Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Beim Netzwerken in den sozialen Medien gilt: persönlich, aber nicht privat

In den sozialen Medien wird das Private öffentlich. Beim Netzwerken sollten Informationen wie der aktuelle Beziehungsstatus jedoch keine Rolle spielen.
Kommentieren
Alles, was einmal in der Welt ist, fällt letzten Endes auf die eigene Person zurück. Quelle: dpa
Social Media im Blick

Alles, was einmal in der Welt ist, fällt letzten Endes auf die eigene Person zurück.

(Foto: dpa)

Manchmal möchte man lieber nicht so genau wissen, wo und bei welcher Gelegenheit ein Tweet oder ein Facebook-Post entstanden ist. Das Paradoxe an den sozialen Medien ist aber gerade, dass sich unsere Privatsphäre und der öffentliche Raum auf eine neue, ganz eigentümliche Art miteinander verbinden.

Das hat seinen Charme – aber auch Grenzen. Da in diesem Bereich die Grenzüberschreitung jedoch zur Tagesordnung gehört, halte ich es für wichtig, sich einmal mehr die grundlegende Frage zu stellen: Wie kommunizieren wir im Netz und speziell in den sozialen Medien? Und wie viel Privates darf überhaupt zum Teil unseres digitalen Selbst werden – und was nicht?

Social Media konfrontiert uns mit Fragen, die sich uns in dieser Form und Schärfe noch nie gestellt haben. Denn mit den verschwimmenden Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem werden auch andere Grenzen verwischt.

Wann hört das Berufliche auf und wann beginnt die Freizeit? Sollten wir abends auf dem Sofa etwas posten, das mit der Karriere zu tun hat? Was erzählt man Kollegen, mit denen man bei Facebook befreundet ist? Und was lieber nicht? Darf aus einem beruflichen Kontakt eine Freundschaft entstehen?

Beruf und Freundschaft schließen sich meiner Überzeugung nach nicht aus. Und auch wenn bei mir Twitter immer nur einen Handgriff entfernt ist, halte ich es für essenziell, dass es geschützte Räume geben muss, in die soziale Medien nicht hineinreichen. Ebenso muss es Aspekte unserer Persönlichkeit geben, die in der digitalen Welt nicht vorkommen dürfen, sondern reine Privatsache bleiben.

Warum es ohne Vertrauen und Offenheit nicht geht

All das wäre kein größeres Problem, wenn zum Netzwerken neben Vertrauen und Offenheit nicht auch das Persönliche dazugehören würde. Netzwerken basiert auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens, wobei das Geben im Vordergrund steht. Schließlich gibt es keine Garantie, dass jemand mich unterstützen wird, dem ich einmal helfe. Sich deshalb jedoch zu verschließen und alles und jedem mit Skepsis zu begegnen kann nicht die Alternative sein.

Denn am Ende des Tages geht es darum, Menschen zu fördern und zu unterstützen, hinter denen man wirklich steht. Auch im digitalen Zeitalter spielt die Chemie zwischen Menschen eine wichtige Rolle. Heute ist es darum selbstverständlich, dass die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem, die früher sehr viel eindeutiger waren, fließend sein können.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Netzwerken nur dann nachhaltig und erfolgreich betrieben werden kann, wenn das Persönliche und die Persönlichkeit eine zentrale Bedeutung bekommen. Wer die sozialen Medien für die eigene Karriere nutzen will, muss sich mit seinen Themen positionieren und damit sichtbar werden. Das heißt auch, sich angreifbar zu machen – und zwar gerade in einer Situation, in der man sich der Welt geöffnet hat.

Das führt immer wieder dazu, dass viele Menschen versuchen, den ganzen Bereich Social Media zu versachlichen. Wer nur Unpersönliches, Unverfängliches schreibt, ist nicht angreifbar – aber auch uninteressant und ununterscheidbar. Starke Meinungen und ein markantes persönliches Profil sind jedoch wichtig, um wahrgenommen zu werden. Das heißt aber nicht, dass man Fotos aus Kindertagen posten oder seinen Beziehungsstatus ständig aktuell halten muss.

Persönlich, direkt und echt – ja, privat – nein

Das Private muss ein geschützter Raum bleiben. Jede und jeder muss hier seine eigenen Grenzen definieren – zwischen Beruf und Freizeit sowie zwischen Öffentlichem und Privatem. Niemand sollte sich in den sozialen Netzwerken und beruflichen Plattformen offenbaren und sein Innerstes preisgeben. Eine mögliche Lösung, die sich in diesem Zusammenhang auch anbietet, besteht darin, unterschiedlichen Netzwerken eine jeweils eigene Funktion zu geben: Facebook fürs Private und LinkedIn oder Twitter fürs berufliche Netzwerken.

Bei all dem gilt jedoch, sich darüber bewusst zu sein, dass die digitalen Spuren, die wir hinterlassen, dauerhaft sind. Denn alles, was einmal in der Welt ist, wird seine Wirkung entfalten und fällt letzten Endes auf die eigene Person zurück. Das heißt, dass das, was ich über mich erzähle und in den sozialen Medien einbringe, auch wirklich persönlich sein muss. Die Grenze zum Privaten muss deshalb jedoch noch lange nicht nicht überschritten werden.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Beim Netzwerken in den sozialen Medien gilt: persönlich, aber nicht privat

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Beim Netzwerken in den sozialen Medien gilt: persönlich, aber nicht privat"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.