Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Niedrige Zinsen beseitigen keine Handelshemmnisse

An den Börsen kommt die Aussicht auf eine gelockerte Geldpolitik gut an. Dabei sollten Investoren die Entwicklung kritisch hinterfragen.
1 Kommentar
Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet die Weltwirtschaft. Quelle: AFP
Hafen in Los Angeles

Der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet die Weltwirtschaft.

(Foto: AFP)

Nachdem die Kurse in den ersten vier Monaten des Jahres heiß gelaufen sind, war das Börsengewitter im Mai fast überfällig. Nun ziehen aber Gewitter bekanntlich nicht aus heiterem Himmel auf. Die Ausweitung des Handelskonflikts von tarifären auf nichttarifäre Maßnahmen war sicherlich ein wichtiger Grund für den Kurseinbruch von fast sechs Prozent im Mai.

Konkret verfügte US-Präsident Donald Trump, dass Chinas größtes Technologieunternehmen Huawei aus Gründen der nationalen Sicherheit auf eine schwarze Liste gesetzt wird. Damit werden nicht nur die Exporte von Huawei in die USA untersagt, sondern auch verhindert, dass Huawei von US-Firmen mit wichtigen Komponenten, vor allem Halbleitern, beliefert wird.

Die Intention dahinter: China an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen, nämlich dem mangelnden Angebot an leistungsfähigen Chips.

Da Huawei aber umsatzmäßig auf Augenhöhe mit Unternehmen wie Microsoft oder Alphabet liegt, schadet man nicht nur China, sondern auch unterschiedlichsten US-Technologieunternehmen, denen Umsatz in zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe entgeht. Bei Huawei selbst dürften alleine für 2019 Einnahmen in Höhe von geschätzt 20 Milliarden US-Dollar wegfallen.

Aber auch für die nicht unmittelbar betroffenen Firmen hat der Schritt von Trump womöglich negative Folgen. Denn die Globalisierungsdividende für die Aktienmärkte, die durch internationale Arbeitsteilung und Handel erzielt wird, droht mit nichttarifären Handelshemmnissen und Sanktionen zu verschwinden. Und das weltweite Wachstum wird nicht nur durch den Rückgang des Außenhandels, sondern auch durch fehlende Investitionen der verständlicherweise verunsicherten Unternehmen verringert.

In dieser Phase verfallen vor allem die Zentralbanken in Europa und den USA in alte Verhaltensmuster und planen wieder geldpolitische Lockerungen. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte bereits ohne große Not die Möglichkeit von Zinssenkungen an, das kann einen Rückgang des Einlagensatzes von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent bedeuten. Ebenso käme eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms in Frage.

Auch Fed Chairman Jerome Powell scheint mittlerweile die ersten Zinssenkungen ins Auge zu fassen. Während bei Draghi noch die unter Plan liegende Inflationsrate für die Lockerung der Geldpolitik herhalten muss, möchte die Fed durch Zinssenkungen den handelspolitischen Unsicherheiten begegnen.

Zumindest der Börse scheint dies zu gefallen. Nachdem sich das Mai-Gewitter verzogen hat, haben sich die Kurse im Juni wieder um rund fünf Prozent erholt. Die neuerliche Ankündigung der Droge „billiges Geld“ hebt zumindest kurzfristig die Stimmung.

Die Investoren sollten aber kritisch hinterfragen, ob jedes wirtschaftliche Problem durch Geld behoben werden kann. Rezepte, die während der von Schulden induzierten Finanzkrise 2008 und der Eurokrise 2011 geholfen haben, können nicht realwirtschaftliche Probleme wie die Zunahmen von Handelshemmnissen beseitigen. Es wird nicht funktionieren, die Nachfrage monetär zu stimulieren, schon gar nicht mit immer negativeren Zinsen, wenn die Produktion in einer arbeitsteiligen Wirtschaft über die Grenzen hinweg nicht mehr gegeben ist.

Es nutzt schließlich auch nichts, ein Auto zu betanken, wenn die Zündung defekt ist. Und läuft der Tank schließlich über, sind die Kollateralschäden deutlich höher als die Kosten für eine sachgerechte Reparatur. Nicht die Zentralbanken, sondern die Politik ist diesmal für die Fahrtüchtigkeit der Wirtschaft verantwortlich.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Kaldemorgen - Niedrige Zinsen beseitigen keine Handelshemmnisse

1 Kommentar zu "Expertenrat – Klaus Kaldemorgen: Niedrige Zinsen beseitigen keine Handelshemmnisse"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Kaldemorgen,

    die große Schwachstelle Ihres Artikels ist die Behauptung, Trump würde nunmehr von tariffären Handelshemmnissen (=Einfuhrzöllen) zu nichttariffären Hemmnissen übergehen. Dafür gibt es nur ein einziges Beispiel: Huawei wurde aus Sicherheitsgründen auf eine schwarze Liste gesetzt.

    Ansonsten bleibt Trump bei der Androhung oder Einführung von Einfuhrzöllen. Also reden wir doch endlich einmal über deren Auswirkungen. Zu bezahlen sind die Zölle von den amerikanischen Verbrauchern. Die Zölleschmälern deren verfügbares Einkommen und damit auch deren Konsum- und Investitionsfreude. Die Zölle belasten somit die amerikanische Konjunktur.

    Und was ist mit niedrigen Zinsen? Die Zölle beseitigen können sie natürlich nicht. Sie sind auch kein Mittel gegen Fußpilz oder Zahnfleischbluten. Aber ihre Wirkung ist genaue Gegenstück zu den Eunfuhrzöllen: Weil Geld zu leihen nun so billig ist, greifen Konsumenten und Investoren auch zu und kurbeln die Wirtschaft mit dem geliehenen Geld an. Die Zentralbanken dieser Welt wissen dies seit ein paar Hundert Jahren. Wenn sie eine Rezession bekämpfen müssen, fahren die Zentralbanken ihre Leitzinsen stets stark herunter.

    Und nun noch der Clou. Ein Teil des billigen Geldes fließt nicht in die Gütermärkte, sondern landet in den Märkten für Vermögensanlagen. Beispielsweise im Aktienmarkt. Dort kann es jahrelang zu einer liquditätsgetriebenen Hausse kommen. Solch eine Hausse hat schon viele Mitbürger reich gemacht. Was dagegen, Herr Kaldemorgen?

Serviceangebote