Expertenrat – Tijen Onaran Die Generation Y hat alle Chancen und entscheidet sich nicht – eine Problemgeschichte

Trotz der verfügbaren Optionen und der wirtschaftlichen Gesamtlage tut sich die Generation Y mit der beruflichen Karriere schwer. Warum ist das so?
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Viele innerhalb der Gruppe von Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, lassen zur Verfügung stehende Optionen ungenutzt. Quelle: dpa
Generation Y

Viele innerhalb der Gruppe von Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, lassen zur Verfügung stehende Optionen ungenutzt.

(Foto: dpa)

Es ist schon eine paradoxe Situation: Die Generation Y ist eine Generation, die alle Chancen dieser Welt hat. Gleichzeitig scheint sie aber wie kaum eine Generation zuvor, entscheidungsunfreudig zu sein. Wie ihr Name (Y gesprochen wie „why“) schon impliziert, steht die Frage nach dem Warum über allem.

Warum sollte man überhaupt Karriere machen? Warum sollte die Karriere wichtiger als das private Leben sein? Warum sollte ich für ein Unternehmen aus einer bestimmten Branche arbeiten? Bekanntlich lässt sich auf diese Weise so ziemlich alles infrage stellen. Das Problem dabei ist: Wenn es um die berufliche Karriere geht, ist es oft wichtig, den entscheidenden Moment zu erkennen und auch zu nutzen.

Was will die Generation Y?

Welchen Stellenwert hat die Karriere überhaupt für die Generation Y? Wenn man auf die Studien zu dieser Fragestellung blickt, findet man immer wieder die Betonung der Werteorientierung.

Schon in den ersten beiden Erkenntnissen der „Absolventenstudie 2017“ von Kienbaum fällt die Karriere bei der Bewertung zurück. „Familie, Beziehung und Freunde“ sind neben der „Balance zwischen Beruf und Freizeit“ wichtig, und im Beruf zählen Werte wie „Kollegialität“ mehr als „Karriere, Weiterbildung und Gehalt“. Vertretern der älteren Generationen sind Einsichten wie diese nur sehr schwer zu vermitteln.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die neue Studentenstudie von EY, die zeigt, dass Branchen wie die Automobilindustrie, die noch vor wenigen Jahren als attraktiv galten, inzwischen im unteren Mittelfeld liegen.

Der öffentliche Dienst, der vor allem einen sicheren Arbeitsplatz, gutes Gehalt und Kollegialität bietet, ist der klare Gewinner. Sicherheit im Job bedeutet aber auch: sich keinen Fragen nach Wechsel, Neuorientierung oder Karriere zu stellen, nicht den Mut zu haben, etwas Neues zu probieren und auch mal etwas zu riskieren.

Karriere bedeutet Arbeit

Zu einem Problem kann diese Grundeinstellung werden, wenn bestimmte Werte gegeneinander ausgespielt werden. Denn einerseits ist Freiheit ein wichtiger Wert, aber die Verantwortung soll doch am liebsten jemand anderes übernehmen.

Sabbaticals sind erwünscht, aber den Job soll deswegen niemand wegnehmen. Mitbestimmung ist willkommen, aber am Ende soll doch der Chef oder die Chefin die Entscheidung treffen.

Die Frage für mich ist: Wenn alle bei der Work-Life-Balance tendenziell auf Life setzen, wer gestaltet dann in unseren Unternehmen die Zukunft? Denn egal welche Work-Life-Balance du lebst, Work ist nun mal Work, und Karriere bedeutet nicht Sabbatical. Karriere bedeutet Arbeit.

„Die“ Generation Y gibt es nicht

Eine der wichtigsten und hoffnungsvollsten Erkenntnisse, die sich aus Studien zur Generation Y jedoch ableiten lässt ist, dass es „die“ Generation Y nicht gibt. Denn auch innerhalb der Gruppe von Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden, gibt es sie – die Menschen, die Karriere machen wollen.

Laut Kienbaum-Studie beschreiben sich 29 Prozent der Befragten als „karriereorientiert“ und 33 Prozent als „ambitioniert“. Diese Einschätzungen sind neu und keineswegs Konstanten. Vielmehr haben sich diese Werte zum Positiven verändert.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Vielleicht sind diese Veränderungen ein Indiz dafür, dass die Generation Y langsam zu sich findet. Nachdem sie die alte Form, Karriere zu machen, infrage gestellt hat, fängt sie langsam an, auf ihre eigene Art und Weise Netzwerke auszubilden und Karriere zu machen.

Was bedeutet das für Unternehmen? Ich denke, dass es heute wichtig ist, sich nicht von festgefahrenen Stereotypen über die Generation Y lenken zu lassen, und diejenigen zu fördern, die die Bereitschaft zeigen, Karriere zu machen. Selbst wenn immer noch viele innerhalb der Generation Y die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Optionen ungenutzt lassen, gibt es sie – die andere Generation Y, die die Optionen als Chance begreift und auch den Mut hat, diese zu ergreifen.

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