. Anleger profitieren von steigenden Kursen. Doch die Sache hat einen Haken.
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Wie lange hält sich der Aufschwung? Quelle: AP
Händler an der Wall Street

Wie lange hält sich der Aufschwung?

(Foto: AP)

Aktienrückkäufe dürften in den USA in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreichen. Die Notenbank Fed schätzt, dass sich das Volumen auf 590 Milliarden Dollar belaufen wird, JP Morgan rechnet gar mit 800 Milliarden Dollar. Damit würden die sogenannten „Buybacks“ 2,0  respektive 2,5 Prozent der Kapitalisierung des gesamten US-Aktienmarkts ausmachen.

Noch eindrucksvoller wird das Bild, betrachtet man längere Zeiträume: Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre beispielsweise summieren sich die Aktienrückkäufe auf 4500 Milliarden Dollar. Das sind mehr als die 3500 Milliarden Dollar, um die die Federal Reserve ihre Bilanz im Verlauf der Finanzkrise ausgeweitet hat.

Dies dürfte zum Großteil auch die Dominanz der US-Aktienmärkte in der zurückliegenden Dekade erklären, die in diesem Zeitraum weltweite Aktien um jährlich 2,7 Prozentpunkte hinter sich gelassen haben.

Schafft das „Financial Engineering“ wirklich Wohlstand?

Dabei wirken sich Aktienrückkäufe gleich in zweifacher Weise auf die Kurse aus. Zunächst erhöht sich durch den Kauf eigener Aktien die Nachfrage, was zu tendenziell steigenden Preisen führt.

Entwertet das Unternehmen zudem nach dem Rückkauf die Aktien, verringert sich deren Stückzahl. Bei gleichbleibendem Gewinn steigt damit automatisch der auf die einzelne Aktie entfallende Anteil. Dies führt zu einem am Kurs-Gewinn-Verhältnis gemessen niedrigeren Bewertungsniveau, wodurch sich ebenfalls Spielraum für höhere Kurse eröffnet.

Schafft das „Financial Engineering“ der Aktienrückkäufe also nachhaltigen Wohlstand für die Aktionäre? Die Sache hat leider einen Haken. Denn seit dem Jahr 2006 sind die Schulden der US-Unternehmen von rund 2500 Milliarden Dollar auf etwa 6300 Milliarden Dollar gestiegen. Unter dem Strich sind die Verbindlichkeiten der Gesellschaften damit mittlerweile viermal höher als der operative Gewinn.

Diese Zahlen legen nahe, dass ein Großteil der Aktienrückkäufe in den vergangenen zehn Jahren über Kredite und nicht durch Gewinne finanziert wurde. Es waren also vor allem die niedrigen Zinsen für Fremdkapital nach der Finanzkrise, die für den Rückkauf von hochrentierlichem Eigenkapital gesorgt haben.

Aktienrückkäufe haben etwas von einem Regenschirm, den man bei schönem Wetter kauft, um bei einsetzendem Regen festzustellen, dass er bereits verschlissen ist.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist dies nicht unbedingt eine Mehrung von Wohlstand, schließlich steht jedem Schuldner ein Gläubiger gegenüber. Und sollte der Schuldner ausfallen, muss der Gläubiger sogar einen Rückgang seines Wohlstands hinnehmen.

Wirklich gefährlich wird die Situation, wenn die Zinsen steigen – so wie wir es derzeit beobachten können – und dies zu einer deutlichen Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität führt. Denn dann wären steigende Finanzierungskosten für das hohe Fremdkapital bei gleichzeitig sinkenden operativen Gewinnen die Folge.

Die Auswirkungen auf die Aktienkurse wären entsprechend negativ, zumal die Unternehmen ihr Pulver bereits verschossen hätten und eine Unterstützung durch Aktienrückkäufe dann kaum noch möglich wäre. Aktienrückkäufe haben also etwas von einem Regenschirm, den man bei schönem Wetter kauft, um bei einsetzendem Regen festzustellen, dass er bereits verschlissen ist.

„Blackout-Periode“ an der Wall Street

Nun steht nach Lage der Dinge auf Sicht der kommenden Monate wohl weder den US-Börsen noch den globalen Aktienmärkten ein Starkregen ins Haus. Doch eine Ahnung davon, welche Auswirkungen das Ausbleiben von Aktienrückkäufen haben kann, könnten Anleger schon in den kommenden vier bis sechs Wochen bekommen.

Denn dann müssen die US-Unternehmen ihre Käufe deutlich zurückfahren, da vor den Quartalsberichten eine sogenannte „Blackout-Periode“ vorgeschrieben ist. Und man braucht keine Glaskugel, um damit zu rechnen, dass die starke Kursdynamik an der Wall Street darunter leiden wird.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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  • Ausgezeichnete Information am morgen, Danke!