Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Diese Trends könnten 2019 den Aktienmarkt beeinflussen

Es gib Schemata an den Märkten, die nicht nur 2018 galten, sondern wahrscheinlich auch in diesem Jahr gültig sein werden. Andere Trends verlieren wiederum an Bedeutung.
1 Kommentar
Der US-Markt verlor im Dezember in der Spitze fast 16 Prozent. Quelle: AP
Börse in New York

Der US-Markt verlor im Dezember in der Spitze fast 16 Prozent.

(Foto: AP)

Der Jahresauftakt an den weltweiten Aktienmärkten ist fulminant gewesen: Bis Ende Februar hat in Dollar gerechnet beispielsweise der All Countries World Index (MSCI ACWI) um knapp elf Prozent zugelegt. Würde es von jetzt an nur noch seitwärtsgehen, könnte man 2019 also getrost als überdurchschnittlich gutes Aktienjahr bezeichnen.

Doch wer genauer hinschaut, wird erkennen, dass der Treibsatz für diese Kursbewegung einmalig war und jetzt bestenfalls nur noch glimmt. In einem Jahr, in dem der Markt perspektivisch eher wenig Potenzial verspricht, gilt es daher, nach den darunterliegenden Trends zu schauen. Wiederholen sich die Muster aus dem Jahr 2018, oder haben sich neue Schemata etabliert?

Durch das vergangene Jahr hat sich wie ein roter Faden die sukzessive Reduzierung der Wachstumserwartungen gezogen. Der wesentliche Auslöser für den immer weiter um sich greifenden Konjunkturpessimismus war wohl der von US-Präsident Donald Trump forcierte Handelskonflikt mit China. Hinzu kamen die hausgemachten Wachstumsprobleme im Euro-Raum.

Vor diesem Hintergrund sorgten die vier Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve für noch größeren Druck an den Börsen. Zunächst litten die Aktienmärkte in China und Europa unter den Folgen der strafferen Geldpolitik. Die vierte Zinserhöhung im Dezember belastete schließlich auch den US-Markt. Dieser verlor im letzten Monat des vergangenen Jahres in der Spitze fast 16 Prozent, das schlechteste Ergebnis für einen Dezember seit mehr als 50 Jahren.

Schaut man sich die Trends im vergangenen Jahr an, so kann man übergreifend feststellen, dass konjunktursensible Branchen und Unternehmen sich überdurchschnittlich schlecht entwickelt haben. Dies überrascht nicht angesichts der sich ständig eintrübenden Erwartungen. Zu den großen Verlierern gehörten auf beiden Seiten des Atlantiks die Industriewerte.

Chemietitel in Europa unter Druck

Finanz- und Rohstoffaktien mussten ebenfalls herbe Kursverluste hinnehmen. In Europa traf es vor allem Chemiewerte, wobei es etwa für die Aktien der BASF gleich um über 30 Prozent nach unten ging.

Die Papiere der gemeinhin global agierenden Unternehmen aus dem Energiesektor wiesen trotz des fallenden Ölpreises eine regional unterschiedliche Entwicklung auf. Mit Kursverlusten von über 18 Prozent einer der großen Verlierer in den USA, gehörte der Sektor zu den wenigen Gewinnern in Europa. Neben dem stärkeren Dollar kam den europäischen Energieunternehmen wohl auch ihre hohe Dividendenrendite zugute. Gerade Titel mit hohen Dividendenrenditen vollzogen 2018 einen bemerkenswerten Schwenk. Vom „Underdog“ entwickelten sie sich, wohl auch wegen ihres defensiven Charakters, zu den Lieblingen der Anleger. Doch kein Trend ohne Ausnahme: Trotz ihrer Dividendenzahlungen verloren deutsche Automobilwerte prozentual zweistellig.

Auf der Gewinnerseite standen mit großem Abstand die Pharma- und Gesundheitswerte. In den USA beispielsweise entwickelten sich diese Aktien um zehn Prozentpunkte besser als der marktbreite Index. Auch Technologiewerte glänzten in den USA mit einem Aufschlag von 2,6 Prozent, während ihre europäischen Pendants sechs Prozent verloren.

Neue Signale der Fed

Abermals die Federal Reserve sorgte Anfang 2019 dann für einen bemerkenswerten Stimmungsumschwung am Aktienmarkt. Zinserhöhungen in den USA sind für dieses Jahr wohl weitgehend vom Tisch, seitdem die US-Notenbank signalisiert hat, sich in großer Geduld üben zu wollen. Noch dazu könnte eine Lösung des Handelskonflikts zwischen den USA und China in greifbare Nähe gerückt zu sein. Damit scheint eine Rezession 2019 zunächst einmal abgewendet.

Doch diese beiden Entwicklungen dürften nach der hinter uns liegenden Rally weitgehend eingepreist sein. Daher ist es sinnvoll, danach zu schauen, welche Trends sich unterhalb dieses alles überlagernden Musters in den ersten beiden Monaten 2019 etabliert haben. Welche Schemata aus dem vergangenen Jahr sind weiter gültig, welche haben an Bedeutung verloren?

Bemerkenswert ist zunächst die schwache Wertentwicklung der Pharmaaktien in den USA. Obwohl noch leicht im Plus, hat der Sektor dort die rote Laterne inne. Vielleicht weil diese Unternehmen im bevorstehenden Wahlkampf ein beliebtes Angriffsziel sein könnten.

In Europa hingegen schneiden Pharmawerte leicht besser als der marktbreite Index ab. Eine Renaissance erleben zurzeit die Industriewerte. Sie gehören in den USA zu den stärksten Sektoren, in Europa immerhin noch zu den stärkeren.

Auf dieser Seite des Atlantiks erkennt man im Gegensatz zum vergangenen Jahr keine stärkeren Unterschiede zwischen defensiven und zyklischen Werten. Chemie- und Rohstoffaktien haben eine ähnlich gute Wertentwicklung aufzuweisen wie Papiere aus dem Nahrungs- und Genussmittelsektor. Manchmal drücken einzelne Werte einen ganzen Sektor nach unten. So ist Telekommunikation in Europa der einzige Sektor mit negativem Vorzeichen, da die Aktien von Vodafone fast zwölf Prozent eingebüßt haben.

In den USA wird der Nahrungsmittelsektor durch einen Kursverlust von 25 Prozent bei Kraft Heinz belastet. Technologieaktien und Papiere von Internetplattformen haben den positiven Trend aus dem vergangenen Jahr fortgesetzt. Finanzwerte entwickelten sich schlechter als der Gesamtmarkt, weisen aber immerhin noch positive Vorzeichen auf. Unter den Investmentstilen fällt im Gegensatz zu 2018 die relative Stärke negativ auf.

Bisher war es also keine schlechte Strategie, auf die Verlierer des vergangenen Jahres zu setzen. So hat Apple 2018 ein Minus von 6,3 Prozent eingefahren, 2019 hat das Papier jedoch um stolze 17 Prozent zugelegt. Amazons Papiere sind hingegen weiter gestiegen und befinden sich derzeit 14,5 Prozent im Plus. 2018 schloss der Onlinehändler mit einem Plus von 26,5 Prozent ab.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Kaldemorgen - Diese Trends könnten 2019 den Aktienmarkt beeinflussen

1 Kommentar zu "Expertenrat – Klaus Kaldemorgen: Diese Trends könnten 2019 den Aktienmarkt beeinflussen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Kaldemorgen,

    mein erstes Problem: Ich kann einfach nie erkennen, welche Entwicklungen der Politik und der Wirtschaft in den Aktienkursen eingepreist sind und welche nicht.

    Mein zweites Problem ist mein gutes Gedächtnis. Es sagt mir, dass die sogenannte Experten bei der Vorhersage der Zukunft nur in ganz seltenen Fällen richtig liegen. Deshalb schätze ich bei deren Aussagen nur den Unterhaltungswert.