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Arnulf Keese

Expertenrat – Arnulf Keese Wie Facebook mit der Blockchain viele seiner Probleme lösen könnte

Facebook will sich intensiver mit der Blockchain-Technologie befassen. Das tun viele Unternehmen, doch der US-Konzern könnte damit einen Befreiungsschlag landen.
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Der Konzern kämpft mit Datenskandalen und schwindendem Nutzervertrauen. Quelle: Reuters
Facebook-Logo

Der Konzern kämpft mit Datenskandalen und schwindendem Nutzervertrauen.

(Foto: Reuters)

„Login mit Facebook” – es gibt kaum eine Webseite oder App, die diese Möglichkeit nicht anbietet. Doch legte das soziale Netzwerk damit auch die Basis für spätere Datenskandale, da mit jedem Login Dritten Zugriff auf Daten des Nutzers und dessen Freundesnetzwerk gewährt wurde. Cambridge Analytica und andere Unternehmen nutzten das massiv aus und kamen so an Millionen von Datensätzen. 

CEO Mark Zuckerberg brachte die Affäre in arge Erklärungsnot – und sie schlug sich auch in den Geschäftszahlen nieder

Das Dilemma: Der Konzern lebt von den Daten, die er sammelt, doch das Kundenvertrauen wird dadurch zerstört. In Europa verliert Facebook pro Tag drei Millionen Nutzer. Facebook fehlt es an alternativen Erlösmodellen zum Werbegeschäft. Und es rächt sich, dass der Konzern nie im Bereich E-Commerce und Payment Fuß fassen konnte

Doch Facebook ist eine Firma, die – von der Führungsebene bis zum normalen Mitarbeiter – zutiefst an technische Lösungen für alltägliche Probleme glaubt. Aber wie könnte der Konzern damit einen Befreiungsschlag landen?

Erst im August kündigte Facebook an, sich mit der Blockchain-Technologie – für viele eine Art heiliger Gral des Internets – beschäftigen zu wollen. Worum es genau gehen soll, wurde nicht kommuniziert – nur dass sich der ehemalige Paypal-Chef David Marcus darum kümmern wird.

Tatsächlich könnte Facebook die Blockchain nutzen, um auf einen Schlag viele seiner Probleme zu lösen. So könnte man die Technik so einsetzen, dass Daten nur in dem Maße verwendet werden dürfen, wie der Nutzer dies erlaubt. Denkbar ist auch eine Anwendung beim mobilen Bezahlen. Nicht zuletzt könnte die Blockchain Werbung über sogenannte Smart Contracts intensivieren. All das existiert bereits, aber nur für sich und auf breiter Basis.

Doch Facebook als größtes soziales Netzwerk könnte die Blockchain-Technologie mit all ihren Vorteilen Milliarden von Kunden in relevanter Form anbieten. Der Konzern würde damit nicht nur seine Datenprobleme lösen, sondern über Nacht ein relevanter Player im Zahlungsverkehr werden. Denn natürlich würde der Facebook-Crypto-Dollar auch auf allen Webseiten und in allen Ländern funktionieren, auf denen sich der Kunde mit Facebook anmelden kann. 

Peer-to-Peer-Zahlungen, also Geldtransfers an Freunde per E-Mail oder Handynummer, ähnlich wie bei Paypal, wären damit ebenfalls möglich, auch international, womit auf einmal der weltweite Remittance-Markt (Stichwort „Western Union”) eine erfrischende Brise des Wettbewerbs erleben würde. 

Für den globalen Zahlungsverkehr hätte der Einstieg von Facebook erhebliche Folgen. Etablierte Anbieter von E-Payments wie Paypal würde dies empfindlich treffen, da Facebook unabhängig von Paypal-Konten, Kreditkarten und Überweisungen Zahlungen anbieten könnte und mit dem Gewicht von über zwei Milliarden aktiver Kunden – pro Monat wohlgemerkt – leicht Händler gewinnen dürfte. 

Die erst im Oktober angekündigte Kooperation zwischen Paypal und Facebook, Zahlungen über den Facebook-Messenger zu ermöglichen, würde leiden, sollte Facebook einen solchen Ansatz wirklich in die Tat umsetzen. Der Konzern hätte auf jeden Fall die Ressourcen, die Technologien und garantiert die richtigen Leute dafür. 

Der Online-Händler Amazon erhöhte den Druck zusätzlich, als er jüngst ankündigte, eine „Managed Blockchain“ (was bedeutet, dass man per Knopfdruck darüber verfügen kann) anzubieten. Damit wird die Technologie offiziell zum Mainstream. 

Was all dies noch zeigt: Im digitalen Zeitalter gibt es keine klare Unterscheidung mehr zwischen Freund und Feind – es gibt nur noch „Coopetition” (ein Kofferwort aus „Cooperation“ und „Competition“) zwischen „Frenemies“ („Friends“ und „Enemies“) – sprich jede Kooperation ist zugleich Wettbewerb und jeder vermeintliche Feind kann auch ein Freund sein. Letztlich bedeutet das vor allem eins: Der Wettbewerb wird härter. Und Kollateralschäden einer neuen Idee können leicht ganze Märkte auf den Kopf stellen.

Arnulf Keese ist Chief Digital Officer der Deutschen Kreditbank (DKB). Zuvor war er unter anderem Chef von Paypal Deutschland.

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