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Klaus Kaldemorgen
Börse Frankfurt

Die durchschnittliche Rendite im Dax lag auf Sicht der vergangenen zehn Jahre bei 8,3 Prozent pro Jahr.

(Foto: dpa)

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Warum Anleger auf das Verhältnis von Rendite und Risiko achten sollten

Wer sich für eine Anlage entscheidet, sollte sich vorab Gedanken darüber machen, wie viel Rendite er erzielen und welches Risiko er eingehen will.
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Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Sie kennen dieses Sprichwort bestimmt. Es rät dazu, einen kleinen, aber sicheren Vorteil gegenüber einem großen, jedoch unsicheren Nutzen vorzuziehen. Das kann auch für Kapitalanleger eine wertvolle Leitlinie sein.

Denn diese stehen ja regelmäßig vor solch einem Dilemma: Gebe ich mich mit einer Rendite von beispielsweise drei Prozent im Jahr zufrieden und muss nicht um mein Kapital fürchten? Oder strebe ich nach einem Ertrag von sagen wir einmal 25 Prozent pro Jahr, für den ich aber erhebliche Gefahren für mein Vermögen in Kauf nehmen muss?

Um solche Fragen vernünftig beantworten zu können, empfiehlt es sich, Rendite und Risiko ins Verhältnis zu setzen. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: eine risikoadjustierte Rendite zu berechnen.

Das klingt wie Schwarzbrot zum Frühstück, kann aber durchaus Spaß machen. Was braucht man dafür? Zwei Maßzahlen, eine für die Rendite und eine für das Risiko. Um einen Wert für den Ertrag zu bekommen, schätzt man entweder die Rendite auf Sicht der kommenden zwölf Monate oder man verwendet den durchschnittlichen Ertrag aus der Vergangenheit.

Beim Dax würde das dann so aussehen: Die durchschnittliche Rendite lag auf Sicht der vergangenen zehn Jahre bei 8,3 Prozent pro Jahr. Glaubt man der Konsensprognose der Experten, die den deutschen Leitindex Ende 2019 bei 12.170 Punkten sehen, käme man auf einen Ertrag von 11,8 Prozent. Eigene Schätzungen sind natürlich auch erlaubt.

Jährliche Volatilität beachten

Diese Werte müssen jetzt zum Risiko ins Verhältnis gesetzt werden. Dafür empfiehlt es sich, die jährliche Volatilität zu nehmen. Diese Kennziffer beschreibt die Schwankungsbreite um den Mittelwert. Sie wird beispielsweise von der Deutschen Börse täglich veröffentlicht und liegt im Augenblick bei 16,2. Daraus ergibt sich eine Rendite des Dax pro Risikoeinheit (R/RE) von 0,51 Prozent, wenn man den durchschnittlichen historischen Ertrag zugrunde legt, und von 0,73 Prozent, wenn man die Renditeschätzung der Experten als Basis verwendet.

Nehmen wir dies einmal als Blaupause für andere Investments: Eine globale Aktienanlage mit einem angenommenen Ertrag wie beim Dax von 8,3 Prozent liefert eine R/RE von 0,65 Prozent. Das ist um 0,14 Prozentpunkte besser als bei einem Investment in den deutschen Leitindex. Und diese Überlegenheit lässt sich auch gut erklären.

Denn da bei einer weltweiten Anlage in Aktien das Risiko deutlich besser über Regionen und Branchen gestreut wird, lässt sich unter der Annahme desselben Ertrags eine bessere risikoadjustierte Rendite erzielen. Da der durchschnittliche Ertrag globaler Aktien tatsächlich bei 11,2 Prozent lag, verbessert sich der Wert sogar auf 0,87 Prozent.

Wirklich interessant sind die Vergleiche mit festverzinslichen Anlagen. Die zehnjährige Bundeanleihe beispielsweise hat eine R/RE von minus 0,08 Prozent. Deshalb sollte sie aus jeglicher Anlageüberlegung ausgeschlossen werden. Schaut man in die USA, so ergibt sich für den S&P 500 eine R/RE von fast einem Prozent. Das Risiko durch mögliche Veränderungen des Dollar-Wechselkurses ist da schon eingerechnet.

Eine Anlage sticht in diesem Schönheitswettbewerb der besten risikoadjustierten Renditen mit einem Wert von 3,6 Prozent hervor. Es sind zweijährige US-Staatsanleihen mit einer Rendite von 2,6 Prozent und einer Volatilität von 0,8. Bevor Sie allerdings jetzt Ihr Portfolio komplett auf den Kopf stellen, bitte noch einmal kurz durchatmen.

Die Betrachtung verschiedener Anlagen durch die Brille der risikoadjustierten Rendite ist zwar hilfreich, da sich so eine gewisse Vergleichbarkeit herstellen lässt. Allerdings darf man die methodischen Mängel dabei nicht ausblenden. Denn schließlich beruht das Konzept auf Schätzungen für Risiko und Rendite. Beides kann sich jedoch sehr schnell ändern.

Deshalb ist eine Diversifizierung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen hinweg auf jeden Fall notwendig. Dies ändert allerdings nichts an der Aussage, dass eine globale Aktienanlage einem Investment ausschließlich in deutsche Aktien vorzuziehen ist. Gleichzeitig sollte man zweijährige US-Staatsanleihen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen präferieren.
Der größte Nachteil des Konzepts liegt aber in seiner eher langfristigen strategischen Ausrichtung. Kapitalmärkte können sich aber beispielsweise aufgrund politischer Ereignisse sehr schnell ändern. Das hat die jüngste Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt.

So hat etwa der US-Aktienmarkt im Dezember vergangenen Jahres im Tief 16 Prozent verloren. Dies war die schlechteste Wertentwicklung in einem Dezember seit 1901.

Die hohe Volatilität, die solche Phasen mit sich bringen, sollten aber gerade nicht zum Anlass genommen werden, Positionen zu reduzieren. Vielmehr kann man solche Situationen zu Käufen nutzen, wenn sich nach einer kritischen Prüfung der Gründe für die Verluste die eigenen Kursziele aufrechterhalten lassen. Sie sehen also, dass kein Konzept kontinuierliche Wachsamkeit und die stetige Auseinandersetzung mit dem Kapitalmarkt ersetzen kann. Bleiben Sie daher flexibel.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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