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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Warum die nächsten Monate über eine Neuauflage der Euro-Krise entscheiden

Europas Wirtschaft kann auf Zukunftsmärkten kaum mit den USA oder China mithalten. In der Euro-Zone lauert eine weitere Gefahr: die Staatsverschuldung.
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ILLUSTRATION - Eine Euro-Münze steht am 20.03.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) zwischen anderen Münzen. Nach dem Scheitern des Euro-Rettungspaketes im Parlament setzt Zypern die Hoffnungen auf Hilfe aus Russland. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Euro-Münzen

ILLUSTRATION - Eine Euro-Münze steht am 20.03.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) zwischen anderen Münzen. Nach dem Scheitern des Euro-Rettungspaketes im Parlament setzt Zypern die Hoffnungen auf Hilfe aus Russland. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Die Euro-Zone ist an den globalen Aktienmärkten abgehängt worden. Der Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung beträgt nur 10,6 Prozent gegenüber 54 Prozent für die USA (Quelle: MSCI ACWI). Misst man hingegen den Anteil der wichtigsten Wirtschaftsregionen am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP), so kommt die Euro-Zone mit einem Anteil von 11,2 Prozent relativ dicht an die USA mit 15,1 Prozent und China mit 18,7 Prozent heran. Die Marktkapitalisierung einer Region ist somit für die Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nur bedingt aussagekräftig.

Woher kommt dann die auffallende Abweichung zwischen der Größe der Aktienmärkte und der Wirtschaftsleistung, und was hat dies mit einer möglichen Euro-Krise zu tun? Zunächst ist festzustellen, dass gerade die Börse in den USA den Wandel von einer Industriegesellschaft in eine Informationsgesellschaft in atemberaubender Geschwindigkeit vollzogen hat.

Mit einer Gewichtung von 26,4 Prozent ist die Informationstechnologie mit Abstand der größte Wirtschaftszweig an den US-Börsen. Vor zehn Jahren lag der Anteil des Sektors bei 16,4 Prozent. In der Euro-Zone kommt der Technologiesektor aufgerundet auf knapp sechs Prozent – im Jahr 2018 wohlgemerkt.

In der „alten Welt“ sind hingegen Branchen stark, die unter den strukturellen Veränderungen leiden, die die „Internet-Ökonomie“ mit sich bringt. Dazu gehören zum Beispiel jede Art von Finanzdienstleistungen, die Automobilindustrie, der Handel und verbundene Unternehmen. Diese Unternehmen stellen in Europa etwa 46 Prozent des Aktienmarktes, in den USA nur etwa 32 Prozent.

Jede Verschlechterung des Wirtschaftsklimas dürfte diese Branchen und damit auch die Wirtschaft Europas besonders stark treffen. Der Druck zu Innovation und mehr Effizienz wird dem IT Sektor hingegen weiter Rückenwind verleihen. Diese Strukturschwäche des Euro-Raums hat in diesem Jahr tiefe Spuren am Aktienmarkt hinterlassen. Währen der US Markt seit Jahresbeginn 12 Prozent zugelegt hat, notieren europäische Aktien leicht im Minus.

Das Problem einer strukturell nicht gut aufgestellten Wirtschaft in Europa wird verschärft durch eine Verschuldung auf Staatsebene, die gemessen an der Wettbewerbsfähigkeit und dem Wachstum in vielen Fällen zu hoch ist.

Bisher wurde dieses Problem durch die Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, EZB, verdeckt. Mit der angekündigten Einstellung der Aufkäufe der EZB zum Jahresende wird es aber wohl wieder ins Rampenlicht rücken und manche Länder in Bedrängnis bringen.

Mit einer Staatsverschuldung von 130 Prozent des BIP besitzt zum Beispiel Italien einen Anteil von etwas mehr als 22 Prozent der Staatsschulden des Euro-Raums – bei einem Anteil von nur 11 Prozent am BIP. In absoluten Zahlen wird das Ausmaß noch klarer: Während in Griechenland etwa 350 Milliarden Euro Schulden im Feuer standen, sind dies in Italien derzeit fast siebenmal so viel.

Dazu kommt der erkennbare Unwille des Landes, sich bei dem Budgetdefizit an die Drei-Prozent-Grenze der Maastricht-Kriterien zu halten. Sollten die Finanzmärkte einem so bedeutenden Land wie Italien das Vertrauen entziehen, könnte dies nicht nur die Solidaritätsbereitschaft in Europa belasten, sondern auch die Rettungsmechanismen der EU auf eine harte Probe stellen.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

Die Entwicklung der langfristigen Zinsen von Italien zeigt, dass die Finanzmärkte der Probleme gewahr sind. Die Renditen von 10-jährigen italienischen Staatsanleihen sind bereits von zwei Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen. Die einzige Institution, die einem drohenden Vertrauensverlust entgegenwirken kann, bleibt also die EZB.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie der Verdacht einer Staatsfinanzierung entkräftet wird. Es bleibt ebenfalls spannend, welchen Einfluss eine Verschärfung der Meinungsverschiedenheiten mit Italien auf die Nachfolge Draghis haben wird.

Dass Jens Weidmann aus dem Rennen zu sein scheint mag ein Indiz dafür sein, dass Deutschland gewillt ist zukünftige Kompromisslösungen abzusichern. Auch wenn das an sich keine positiven Effekte auf den Euro haben würde.

Ist also die nächste Euro-Krise in Sichtweite? Noch wissen wir es nicht. Aber die Weichen werden innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate gestellt werden.

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