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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Warum Weihnachten für Anleger ein trauriges Fest war

Das Börsenjahr 2018 begann mit einem Allzeithoch des Dax. Danach gab es für Anleger nicht mehr viel Grund zur Freude. Ein Rückblick.
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Kurssturz an Heiligabend. Quelle: dpa
Händler an der New Yorker Börse

Kurssturz an Heiligabend.

(Foto: dpa)

Da hatte man gerade die dritte Kerze auf dem Adventskranz angezündet und sich auf die traditionelle Weihnachtsrally an den Aktienmärkten gefreut, schon frischte der Wind neuerlich auf und blies den Anlegern abermals eiskalt ins Gesicht. Und auch die dritte größere Kurskorrektur des Jahres erwischte die meisten Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß.

Für die leidgeprüften Inhaber deutscher Aktien war es da nur ein schwacher Trost, dass die US-Börsen, trotz der starken Kursgewinne am Mittwoch, im Dezember insgesamt stärker getroffen wurden. Spielverderber war die US-Notenbank, die nicht unerwartet den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr erhöhte. Nach einer Reihe schwächerer makroökonomischer Kennziffern hat dies die Sorge geschürt, dass die Federal Reserve mit ihrer Geldpolitik die Konjunktur abwürgt und damit einer Rezession den Weg bereitet.

Raus aus riskanten Vermögenswerten wie Aktien und rein in sichere Staatsanleihen, so lautet also die Devise für die restlichen Tage des Jahres, jedenfalls für deutsche Anleger.

Dabei hatte 2018 so vielversprechend begonnen. Kaum ins Jahr gestartet, erklomm der Dax mit 13.596 Punkten ein neues Allzeithoch. Gute konjunkturelle Aussichten und noch bessere Prognosen für die Gewinne der Unternehmen ließen auch den US-Aktienmarkt binnen weniger Tage um mehr als sieben Prozent steigen.

Besonders toll trieben es die dabei die Papiere der digitalen Plattformen. Für die Aktien von Amazon etwa ging es bis Mitte März um fast 40 Prozent nach oben.

Doch der breite Markt bekam bereits Anfang Februar die erste kalte Dusche zu spüren. Innerhalb einer Woche verloren der Dax und der S&P 500 etwa zwölf Prozent. Erstmals realisierten die Anleger, dass die boomende Wirtschaft auch eine Schattenseite hat, nämlich steigende Zinsen. So erklomm die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 2,95 Prozent im März einen vorläufigen Höhepunkt. Zum Vergleich: Im Juni 2016 waren es gerade einmal 1,3 Prozent gewesen.

Allerdings war der erste Börsen-Schnupfen des Jahres schon nach wenigen Wochen auskuriert. Die Strategie des „Buy the dip“, also niedrigere Kurse zum Einstieg zu nutzen, lockte wieder Anleger in den Markt. Eine wirkliche Dynamik kam angesichts des immer stärker werdenden Gegenwinds seitdem aber nicht mehr auf.

So schockte etwa Italiens neue Regierung die Marktteilnehmer mit dem Plan eines deutlich steigenden Haushaltsdefizits. Für die Kurse italienischer Staatsanleihen mit längerer Laufzeit ging es vor diesem Hintergrund um mehr als 13 Prozent nach unten.

Eine Talfahrt an den chinesischen Börsen und den Aktienmärkten etlicher Schwellenländer löste US-Präsident Donald Trump aus, als er Anfang März twitterte: „Trade wars are good and easy to win“ – also „Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen“. Der Dieselskandal belastete vor allem die deutsche Automobilindustrie, mögliche Fahrverbote verunsicherten die Verbraucher. Automobilwerte und die Aktien der Zulieferer wurden vor diesem Hintergrund von den Anlegern wie die Pest gemieden.

Auch aufgrund der Wertentwicklung der Automobilhersteller erlebte der Dax 2018 das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise 2008. Der Jahrhundertsommer half zwar den Aktien der Bierbrauer, allerdings verursachte er Kollateralschäden bei Unternehmen, die man gemeinhin nicht als Opfer hoher Temperaturen sehen würde.

So musste beispielsweise der Chemiekonzern BASF eine Gewinnwarnung aussprechen, da das Unternehmen wegen des Niedrigwassers im Rhein kaum noch Produkte verschiffen konnte. Die Transportkosten stiegen so gewaltig. Ein Umstand, den auch die Deutsche Post zu spüren bekam. Obwohl das Geschäft mit Paketen brummte, stiegen die Kosten schneller als die Umsätze. Der Kurs des Unternehmens verlor 2018 mehr als 40 Prozent und gehörte damit zu den großen Verlierern im Dax.

Auf Branchenebene zählten Pharmawerte zu den wenigen Gewinnern, während Industrie-, Finanz- sowie Rohstoff- und Ölunternehmen die Verliererliste anführten. Öl gehörte über lange Zeit mit einem Preisanstieg von bis zu 35 Prozent zu den Champions am Rohstoffmarkt. Vom Hoch ging es dann aber um rund 40 Prozent auf 45 Dollar je Fass nach unten.

Dieser Absturz war echt, dass er – wie von manchen Beobachtern vermutet – von zornigen Tweets des US-Präsidenten ausgelöst wurde, waren hingegen vermutlich „Fake News“. Immerhin konnte Gold seine Rolle als Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten behaupten. In Euro gerechnet stieg der Preis um knapp 2,5 Prozent – eine bessere Wertentwicklung als bei jeder Bundesanleihe.

Für Multi-Asset-Fonds, also Portfolios, die in Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Währungen investieren, reichte der Preisanstieg bei Gold freilich nicht aus, um das Jahr zu retten. Summiert man die Entwicklung der einzelnen Anlageklassen auf, so war 2018 die schlechteste Periode seit 15 Jahren.

Ein wenig hat der Dollar geholfen, der in diesem Jahr etwas mehr als fünf Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet hat. Damit konnten die Verluste mit US-Aktien zwar nicht völlig vermieden, zumindest aber deutlich abgemildert werden. Während US-Aktien in Euro gerechnet etwa 1,5 Prozent verloren haben, büßten europäische Aktien rund 15 Prozent und Schwellenländer-Aktien ungefähr zehn Prozent ein.

Zum Trost für alle, die in diesem Jahr mit ihren Anlagen gelitten haben: Hätte man Ihnen, rein virtuell natürlich, vergangene Weihnachten einen Bitcoin unter den Baum gelegt, hätte dieser mittlerweile 72 Prozent an Wert verloren. Ich hoffe, Sie haben sich trotz allem nicht die Weihnachtsfreude verderben lassen.

Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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