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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Die Europawahl hat die Macht der digitalen Kanäle eindrucksvoll demonstriert

Die EU-Wahl 2019 war eine digitale Wahl. Die Macht des Digitalen darf von der Politik nicht länger vergessen oder verdrängt werden.
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Für die Parteien geht es darum, eine ganze Generation von jungen Menschen abzuholen. Quelle: dpa
Demonstration vor der Europawahl

Für die Parteien geht es darum, eine ganze Generation von jungen Menschen abzuholen.

(Foto: dpa)

Die Europawahl ist vorbei. Das bedeutet, dass die Stunde der Kaffeesatzleser angebrochen ist. Dabei fällt in diesem Jahr auf, dass die ansonsten üblichen Sätze, in denen sich die Vertreter aller Parteien ihren eigenen Wahlgewinn interpretieren, seltener fallen als sonst.

Es gibt vielmehr ein ernsthaftes Interesse daran, die entscheidenden Fragen zu klären: Wer hat warum gewonnen oder verloren? Was hat im Wahlkampf funktioniert und was nicht? Und was kann man in Zukunft besser machen?

Dabei fällt mir auf, dass insbesondere ein Thema zu kurz kommt. Denn neben den Themen, die nun diskutiert werden, muss es nun verstärkt um die Frage des „Wie“ gehen – oder anders gesagt, um die Macht der digitalen Kanäle.

Im Vergleich zu Wahlen in den vergangenen Jahren wurde bei dieser Wahl eine Sache besonders deutlich: Die EU-Wahl 2019 war eine digitale Wahl. Wie sehr die digitalen Kanäle bei der Europawahl eine Rolle gespielt haben, zeigt sich allen voran an der hohen Wahlbeteiligung. Social Media waren für viele Menschen der Ort, um ein Zeichen zu setzen.

Viele, die bei der Wahl waren, posteten danach ein Bild von sich, um andere zu motivieren, ebenfalls wählen zu gehen. Zahlreiche Hashtags zur Wahl waren im Vorfeld in den unterschiedlichen Netzwerken im Umlauf. Auch T-Shirts mit Statements wie „Make Europe Great Again“ tauchten häufig auf Bildern auf, die über Facebook, Instagram oder Twitter geteilt wurden. Nicht zuletzt ist die Wahl auch in den Insta-Stories angekommen.

Digital und analog müssen zusammen gedacht werden

Nicht nur die Wahlbeteiligung zeigt, dass Politikverdrossenheit getrost aus dem gängigen Vokabular zur Charakterisierung der jüngeren Generation gestrichen werden kann. Allen voran sind hier sicher die Fridays for Future zu nennen, bei denen die Organisatoren die digitalen Plattformen nutzen, um politische Bewegungen ins Leben zu rufen und Aktionen zu planen und durchzuführen.

Aber auch andere Aktivisten setzten im Rahmen dieser Wahl verstärkt auf die digitalen Kanäle, um ihre Meinungen oder ihrem Protest Gehör zu verschaffen.

Entwicklungen wie diese schlagen sich eindeutig im Wahlergebnis nieder: Der Vergleich des Wahlverhaltens unterschiedlicher Altersgruppen könnte unterschiedlicher kaum sein. Insofern geht es bei der Diskussion um die digitalen Kanäle auch um weit mehr als nur um einen Kommunikationskanal, der von der Politik verstärkt genutzt werden sollte.

Es geht um das politische Überleben von etablierten Parteien. Es geht darum, Zukunftsthemen vermitteln und im Wahlkampf setzen zu können und darum, eine ganze Generation von jungen Menschen abzuholen.

Dass dies leichter gesagt als getan ist, beweist nicht zuletzt die Debatte um das Rezo-Video. Ganz gleich, wie man zum Inhalt des Videos auch stehen mag – Rezo hat damit zwei Dinge unter Beweis gestellt. Zum einen, wie hoch die Reichweite ist, die in den digitalen Kanälen erzielt werden kann. Zum anderen beweist Rezo, dass die junge Generation intensiv mit politischen Themen auseinandersetzt.

Dass sich Menschen wie Rezo der Macht der digitalen Kanäle durchaus bewusst sind, zeigt der Aufruf und die gemeinsame Aktion von ihm und seinen Youtube-Kollegen, die direkt vor der Wahl sehr viele junge Menschen erreichen und mobilisieren konnten.

Die digitalen Kanäle dürfen nicht unterschätzt werden

Die Macht des Digitalen darf von der Politik nicht länger vergessen oder verdrängt werden. Hier herrscht großer Nachholbedarf, wenn es darum geht, Zukunftsthemen zu setzen, die jüngeren Generationen abzuholen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Denn eins zeichnet gerade die Generationen X, Y und Z aus: Sie suchen sich sehr genau aus, wohin sie gehen, sei es im Beruflichen oder im Bereich Politik.

Basisarbeit muss darum ab sofort auch die digitalen Kanäle mit einbeziehen und diese sinnvoll mit analogen Formaten verbinden. Denn auch das stellen die Digital Natives immer wieder unter Beweis: Ja, die digitalen Medien sind für sie eine Selbstverständlichkeit, aber sie stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Wirklichkeit. Und wenn es darauf ankommt, wissen sie die Macht des Digitalen für sich zu nutzen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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