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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Auf Aktien zu setzen wäre für Anleger eine sinnvolle Anpassung der Geldanlage

Das Niedrigzinsumfeld greift auf immer mehr Anlageklassen über. Trotzdem bleibt der Ansturm der Privatanleger auf die Aktien weiter aus.
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Dürre Zeiten für Anleger. Quelle: dpa
Wüste Namib in Namibia

Dürre Zeiten für Anleger.

(Foto: dpa)

In der Natur ist die Fähigkeit der Anpassung an eine sich verändernde Umwelt überlebenswichtig. Das hat schon der Evolutionsforscher Charles Darwin erkannt. Heute bedeutet der Klimawandel eine gigantische Herausforderung für uns und unsere Umwelt.

Es gilt, mit höheren Temperaturen und geringeren Niederschlagsmengen klarzukommen. Die dazu notwendigen Anpassungen und Verhaltensänderungen sind daher zu einem dominierenden gesellschaftspolitischen Thema geworden.

Ähnlich geht es Anlegern angesichts der Veränderungen am Kapitalmarkt. Vor allem die Ausbreitung der Zinswüsten auf ehemals fette Anleiheweiden erzwingt eine Neupositionierung. Lange Zeit als vorübergehendes Phänomen betrachtet, reift bei vielen Anlegern mittlerweile die Überzeugung, dass die Niederschläge in Form von Zinsen wohl für lange Zeit ausbleiben könnten.

Gerade in der Altersvorsorge wird man sich von liebgewonnenen Anlageprodukten mit Kapitalgarantie verabschieden müssen: Der Zins, der bisher die Garantien sichergestellt hat, existiert schlichtweg nicht mehr.

Die Immobilienmärkte haben bereits deutlich von der Klimaveränderung bei den Zinsen profitiert, ohne dass man ihnen bereits eine Überhitzung attestieren müsste. Auch die Aktienmärkte haben sicherlich nicht unter dem Zinsumfeld gelitten, aber ein deutlicher Anstieg der Bewertung beziehungsweise eine rückläufige Dividendenrendite lässt sich in der Breite nicht feststellen.

Ungeachtet dessen bleibt der Ansturm der Privatanleger auf die Aktien weiter aus. Dies belegen auch Statistiken der Bundesbank, die rund 40 Prozent des Geldvermögens in Deutschland Bankeinlagen und Bargeld zuordnen. Anlagen also, die sich nicht mehr verzinsen, im schlechtesten Fall sogar bereits mit Strafzinsen belegt sind. Die Anlagen in Aktien, direkt oder indirekt, treten nach wie vor auf der Stelle.

„Mehr Aktien“ wäre jedoch eine sinnvolle Anpassungsmaßnahme, um den Renditeschwund bei Anleihen und Einlagen auszugleichen. Dies geht natürlich einher mit einem größeren Risiko, vor allem bei einem kurzfristigen Anlagehorizont.

Das Risiko für einen Rückschlag an den Aktienmärkten in Höhe von zehn Prozent innerhalb eines Jahres ist aber schon die Ausnahme und nicht die Regel. Bei längeren Zeiträumen sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts sogar gegen Null, vorausgesetzt dass Katastrophen wie Kriege und Verwüstungen ausbleiben.

Gerade für die Altersvorsorge bieten sich also aktienbasierte Anlageprodukte an. Eine Veränderung des Anlegerverhaltens wird allerdings nicht durch Drohungen erreicht nach dem Motto „Du musst mehr Risiken eingehen“. Vielmehr sollten Wege aufgezeigt werden, wie der Anteil der Aktien in einem Anlageportfolio erhöht werden kann, ohne die Risikokomfortzone des Anlegers zu strapazieren.

Das Zauberwort in diesem Kontext lautet „intelligente Diversifikation“. Dabei geht es nicht darum, das Risiko nur über eine größere Anzahl von Aktien zu streuen. Vielmehr ist es das Ziel, einen höheren Aktienanteil im Portfolio zu realisieren, ohne dabei das Risiko, gemessen an der Schwankungsbreite, zu vergrößern.

Dies gelingt zunächst einmal durch eine globale Streuung der Aktienanlage. Dadurch kann eine deutliche Reduzierung des Risikos beispielsweise gegenüber einer auf Deutschland konzentrierten Aktienanlage erzielt werden.

Auch die bessere Streuung nach Branchen und Währungen bringt bei einer globalen Diversifizierung Vorteile in Form geringerer Risiken und eines höheren Ertrags. Aktien, welche sich durch niedrige Schwankungen und höhere Dividendenzahlungen auszeichnen, bieten den Vorteil, dass mehr Aktien bei gleichem Risiko gekauft werden können.

Auch eine aktive Entscheidung für Aktien, die etwa vom digitalen Wandel profitieren oder durch die Diskussion um den Klimawandel nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, verbessert die Risikoposition der Anlage. Dienstleister statt Unternehmen aus dem produzierendem Gewerbe haben den Vorteil, weniger von handelspolitischen Diskussionen in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Intelligente Diversifikation bedeutet eben nicht nur, Risiken über eine höhere Anzahl von Aktien zu diversifizieren, sondern die Risikofaktoren jeder Aktie sowohl im Einzelnen als auch im Kontext zueinander zu berücksichtigen. Dies ermöglicht es letztlich, über einen höheren Aktienanteil die Renditechancen des Portfolios zu verbessern, ohne das Risiko zu erhöhen.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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