Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Sell in May and go away? – 2018 nur ein bedingt guter Rat

Für die Börsenweisheit gibt es dieses Jahr keine eindeutigen Indizien: US-Dollar und Ölpreis wirken unterstützend, Italien und Handelskonflikte sorgen für Unruhe.
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Selbst die latente Gefahr eines Handelskriegs mit den USA hat den Aufwärtstrend bislang nicht stoppen können. Quelle: dpa
Dax-Kurve

Selbst die latente Gefahr eines Handelskriegs mit den USA hat den Aufwärtstrend bislang nicht stoppen können.

(Foto: dpa)

Man traut seinen Augen kaum. Gerade zwei Monate ist es her, da notierte der repräsentative MSCI-Welt-Aktienindex mit einem Verlust von minus 5,4 Prozent für das laufende Jahr. Mittlerweile kommt er auf ein Plus von 4,5 Prozent.

Dies ist eine bemerkenswerte Entwicklung angesichts des Pessimismus, der sich bei Anlegern gegen Ende des ersten Quartals 2018 breitgemacht hat. Die Frage, ob man denn in diesem Jahr überhaupt noch mit einer positiven Wertentwicklung rechnen könne, gehörte zum Standardrepertoire bei Kundenveranstaltungen. Schwerer zu ertragen war sicherlich die Medienschelte über die schlechte, weil negative (kurzfristige) Fondsperformance.

Welche Erkenntnisse ergeben sich aus der Marktbewegung der vergangenen zwei Monate? Schon zu Beginn des Jahres wurden die Aktienmärkte von starken Schwankungen erfasst, stets ein Zeichen von großer Unsicherheit und konträrer Einschätzung der Investoren.

Sell in May and go away? – „Wer auf diese Börsenweisheit hört, verpasst etwas“

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Eher Konsens war eine weitere Schwäche des US-Dollars, den führende Investmentbanken perspektivisch bei 1,30 zum Euro gesehen haben. Tatsächlich hat gerade ein festerer Dollar für eine aus Euro-Sicht erfreuliche Wertsteigerung bei Aktien gesorgt. Während der MSCI Welt in Euro ein Plus von 4,5 Prozent erzielte, war das Ergebnis in Dollar mit 2,4 Prozent um einiges schwächer.

Auch die europäischen Börsen haben deutlich von der Trendumkehr des US-Dollars profitiert, hatten doch die Unternehmen noch Ende des ersten Quartals vor der Belastung durch einen schwachen Dollar gewarnt. Steigende Ölpreise, die seit Mitte März um 18 Prozent gestiegen sind, waren neben dem Dollar ebenfalls hilfreich für die Börsenentwicklung. In den USA haben Energiewerte um mehr als acht Prozent zugelegt, in Europa sogar um 15 Prozent.

Selbst die latente Gefahr eines Handelskriegs der USA mit wem auch immer hat den Aufwärtstrend bislang nicht stoppen können. Dies mag daran liegen, dass Donald Trumps Verhaltensmuster bei diesem Thema sehr volatil ist. Am freundlichsten lässt sich seine Politik mit „Zuckerbrot und Peitsche“ umschreiben. Bei jedem Knall mit der Peitsche scheinen die Aktienmärkte sich aber mittlerweile schon wieder auf das Zuckerbrot zu freuen und steigen.

Das Leben an der Börse erscheint wieder so schön wie das warme Maiwetter. Rechnet man die Kursgewinne hoch, so kommt man für Euro-Anleger wieder auf einen Jahresertrag von etwas über 11 Prozent, natürlich theoretisch.

Dumm, dass ausgerechnet jetzt Italien die Frühlingsgefühle der Börse stört. Nach der Ankündigung der Populisten, weiter Schulden anzuhäufen, fielen italienische Staatsanleihen wie ein Stein. Zehnjährige Anleihen verloren 6,3 Prozent, während die Renditen von 1,7 auf 2,4 Prozent stiegen – trotz Mario Draghis unvermindertem Kaufprogramm. Angesichts der hohen politischen Unsicherheit in Rom erscheinen auch 2,4 Prozent nicht gerade ein Schnäppchen zu sein. Nun drohen sogar Neuwahlen.

Auch der italienische Aktienmarkt büßte mit minus sieben Prozent kräftig ein, liegt aber mit fast fünf Prozent im Kalenderjahr an der Spitze aller europäischen Aktienmärkte. Sie werden vermutlich erraten warum – mit Eni ist im Index ein Ölwert vertreten, der satte 15 Prozent zugelegt hat.

Russland hingegen konnte trotz seiner Öl- und Gasproduktion noch nicht von den steigenden Energiepreisen profitieren. Der Rubel musste in diesem Jahr Währungsverluste in Höhe von vier Prozent gegenüber dem Euro hinnehmen.

Fünfjährige russische Staatsanleihen rentieren in Rubel etwa sieben Prozent höher, bei einer Verschuldung von 11,8 Prozent zum Bruttosozialprodukt (Italiens Schuldenlast liegt im Vergleich dazu bei 131,8 Prozent). Die Inflationsrate in Russland liegt bei 2,4 Prozent. Der Strukturnachteil von Mütterchen Russland: Draghi kauft keine russischen Bonds und Trump mag sie auch nicht.

Klaus Kaldemorgen ist Fondsmanager bei der DWS und einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands.

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