Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Arnulf Keese

Expertenrat – Arnulf Keese Die Digitalisierung von Unternehmen braucht eine Demokratisierung der Ressourcen

Das Internet ist überall dort erfolgreich, wo es Zugang zu Information und Gestaltung demokratisiert. Das gilt ausdrücklich auch für die Wirtschaft.
Kommentieren
Unternehmen müssen für eine erfolgreiche Digitalisierung alles daran setzen, dass sie den Zugang zu Ressourcen, Daten und Entscheidungen demokratisieren. Quelle: dpa
Breitbandausbau

Unternehmen müssen für eine erfolgreiche Digitalisierung alles daran setzen, dass sie den Zugang zu Ressourcen, Daten und Entscheidungen demokratisieren.

(Foto: dpa)

Als 1993 das Internet in den ersten zarten Anfängen mein Leben erreichte, war dies geprägt von analoger Intransparenz: Geld gab es nur bar, Umtausch war beinahe unmöglich, Information zu Wetter-, Aktien- und Nachrichten gab es nur in den Medien. Produkt-, Preis- und Konditionsvergleiche gab es nur in Zeitschriften, aber stets nur für einzelne Produktgruppen.

In Summe beschränkte sich meine Marktübersicht auf die eng kuratierte Auswahl weniger Quellen, denen ich vertrauen musste. Professionelle Fachinformationsdienste hätten zwar ein etwas breiteres Spektrum angeboten, waren aber für Konsumenten nicht verfügbar oder preislich erschwinglich.

Und dann kam das Internet. Und seitdem konnten auf einmal alle alles.

Dank E-Mail und Chat kann heute jeder jeden kostenlos und sofort erreichen, dank E-Commerce und Nutzerbewertungen können wir alles überall kaufen und wissen, welche Stärken und Schwächen wir erwarten können. Dank Online-Banking und Robo-Advisern können wir jederzeit über unser Geld verfügen und Anlagen tätigen. Dank sozialer Medien und Blogs wissen wir was im Trend liegt und diese mitgestalten.

Dank Google, Youtube und Instagram können wir unsere eigenen Beiträge beisteuern und monetarisieren. Wir hatten als Kunden noch nie soviel Transparenz, Mitspracherecht und Macht wie heute.

Und der Wettbewerbsdruck auf Hersteller, Händler und Banken waren noch nie so hoch wie heute, sich täglich neu beweisen zu müssen um unsere Gunst zu gewinnen und zu erhalten. Natürlich werden auch heute noch Informationen kuratiert und gefiltert – aber von viel mehr Quellen.

Wir stehen heute besser da als je zuvor dank der Demokratisierung des Zugangs zu Information, Meinung und Geschäftsmodellen. Jeder Einzelne kann heutzutage fast unbeschränkt auf Informationen zugreifen, ohne der Zensur einiger weniger ausgesetzt zu sein. Jeder kann ein globales Geschäft von seinem Schreibtisch aus starten. Jeder kann Meinungen, Produkte und Erfahrungsberichte kuratieren und als „Influencer“ auftreten.

Jedes Unternehmen muss Antworten liefern

Wir alle können Wissen, Marktinformation und Meinung in einem Maßen teilen und konsumieren, wie niemals zuvor – und das genau macht den Kern der Digitalisierung aus. Und stellt auch Chance und Herausforderung der Digitalisierung für Unternehmen dar. Denn es wirft tiefgreifende Fragen zu Kultur und Führung auf:

  • Wie gewähre ich jedem im Unternehmen maximalen Informationszugang?
  • Vertraue ich meinen Mitarbeitern den Umgang damit?
  • Wie transparent mache ich die Verwendung von Ressourcen?
  • Wie organisiere ich mein Unternehmen, wenn Hierarchie ihre Bedeutung verliert?
  • Ertrage ich das Verschwinden des Herrschaftswissens?

Diese Fragen zu stellen ist erlaubt, aber müßig.

Unternehmen müssen für eine erfolgreiche Digitalisierung alles daran setzen, dass sie den Zugang zu Ressourcen, Daten und Entscheidungen demokratisieren. Die dabei entstehenden digitalisierten Prozesse ermöglichen, das alle alles einsehen können, was früher vielleicht nur einer Abteilung oder den höchsten Ebenen zur Verfügung stand – wenn man dies zulässt.

Diese Transparenz stellt die bestehenden Strukturen in Frage und jede Einschränkung wird als Ausgrenzung empfunden. Die Rolle des Vorgesetzten definiert sich nicht mehr über Hierarchie und Herrschaftswissen – die Führungskraft muss sich durch die besten Ideen, Ansätze und Strukturen profilieren, im Wettstreit mit Mitarbeitern, Fachfremden und Praktikanten. Nicht jeder Führungskraft wird das gefallen, und nicht jede Führungskraft wird derart arbeiten können oder wollen. Aber Führungskräfte, die es schaffen, werden langfristig erfolgreicher sein.

Digitale Unternehmen leben maximale Transparenz als Credo ihrer Kultur. Sie teilen monatlich mit allen Mitarbeitern alle Informationen über den Zustand des Geschäfts und wichtiger Projekte. Sie schwärzen keine Zahlen oder Achsenbeschriftungen und unterschieden nicht zwischen Praktikant und Abteilungsleiter.

Das treibt in guten Zeiten den Stolz auf das Erreichte - und verbindet in schlechten Zeiten um gemeinsam die Härten zu ertragen. Sie bemühen sich fortlaufend um Feedback und Kritik von Kunden, Mitarbeitern und Kollegen um sich und und ihre Produkte zu verbessern. Dahinter steht ein tiefer Glaube an den Vorteil ungeschönter Fakten und eine tiefe Abneigung gegenüber interner Politik mit undurchsichtigen Informationsvorsprüngen und der Vorteilsnahme daraus.

Digitalisierung und die dafür notwendige Demokratisierung ist daher vor allem eine Frage der Kulturprägung. Denn nur wenn ein Unternehmen die neuen Spielregeln auf kultureller Ebene annimmt, kann es erfolgreich digitalisierte Produkte für seine Kunden anbieten.

Arnulf Keese ist Chief Digital Officer der Deutschen Kreditbank (DKB). Zuvor war er unter anderem Chef von Paypal Deutschland.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Arnulf Keese - Die Digitalisierung von Unternehmen braucht eine Demokratisierung der Ressourcen

0 Kommentare zu "Expertenrat – Arnulf Keese: Die Digitalisierung von Unternehmen braucht eine Demokratisierung der Ressourcen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.