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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Warum die vergangenen Monate an den Märkten so turbulent gewesen sind

Der letzte Dezember ist derjenige mit den größten Kursrückgängen an den US-Börsen seit 1931 gewesen, der Januar war der beste seit 30 Jahren. Was dahintersteckt.
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Der letzte Monat des vergangenen Jahres bescherte den US-Börsen den größten Kursrückgang in einem Dezember seit 1931. Quelle: AP
Wall Street

Der letzte Monat des vergangenen Jahres bescherte den US-Börsen den größten Kursrückgang in einem Dezember seit 1931.

(Foto: AP)

Zwei aufeinanderfolgende Monate, die kaum unterschiedlicher hätten sein können, haben Geschichte an den Aktienmärkten geschrieben: Der letzte Monat des vergangenen Jahres bescherte den US-Börsen den größten Kursrückgang in einem Dezember seit 1931. Der erste Monat des neuen Jahres brachte für den Dow-Jones-Index mit einem Plus von etwas mehr als sieben Prozent hingegen den besten Januar seit 30 Jahren.

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Turbulenzen – zumindest in dieser Dimension – damit hinter uns liegen.
Als krönenden Abschluss eines unter dem Strich missratenen Aktienjahres brachte uns das Ende 2018 die Kapitulation. Nicht nur wurden die Wachstumserwartungen für das noch laufende Jahr einkassiert, sondern auch die Prognosen für 2019 kräftig heruntergeschraubt.

Der US-Aktienmarkt brach vor diesem Hintergrund in den ersten drei Dezemberwochen um fast 16 Prozent ein. Ausgerechnet der 24. Dezember bescherte den Anlegern mit einem Minus von fast drei Prozent den höchsten Tagesverlust.

Auch der Dax eignet sich gut, um die Stimmungslage Ende des vergangenen Jahrs zu dokumentieren. Mit einem Minus von insgesamt etwas über 18 Prozent wurde der deutsche Aktienindex 2018 seinem Ruf als Seismograf der Weltkonjunktur gerecht. Und dieser Rückgang fiel noch vergleichsweise gnädig aus, ging es für ein Drittel der Dax-Werte doch um mehr als 30 Prozent nach unten.

Zur Untermauerung der These, dass die größte Volatilität womöglich hinter uns liegt, lohnt es sich, gerade die Ereignisse des Dezembers ein wenig genauer zu beleuchten. Ein Knackpunkt für die Entwicklung an den Aktienmärkten war sicher die Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve am 19. Dezember. Es war die vierte geldpolitische Straffung 2018, und sie kam nicht wirklich unerwartet.

Im Vorfeld war aber zu beobachten gewesen, dass sich die globalen Wachstumserwartungen deutlich eingetrübt hatten. Der von US-Präsident Donald Trump initiierte Handelskonflikt mit China war daran nicht unbeteiligt. Die Aktienmärkte – vor allem in Europa, aber auch in China – begannen aufgrund rückläufiger Wachstumserwartungen schon Mitte des Jahrs ihre Talfahrt.

Die Zinserhöhung durch die Federal Reserve wurde dann letztlich als Sargnagel für die Weltkonjunktur interpretiert, deren Talfahrt sich auch die US-Wirtschaft nicht würde entziehen können. Unmittelbar danach brachen die US-Märkte, die sich zuvor noch recht stabil gehalten hatten, überdurchschnittlich stark ein.

Der Hinweis von Federal-Reserve-Chef Jerome Powell, dass die Geldpolitik der US-Notenbank auch die Stabilität der Finanzmärkte im Auge habe, beruhigte die Märkte nicht mehr. In den drei Tagen nach der Zinserhöhung fielen US-Aktien um acht Prozent.

Rückflüsse bei passiven Aktienfonds mitverantwortlich

Die ungewöhnlich starken Kursverluste kurz vor den Weihnachtsfeiertagen und am Heiligabend selbst sind dabei vermutlich auch auf die Rückflüsse bei passiven Aktienfonds in den USA zurückzuführen. Sobald diese Produkte Mittelrückflüsse aufweisen, muss verkauft werden. Da die meisten aktiven Fonds zu dieser Zeit des Jahres normalerweise kaum noch an den Märkten aktiv sind, die passiven Fonds aber in großer Zahl gleichzeitig zur Tür hinaus wollten, mussten die Kurse in einem illiquiden Markt überproportional nachgeben.

Ein Großteil der Kursverluste gerade in den USA war im Dezember also weniger auf fundamentale als vielmehr auf technische Faktoren zurückzuführen. Im Januar, einem Monat, in dem die Liquidität saisonal beding wieder steigt, wurde nicht ganz überraschend die Übertreibung des Dezembers rasch kompensiert.

Allerdings haben sich auch die im Vorjahr angelegten fundamentalen Probleme als zunächst weniger belastend als befürchtet erwiesen. Die nicht unberechtigte Hoffnung auf eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat für mehr Zuversicht gesorgt.

Die jüngsten Aussagen der US-Notenbank bezüglich der Geldpolitik legen nahe, dass die Zeit der Normalisierung und damit steigender Zinsen zunächst vorbei ist. Im Einklang mit der Federal Reserve verkündete auch die Europäische Zentralbank, dass die wirtschaftlichen Risiken überwiegen würden und daher eine weiter expansive Geldpolitik erforderlich sei. Dass die vorangegangene Übertreibung im Januar teilweise korrigiert wurde, bedeutet jedoch nicht, dass sich die Anleger entspannt zurücklehnen können.

Denn während die Indizes etwas ruhigere Bahnen ziehen dürften, werden die Kurse der einzelnen Unternehmen wohl eher stärker schwanken – sowohl nach oben als auch nach unten. So war bereits im Januar zu beobachten, dass sich die Verlierer des Vorjahrs besonders positiv entwickelten, während die Gewinner des Jahrs 2018 teils deutliche Kursverluste verzeichneten.
Vielleicht ist es für Anleger ein gutes Omen, dass in China demnächst das Jahr des Schweins beginnt. Das Schwein ist auch dort ein Symbol für Wohlstand und Glück. Eine Kombination, nach der schließlich auch alle Anleger streben.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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