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Arnulf Keese

Expertenrat – Arnulf Keese Das werden 2019 die wichtigsten Trends in der Bankenbranche

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch. Dabei stehen die Hausbanken der Deutschland AG unter gewaltigem Druck. Diese Herausforderungen stehen ihnen bevor.
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Regulation erhöht den Druck auf Datenschutz und Hightech-Banking

Neben dem niedrigen Zinsniveau und dem damit verbundenen Kostendruck wird die Regulierung die Finanzbranche weiter stark beschäftigen. Der Datenschutz wird durch das Inkrafttreten der E-Privacy-Richtlinien noch einmal weiter verschärft. Diese reguliert, anders als die DSGVO, nicht den Umgang mit Daten, sondern setzt an deren Erhebung an.

Gleichzeitig nimmt die Bankenaufsicht Finanzinnovationen, Datenanalyse und künstliche Intelligenz ins Visier. Denn längst ist klar, dass die Fülle der Auflagen nur noch durch High-Tech realisierbar ist. Dies wirft zwangsläufig die Frage auf, ob die Berge an Regulationsdokumentation überhaupt noch sinnvoll geprüft werden können. Und ob der ganze Papierwust überhaupt auf das eigentliche Ziel einzahlt, das Bankensystem für den Krisenfall zu härten.

Millennials kennen nur noch Online 

Und selbst wenn die Zinsen hoch und die Regulation gering wäre, wird eine strukturelle Veränderung den Bankenmarkt treffen: Junge Kunden der Millennium-Generation rücken nach, die mit Whatsapp, Spotify und Youtube groß geworden sind und eine Bankfiliale noch nie von innen gesehen haben.

Sie werden auch bei Finanzdienstleistungen nach digitalen Lösungen suchen, anstatt auf klassische Vertriebswege und Produkte zurückzugreifen. Im Ergebnis wird das Wachstum reiner Online-Banken ein Rekordniveau erreichen. In den USA können bereits 28 Prozent der Millennials auf eine Filiale zu verzichten – bei den Baby-Boomern der 60er-Jahrgänge sind es dagegen nur elf Prozent.

User Experience ist das neue Gold

Die erfolgreichsten reinen Online-Banken werden massiv in eine exzellente User Experience investieren, um die Millionen von neuen Kunden mit leicht zu bedienenden und hilfreichen Produkten zu begeistern, die sie nicht mehr missen wollen. Marken werden immer weniger über Werbedruck und immer mehr über Produktbegeisterung definiert. Und ein Produkt begeistert nur dann, wenn es eine gute User Experience liefert. Werbeausgaben bleiben dennoch auf sehr hohem Niveau, um im Verdrängungswettbewerb die Nase vorn zu behalten, aber der Fokus liegt auf Produkt und Inhalt.

Mit Apple und Google Pay verlagert sich die Macht zu den Tech-Giganten

Nachdem Mobile Payment in Deutschland jahrelang nicht voranzukommen schien, startete Google Pay im Herbst überraschend mit Paypal durch, direkt gefolgt von ApplePay. Die Liste der unterstützenden Banken ist lang und jeder, der etwas auf sich hält, ist mit dabei. Mit einem Mal sind die Technologie-Unternehmen Apple und Google dank ihrer omnipotenten Smartphone-Ökosysteme iOS und Android Teil des Zahlungsverkehrs und vermitteln zwischen Handel, Banken und Kunden.

Wir werden im nächsten Jahr die bis dato größte Veränderung im Bezahlverhalten erleben. Noch setzen die Deutschen zu weiten Teilen auf Bargeld. Doch mit dem Bezahlen per Smartphone und Smartwatch werden Scheine und Münzen zunehmend überflüssig und weit mehr als die üblichen eins bis zwei Prozent auf Kreditkarten entfallen.

Banking kommt in der Cloud an

Cloud Computing ist in der IT längst Standard. Im nächsten Jahr wird es auch Einzug in die Finanzwelt erhalten. Die Bafin kündigte unlängst Richtlinien für den Einsatz von Clouds an. Banken und Rechenzentren scharren mit den Hufen, erste Projekte in die Cloud zu verlagern. Im Ergebnis werden Finanzinstitute von schnelleren Release-Zyklen und geringeren Kosten profitieren – sofern sie in der Lage sind, die höhere Komplexität zu managen.

Was wird das erste Fintech-Einhorn?

Junge Unternehmen mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar gelten als Einhorn, ihnen eilt der Ruf voraus, einen Markt zu ihren Gunsten neu zu definieren. Bisher gibt es in Deutschland kein Fintech-Einhorn – im nächsten Jahr könnten wir aber das erste dieser Art erleben. Das wäre ein Meilenstein für die Start-up Szene – und der letzte Warnschuss für alle Zögerer, dass dem Markt ein radikaler Umbruch bevorsteht.

Mehr Fintech-Kooperationen

Banken werden weiterhin auf Kooperationen setzen, wenige Eigengründungen betreiben und sehr selektiv, dafür aber massiv in Fintech-Beteiligungen investieren. Das erste Fintech-Einhorn wird mit großer Sicherheit die magische Milliardenbewertung mithilfe eines Investors aus der Finanzdienstleistungsbranche erreichen, der – mit viel Fantasie oder aus purer Verzweiflung – eine solche exorbitante Bewertung rechtfertigen kann.

Eigengründungen werden aufgrund von (berechtigten) Zweifeln an den eigenen Fähigkeiten noch weiter in den Hintergrund treten. Diese hätten beherzter und vor allem schon vor Jahren stattfinden müssen. Deshalb werden Kooperationen werden für die breite Masse der Banken das Mittel der Wahl sein, externe disruptive Kompetenzen dem eigenen Geschäft zugutekommen zu lassen, ohne die eigenen Fähigkeiten überzustrapazieren und gleichzeitig das Kerngeschäft digital zu komplementieren und im Idealfall sogar zu transformieren.

Der Markt wird sich konsolidieren

Der Konsolidierungsdruck auf den Bankenmarkt ist gewaltig, auch, aber nicht nur wegen der oben beschriebenen Trends. Die Hausbanken der Deutschland AG stehen unter gewaltigem Druck, und die Querelen, Skandale und Fusionsgerüchte der vergangenen Monate lassen erahnen, welche tektonischen Kräfte gerade wirken.

Leider ist zu befürchten, dass viele Banken bald nicht mehr in deutscher Hand sein werden, da angelsächsisches und asiatisches Kapital wesentlich risikobereiter ist und mit schier unbegrenzter Macht in den Markt drängt. Der deutsche Mittelstand braucht Partner, die sein Geschäft und seine Kultur verstehen – wenn wir keine Lösung für unsere Großbanken finden, können wir nur hoffen, auch in London, New York oder Hongkong Gehör zu finden.

Und was erwartet uns 2029?

In zehn Jahren werden wir wahrscheinlich keine Smartphones mehr besitzen. Seit Jahren sinkt die Zahl der Verkäufe – ein sicheres Zeichen dafür, dass ihre Verbreitung stagnieren und dann abnehmen wird. Danach wird eine Flut von spezialisierten Geräten das universelle Smartphone ersetzen.

Visualisierungen werden uns direkt auf die Netzhaut projiziert, künstliche Intelligenzen erkennen aus unserem Verhalten unsere Intention, und unsere Willensbekundungen werden direkt anhand der Hirnströme erkannt. Zur Not greifen wir auf Spracheingaben zurück – aber in jedem Fall benötigen wir keine Monitore, Mäuse, Touch-Screens und Tastaturen mehr.

 Der Bankenwelt wird es wie den Smartphone-Herstellern gehen: Sie werden sich anpassen und ihr Geschäftsmodell transformieren müssen.

Arnulf Keese ist Chief Digital Officer der Deutschen Kreditbank (DKB). Zuvor war er unter anderem Chef von Paypal Deutschland.

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