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Valerie Mocker

Expertenrat – Valerie Mocker Fünf Tipps, wie Unternehmen digitale Verantwortung übernehmen

Firmen müssen sich darüber im Klaren sein, wie sie mit dem Wandel umgehen. Denn das Vertrauen von Verbrauchern in die Digitalisierung ist angeknackst.
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Der Konzern richtete Anfang des Jahres einen „AI for Good“-Wettbewerb aus, der KI-unterstützte Lösungen für besseren Klimaschutz oder Barrierefreiheit honorierte. Quelle: dpa
Demonstration des Einsatzes einer Datenbrille von Microsoft

Der Konzern richtete Anfang des Jahres einen „AI for Good“-Wettbewerb aus, der KI-unterstützte Lösungen für besseren Klimaschutz oder Barrierefreiheit honorierte.

(Foto: dpa)

Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Immer mehr Unternehmen fragen sich, welche Verantwortung sie vor allem für die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung tragen sollten. Noch gibt es kaum ausgefeilte „Corporate digital Responsibility“-Strategien.

Wie die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC durchgeführte „Globale CEO-Umfrage“ aus dem vergangenen Jahr zeigt, hinterfragen aber immer mehr Führungskräfte die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung. Selbst Larry Fink – Aufsichtsratsvorsitzender des Vermögensverwalters Blackrock und für viele der Inbegriff des Raubtier-Kapitalismus – konzentrierte sich in seinem jüngsten CEO-Brief auf die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.

Der Druck von außen mag zu diesem Sinneswandel beitragen. Skandale – wie etwa der Missbrauch von Facebook-Daten durch die Firma Cambridge Analytica – haben viel Vertrauen in die Digitalisierung und in Unternehmen verspielt, das wiedergewonnen werden muss.

Denn Kunden orientieren ihre Kaufentscheidungen immer mehr an dem gesellschaftlichen Beitrag und Zweck eines Unternehmens. Firmen gewinnen Talente und Fachkräfte jüngerer Generationen mit sinnstiftender Arbeit. Jüngere Arbeitnehmer glauben verstärkt, dass Unternehmen Gutes für die Gesellschaft tun sollten. Wer die Digitalisierung für den Erfolg seines Unternehmens nutzen will, muss sich folglich auch seiner digitalen Verantwortung stellen.

Digitale Verantwortung bedeutet, dass Unternehmen eine klare Haltung dazu entwickeln, wofür sie Digitalisierung einsetzen, wie sie digitale Produkte und Dienstleistungen entwickeln und wer davon profitieren wird. Fünf Punkte können Unternehmen eine Orientierung geben, wie sie ihre digitale Verantwortung praktisch angehen können.

1. Aufsichtsräte und der Gesellschafts-Test

Wirklich einflussreiche Maßnahmen starten an der Spitze von Unternehmen. Immer mehr Firmen besetzen deshalb ihre Aufsichtsräte mit Personen, die Expertise für gemeinwohlorientierte Digitalisierung mitbringen. Die Bank Comdirect oder die Künstliche-Intelligenz-Firma Deepmind gehören zum Beispiel dazu.

Solche Neubesetzungen können Unternehmensstrategien, Richtungsentscheidungen und Innovationen einem Gesellschafts-Test unterziehen: Mit neuem Wissen und einem weiteren Blick helfen diese Personen Unternehmen, die gesellschaftlichen Risiken und Chancen ihrer Arbeit früh zu durchdenken. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Skandale entstehen und Unternehmen erhalten zudem einen wichtigen Vorsprung vor Wettbewerbern.

2. Digitale Sozialunternehmen

Manche Unternehmen gehen sogar einen Schritt weiter und positionieren sich gezielt als Sozialunternehmen. Digitale Sozialunternehmen bieten genauso wie andere Firmen Produkte und Dienstleistungen an. Allerdings konzentrieren sich diese auf die Lösung wichtiger gesellschaftlicher Probleme.

Diese Unternehmen entwickeln etwa digitale Lösungen für den Pflegenotstand, die Klimakrise oder ungleiche Bildungschancen. In Großbritannien – wo man digitale Sozialunternehmen auch „Tech for Good“-Firmen nennt – beziffert Tech Nation, ein Thinktank für Wirtschaftsstudien mit Fokus auf Technologie, Digitalisierung und Unternehmertum, die Marktbewertung in diesem Jahr mit 2,3 Milliarden Pfund.

In digitaler Verantwortung steckt also auch großes wirtschaftliches Potenzial. In Deutschland fehlen leider die staatlichen und nichtstaatlichen Finanzierungsmöglichkeiten für solche digitale Sozialunternehmen. Die Non-Profit-Organisation Ashoka Deutschland und die Unternehmensberatung McKinsey schätzen in einer Untersuchung aus diesem Jahr, dass auch in deutschen Sozialunternehmern ein Milliardenpotenzial schlummert.

3. Der digitale Eid

Nicht nur die Firmenspitze, sondern auch die Mitarbeiter und Technologieentwickler haben großen Einfluss auf die Auswirkungen, die ihre Produkte im Alltag der Menschen entfalten können. Immer mehr Unternehmer, Programmierer und Technologieentwickler verschreiben sich deshalb einem digitalen Eid. Dieser umfasst bestimmte Kernprinzipien für die Entwicklung neuer Produkte.

In den USA schufen Digitalexperten einen „hippokratische Eid“ für Data Work. So wie Mediziner ihre Arbeiten am Eid und Ärztegelöbnis des Hippokrates orientieren, versprechen diese Technologieentwickler, in ihrer Arbeit zehn Prinzipien zu befolgen.

Dazu gehört beispielweise, die Transparenz im Programmiercode und die Datensouveränität der Benutzer zu bewahren, aber auch die Bestrebung, versteckte Vorurteile wie Seximus und Rassismus in Algorithmen zu beseitigen.

In Kopenhagen starteten Technologieexperten in diesem Sommer einen eigenen Eid, den sie Tech Pledge nannten, mit zwölf Kernprinzipien, denen sich seine Mitglieder verschreiben wollen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Digitalisierung als „Force for Good“, also als Instrument für das Gute und den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt einzusetzen.

4. Wettbewerbe

Immer mehr Unternehmen beginnen auch, gemeinwohlorientierte Digitalisierung außerhalb ihres Unternehmens zu finanzieren und zu fördern. Ein beliebter erster Schritt sind Innovations-Wettbewerbe. So unterstützen Firmen wie das Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell und die Bank Lloyds die Civic Tech Challenge.

Dieser Wettbewerb sucht digitale Lösungen für die Bewohner von London und deren wichtigste Alltagsprobleme, wie Stau oder Wohnungsnot. Booking.com, die Reiseplattform mit Hauptsitz in den Niederlanden, finanziert durch solche Wettbewerbe neue Lösungen für nachhaltige und grünere Reisemöglichkeiten. Und in Deutschland richtete Microsoft Anfang 2019 einen „AI for Good“-Wettbewerb aus, der KI-unterstützte Lösungen für besseren Klimaschutz oder Barrierefreiheit honorierte.

5. Finanzierung für soziale, digitale Innovation

Vereinzelte Wettbewerbe laufen aber Gefahr, keinen langfristigen Einfluss zu haben. Gemeinwohlorientierte Digitalisierung, von der viele in ihrem Alltag profitieren können, erhält auf traditionellen Finanzmärkten kaum Finanzierung. Deshalb schuf Pierre Omidyar, Gründer von Ebay, die Organisation Omydiar Network. Dieser mit 992 Millionen Dollar gefüllte Investitionsfonds unterstützt gezielt neue digitale Projekte und Unternehmen, die mit Digitalisierung etwas Gutes für die Gesellschaft tun oder Instrumente bauen, mit denen Technologie transparent und verantwortungsvoll entwickelt werden kann.

Diesem Vorbild werden auch europäische Unternehmen und erfolgreiche Gründer in den kommenden Jahren – hoffentlich – folgen und als Investoren für gemeinwohlorientierte Digitalisierung auftreten.

Digitale Verantwortung wird eines der wichtigsten Themen für Unternehmen in den kommenden Jahren werden. Von ihnen wird ein Beitrag dazu erwartet, Digitalisierung zu einem Instrument für das Gute zu machen. Das passiert nicht von alleine. Der wichtigste Erfolgsfaktor für gute digitale Verantwortungsübernahme ist nicht, darüber zu reden, sondern mit einer Maßnahme zu starten.

Mehr: In Finnland arbeitet eine Allianz daran, dass die Bevölkerung Künstliche Intelligenz (KI) versteht und mitgestaltet. Denn digitale Mündigkeit ist der Schlüssel für eine starke Wirtschaft, meint Valerie Mocker.

Valerie Mocker ist Vorkämpferin für eine Digitalisierung, von der alle profitieren. Die Oxford-Absolventin ist Direktorin bei Nesta, dem Fonds für soziale Innovationen.

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