Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Warum 2019 kein schlechtes Aktienjahr werden muss

Nur einmal seit seinem Bestehen hat der Dax mehrere Jahre in Folge mit einem Minus beendet. Warum Anleger nicht zu pessimistisch sein sollten.
Kommentieren
Entspannt können Anleger bei der derzeitigen Börsenentwicklung nicht sein. Quelle: dpa
Händler in Frankfurt

Entspannt können Anleger bei der derzeitigen Börsenentwicklung nicht sein.

(Foto: dpa)

„Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Dieses Mark Twain zugeschriebene Bonmot hat sich mit dem gerade erst zu Ende gegangenen Aktienjahr 2018 abermals eindrucksvoll bestätigt. Denn Ende 2017 hatten 32 vom Handelsblatt befragte Ökonomen auf Sicht von zwölf Monaten einen Stand des Dax von durchschnittlich 14.009 Punkten prognostiziert. Die Spanne reichte dabei von 12.300 bis 15.000 Zähler.

Tatsächlich beendete der deutsche Leitindex nach der schwächsten Wertentwicklung seit 2008 mit 10.559 Punkten das Jahr 2018.

Damit haben die Experten gerade in ihrer Königsdisziplin nicht gut ausgesehen, nämlich der korrekten Vorhersage sinkender Aktienkurse. Denn Börsen steigen in der Regal auf Sicht eines Kalenderjahres. Der Dax beispielsweise landete in seiner Historie nur neunmal binnen dieses Zeitraums im Minus, dagegen legte er 22-mal zu. Daher macht gerade das Vermeiden der negativen Ausreißer für Anleger den sprichwörtlichen Bock fett.

Doch wie sieht die längerfristige Bilanz der Prognostiker aus? Eine Antwort darauf gibt eine Studie der Hamburger Sutor Bank von Anfang 2017, in der für die 20 Jahre zwischen 1997 und 2016 die Vorhersagen der Experten mit der tatsächlichen Wertentwicklung des Dax verglichen werden.

Das Ergebnis: Von den fünf negativen Aktienjahren in diesem Zeitraum wurde einzig der Rückgang im Jahr 2000 korrekt prognostiziert. Einen Teil der Erklärung dieses Phänomens liefert dabei die Tendenz der Börsen zu steigen, die in Kombination mit der menschlichen Neigung, das Bestehende fortzuschreiben, quasi reflexartig positive Prognosen hervorbringt.

Kein Wunder also, dass auch die für das laufende Jahr vom Handelsblatt befragten Analysten und Volkswirte der Banken von Kursgewinnen ausgehen, die sich im Mittel auf gut 14 Prozent belaufen sollen. Doch als wie treffend wird sich die Prognose dieses Mal erweisen?

Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass die Risiken für die mehr schlecht als recht aus den Startlöchern gekommenen Börsen unvermindert hoch sind. Angesichts der verworrenen innenpolitischen Situation könnte Großbritannien Ende März tatsächlich ungeordnet aus der Europäischen Union ausscheiden.

Zudem ist nicht auszuschließen, dass Frankreich unter dem Druck sozialer Proteste die Haushaltsdisziplin weiter aufweichen und aufgrund seiner politischen Größe und wirtschaftlichen Bedeutung zur ultimativen Zerreißprobe für den Euro wird.

Auch bleibt die Sorge, dass die US-Notenbank mit überzogenen Zinsanhebungen der bereits angeschlagenen Konjunktur den Todesstoß versetzt. Zwar beeilte sich Fed-Chef Jerome Powell im Dezember zu betonen, dass die Währungshüter ihre Geldpolitik anhand der Entwicklung ökonomischer Kennziffern betreiben.

Den Kapitalmärkten fehlte jedoch der rechte Glaube daran – nicht zuletzt, weil die US-Notenbank in der Vergangenheit nur selten erfolgreich dabei war, die Wirtschaft nach einer Boomphase aufzufangen.

Am meisten fürchten sich die Anleger aber vor einer Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China, so das Ergebnis der Dezemberumfrage der Bank of America Merrill Lynch unter weltweit 190 Fondsmanagern. Gleichzeitig wurden die Perspektiven für die Weltwirtschaft als so schlecht eingeschätzt wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

Und schenkt man der Erhebung Glauben – gemeinhin gilt sie als guter Indikator für die Stimmung in der Branche –, sind die großen institutionellen Investoren vielfach auch tatsächlich schon in Deckung gegangen. So haben die Fondsmanager im letzten Monat des vergangenen Jahres so massiv Gelder aus Aktien in Anleihen umgeschichtet, wie es im Lauf der Umfrage noch nie zu verzeichnen gewesen war. Mit dem verbleibenden Aktienanteil flüchteten die Portfoliolenker aus Technologiewerten in defensive Papiere wie die von Konsumgüterherstellern und Versorgern.

Schneidet Trump sich ins eigene Fleisch?

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass US-Präsident Donald Trump den Handelskonflikt mit den Chinesen zu einem globalen Handelskrieg eskalieren wird? Vor diesem Hintergrund ist eine erst vor wenigen Tagen vorgelegte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) interessant. Sollten die USA das Zollniveau gegenüber der EU und fünf weiteren wichtigen Handelspartnern auf 25 Prozent erhöhen und die betroffenen Länder mit entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen reagieren, würde dies den Berechnungen des IW zufolge bis zu drei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung kosten.

Deutschland, das als Exportnation besonders stark auf einen offenen Welthandel angewiesen ist, könnte demnach bis zu 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verlieren. Bemerkenswert ist aber, dass laut der Studie die USA selbst mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 4,1 Prozent noch stärker unter einer Eskalation leiden würden.

Bricht Trump einen globalen Handelskrieg vom Zaun, würde er sich also womöglich tief ins eigene Fleisch schneiden. Und einen ersten Eindruck davon, dass Alleingänge vor dem Hintergrund einer globalisierten und eng verflochtenen Weltwirtschaft keine gute Wahl sind, hat in der vergangenen Woche erst die Umsatzwarnung von Apple gegeben.

Denn in seinem Brief an die Investoren begründete CEO Tim Cook die gesenkte Prognose für das wichtige Weihnachtsquartal unter anderem mit der konjunkturellen Abschwächung im wichtigen Absatzmarkt China, zu der die steigenden Spannungen im Handel mit den USA beigetragen hätten. Die Reaktion der Börse auf die erste Umsatzwarnung von Apple seit fast 20 Jahren war drastisch: Die Aktie des iPhone-Herstellers verlor knapp zehn Prozent, womit rund 75 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet wurden. Die Kollateralschäden durch die teils noch heftigeren Abschläge bei Zulieferern und durch die im Sog weltweit nachgebenden Börsen noch nicht einmal mitgerechnet.

Genau an dieser Stelle dürfte Trump, der 2020 wiedergewählt werden will, nachdenklich werden. Schließlich basiert die Altersvorsorge auch seiner Anhänger in erster Linie auf der Entwicklung der Aktienkurse. Und Fed-Chef Powell hat zuletzt unmissverständlich klargemacht, dass er nicht mit einer unangemessen lockeren Geldpolitik die Kastanien für den Präsidenten aus dem Feuer holen wird.

Für die Zweifler an Trumps Rationalität gibt es noch ein anderes Argument, das dafür spricht, dass 2019 kein schlechtes Jahr für die Börsen werden muss: Seitdem der Dax besteht, erlebte der deutsche Leitindex nur ein einziges Mal mehrere Verlustjahre in Folge. Da ging es dann allerdings gleich in den Jahren 2000, 2001 und 2002 ununterbrochen nach unten.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Klaus Kaldemorgen - Warum 2019 kein schlechtes Aktienjahr werden muss

0 Kommentare zu "Expertenrat – Klaus Kaldemorgen: Warum 2019 kein schlechtes Aktienjahr werden muss"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote