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Arnulf Keese

Expertenrat – Arnulf Keese So kommt die Digitalisierung auch bei Ihren Mitarbeitern an

Die Digitalisierung mach vielen Arbeitnehmern Angst. Sie ihnen zu nehmen ist jedoch wichtig für Firmenerfolg. Mit diesen Tipps gelingt der Wandel.
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Die Digitalisierung von Unternehmen schreitet immer weiter voran. Doch nicht jeder Angestellte ist glücklich damit. Quelle: dpa
Ein Bosch-Mitarbeiter fotografiert Störung einer Maschine

Die Digitalisierung von Unternehmen schreitet immer weiter voran. Doch nicht jeder Angestellte ist glücklich damit.

(Foto: dpa)

Ein guter Freund sagte einmal zu mir: „Die Technologie schreitet unaufhaltsam voran, und ich fühle mich ihr schutzlos ausgeliefert.“ Das hat mich beeindruckt und zugleich verwundert, denn er schwört auf sein iPhone, hört Musik auf Youtube, kommuniziert per Whatsapp und teilt seine sportlichen Leistungen über Strava in der Cloud.

Damit ist er beim Thema Digitalisierung nicht weniger bewandert, als ich es bin – und trotzdem sind wir uns uneinig darüber, ob die Digitalisierung langfristig gut oder schlecht für unser Leben und unsere Gesellschaft ist. Diese Spaltung zwischen Digitalenthusiasten und -zweiflern erlebe ich immer wieder.

Um eins klarzustellen: Auch wenn ich selbst ein Optimist bin, heißt das nicht, dass ich gegenüber den Risiken der Digitalisierung blind bin. Mit Sorge beobachte ich die demokratiebedrohende Macht von Facebook. Auch die Monopolstellung Googles bei der Suche und Werbung ist mir ein Dorn im Auge. Und auch das Verdrängen klassischer Händler durch Amazon sehe ich äußerst kritisch.

Das sind reale Probleme, die wir werden lösen müssen. Daher freue ich mich über das aktuell erstarkende Selbstbewusstsein der Politik, den Online-Giganten die Stirn zu bieten.

Ich glaube aber dennoch, dass die Möglichkeiten des Internets die Probleme bei Weitem überwiegen. Das müssen wir all jenen vermitteln, die sich vor der Zukunft fürchten. Wie? Das ist vielleicht die relevanteste Frage der Digitalisierung.

Die Wertschöpfungsketten der meisten Unternehmen werden von digitalen Wettbewerbern angegriffen. Die Angst vieler Menschen ist real: Es stehen Jobs – ihre Jobs – auf dem Spiel. Dieser Realität muss sich jedes Management stellen. Dafür braucht es Mitarbeiter, die den Schritt in die digitale Zukunft mitgehen und diese mitgestalten. Klassische Weiterbildungsmaßnahmen reichen da nicht aus.

Hauptmotivation: der Nutzen für den Einzelnen

Bevor ein Mensch etwas lernen kann, muss er es lernen wollen. Wenn Ängste im Weg stehen, müssen diese zuerst angesprochen werden, um neben den Risiken auch die Chancen begreifen zu können und motiviert zu werden. Der beste Weg hierzu ist der Nutzen für den Einzelnen: Erst wenn wir einen Nutzen für uns erkennen, sind wir bereit, uns neuen Dingen zu öffnen.

Fast alle erfolgreichen Technologien der heutigen Zeit mussten diese Hürde nehmen. Niemand wollte alle seine Bilder auf einem Smartphone herumtragen, niemand wollte Musik über Streaming-Dienste hören und niemand wollte in Snapchat, mit Hasenohren dekoriert, mit seinen Freunden kommunizieren.

Aber als die Menschen begriffen haben, wie viel praktischer eine Digitalkamera mit eingebauten Album ist, wie viel größer der über Streaming-Plattformen verfügbare Musikschatz ist als die eigene Plattensammlung, und wie viel mehr Spaß es macht, wenn die Kommunikation mit Freunden nicht auf Ton, Text oder Standbild beschränkt ist, akzeptierten sie auch auf breiter Front diese neuen Angebote.

Deshalb: Ermutigen Sie in Ihrem Unternehmen den spielerischen Umgang mit Smartphones und Apps – es muss ja nicht alles auf Firmen-Computern stattfinden. Die Mitarbeiter haben ohnehin Smartphones. Nutzen Sie die private Begeisterung ihrer Mitarbeiter für die digitale Welt für Innovationen im Beruflichen. Schaffen sie Freiräume, in denen sie sich dazu austauschen können, was in der digitalen Welt gut funktioniert, wie es Ihr Unternehmen betreffen könnte und was Sie davon unbedingt brauchen. Aber lassen sie einen spielerischen Zugang zu – nichts fördert Lernen, Kreativität und Motivation so gut wie die kindliche Freiheit des Spiels.

Digitalisierung erleben lassen

Sorgen Sie dafür, dass Mitarbeiter die Digitalisierung erleben können. Niemand von uns hat das Fahrradfahren aus einem Buch gelernt, auch wenn es sicherlich spannende Bücher darüber geben mag. Genauso wenig werden Sie oder Ihre Mitarbeiter agiles Arbeiten, Design Thinking oder Customer Driven Innovation aus Schulungen, Powerpoints oder Organisationshandbüchern erlernen. Wenn Sie also etwas digitalisieren wollen, sorgen Sie für eine haptische Erlebbarkeit der Digitalisierung. Besuchen Sie Kunden zu Hause oder in ihrem Unternehmen und hören Sie ihnen zu, welche Probleme sie haben.

Lassen Sie ihre Mitarbeiter Schnupperkurse für technologische Fähigkeiten besuchen. Natürlich müssen nicht alle im Unternehmen Programmierer werden, aber es schult zu erfahren, wie sehr sich eine algorithmische Spezifikation von einer organisatorischen Anweisung unterscheidet.

Lassen Sie Ihre Mitarbeiter spielerisch Prozesse unter die Lupe nehmen, und lassen Sie sich überraschen, wie sehr man diese Prozesse verkürzen oder sogar abschaffen kann.

Bringen Sie Ihren Leuten bei, spielerisch Datenberge nach der berühmten Nadel im Heuhaufen zu durchforsten. Die meisten Menschen kennen heutzutage nur noch aggregierte Reports riesiger Datenmengen, in denen jedes relevante Detail im Durchschnittssumpf versinkt. Sie werden erstaunt sein, wie viele Nadeln man finden kann, wenn man einfach mal stichprobenartig Datensätze analysiert.

Wenn Sie all das tun, haben Ihre Mitarbeiter alle wichtigen Kompetenzen der Digitalisierung erleben dürfen: Kundenorientierung, Datenanalyse, Prozessdesign und Algorithmisierung.

Anwendung des Gelernten in geschützten Räumen

Wie beim Radfahren gilt: Übung macht den Meister. Starten Sie strategisch relevante Projekte für Ihr Unternehmen, in denen die digital sensibilisierten Mitarbeiter an realen Beispielen Lösungen für Ihr Unternehmen umsetzen können. Fangen Sie klein an und und steigern Sie Komplexität und Anspruch.

Ergänzen Sie fehlende Kompetenzen mit erfahrenen Mitarbeitern oder externen Profis. Aber achten Sie darauf, das solche „Stützräder“ externer Hilfe nicht zu Abhängigkeit führen. Geben Sie den Projekten Zeit, Ressourcen und den notwendigen Schutz, um in einer fehlertoleranten Umgebung ausprobieren und damit lernen zu können. Niemand lernt, ohne Fehler machen zu können. Sie müssen also Fehler zulassen und fördern und am besten sogar vorleben.

Können Sie sicher sein, das es funktionieren wird? Nein.

Aber Sie müssen es versuchen, denn die Mobilisierung der undigitalen Masse ist das vielversprechendere Vorgehen, als die Spaltung weiter voranschreiten und den Graben zwischen digitalen und klassischen Unternehmen breiter, größer und tiefer werden zu lassen.

Arnulf Keese ist Chief Digital Officer der Deutschen Kreditbank (DKB). Zuvor war er unter anderem Chef von Paypal Deutschland.

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