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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Gold oder Goldminenaktien? Was Anleger beachten sollten

Bei Goldproduzenten bahnen sich momentan einige große Übernahmen an. Lohnt sich der Einstieg? Oder ist es besser, das Edelmetall physisch zu erwerben? Eine Entscheidungshilfe.
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Bei Anlegern ist das Edelmetall nach wie vor sehr beliebt – in vielerlei Formen. Quelle: dpa
Goldbarren

Bei Anlegern ist das Edelmetall nach wie vor sehr beliebt – in vielerlei Formen.

(Foto: dpa)

Seit einiger Zeit lässt sich im Goldminensektor wieder eine verstärkte Fusionstätigkeit beobachten. Lässt sich daraus schließen, dass es lohnender ist, Gold über die Börse zu kaufen, als es physisch zu erwerben?

Um sich einer Antwort zu nähern, lohnt es sich, einen Blick auf die Performance der beiden Alternativen über verschiedene Zeiträume zu werfen. Dabei wird die Performance von Goldproduzenten über den HUI-Index gemessen, in dem die wichtigsten Goldminen der Welt vertreten sind. In den vergangenen 20 Jahren hat der HUI rund 208 Prozent zugelegt, physisches Gold hingegen ist um 342 Prozent im Wert gestiegen.

Dramatischer ist der Unterschied auf Sicht von zehn Jahren. Goldminen haben über diesen Zeitraum einen Verlust von 35 Prozent eingefahren, während das Edelmetall selbst Anlegern einen Gewinn von 41 Prozent beschert hat.

Diese Zahlen mögen tatsächlich nahelegen, dass die Goldreserven in der Erde relativ zu bereits geschürftem Gold in den vergangenen Jahrzehnten sehr günstig geworden sind. Goldminenaktien statt Gold zu erwerben könnte sich also lohnen.

Klären wir nun zunächst den Unterschied zwischen Goldminenaktien und Gold. Die Förderung des Edelmetalls ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Schon das Aufspüren von Reserven im Boden verschlingt Unsummen. Der Bau und Betrieb einer Mine erfordert weitere Investitionen.

So liegen die Kosten für die Förderung einer Unze Gold bei etwa 670 US-Dollar. Rechnet man die Investitionskosten hinzu, dann kommt man auf Gesamtkosten von etwa 880 Dollar. Das klingt gar nicht schlecht, wenn man berücksichtigt, dass das Edelmetall aktuell bei etwa 1.300 Dollar notiert.

Vergleicht man die Kostenentwicklung mit der Preisentwicklung von Gold, so ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Kosten sind um etwas mehr als 200 Prozent gestiegen, der Goldpreis allerdings um 230 Prozent.

Warum haben sich aber Aktien von Goldproduzenten trotz ordentlicher Margen zuletzt so viel schlechter entwickelt? 

Goldminen haben nun einmal endliche Reserven. Sind diese erschöpft, muss die Mine schließen. Der Minenbetreiber ist also gut beraten, frühzeitig nach neuen Goldreserven zu suchen. Diese Exploration ist kostspielig und riskant. Gold ist selten und ergiebige Reserven sind nur mit erheblichem Aufwand zu finden, Fehlschläge nicht ausgeschlossen.

Der Zukauf von Reserven eines anderen Betreibers ist ebenfalls kostspielig, aber zumindest kalkulierbar. Ein Grund für die gegenwärtig zu beobachtenden Übernahmeaktivitäten. Rechnet man den Kaufpreis mit den Investitions- und Förderkosten zusammen, so ergibt sich für die Anleger ein ernüchterndes Bild. Von den größten Goldminenunternehmen sind nur wenige profitabel, da die Kosten für den Ersatz der Reserven den Erlös aus der Produktion auf Dauer übersteigen.

Newmont Mining, einer der ganz wenigen profitablen Goldschürfer, weist eine Vorsteuermarge von etwas mehr als zehn Prozent aus, mit einer Eigenkapitalrendite von gerade einmal 3,2 Prozent. Die Mehrheit der im HUI-Index vertretenen Unternehmen verbrennen hingegen Geld.

Der Grund für die Beliebtheit von Goldminen bei Anlegern liegt offensichtlich in ihrem spekulativen Charakter. Ein Anstieg des Goldpreises führt kurzfristig zu einem überproportionalen Anstieg des operativen Gewinns. Damit reagieren die Aktienkurse wie eine Option auf den Goldpreis. Erfolge bei der Exploration, welche gerade bei großen Minenbetreibern kaum ins Gewicht fallen, tragen ebenfalls dazu bei.

Fazit: Für längerfristig orientierte Anleger sollten sich Investitionen in Goldminen eigentlich verbieten. Das Risiko steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Über längere Zeiträume ist physisches Gold, aber auch ein breit gestreutes Aktienportfolio in jedem Fall die bessere Alternative.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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