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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Im Kampf um die Talente der Zukunft müssen Arbeitgeber auf Diversität setzen

Für viele Arbeitnehmer ist Diversität laut einer Studie das wichtigste Kriterium bei der Arbeitgeber-Wahl. Unternehmen dürfen das Thema deshalb nicht ignorieren.
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Diversität ist in deutschen Chefetagen Mangelware. Quelle: Robert Hanson
Verschiedene Herkünfte

Diversität ist in deutschen Chefetagen Mangelware.

(Foto: Robert Hanson)

Die aktuelle Studie „Power Moves“ der Schweizer Unternehmensberatung Egon Zehnder hat zahlreiche interessante Ergebnisse zutage gefördert. Die für mich zentrale, wenngleich auch wenig überraschende Aussage: Für die zwischen 1965 und den späten 1990er-Jahren Geborenen, also für die Generation X und die Millennials, ist Diversität das wichtigste Kriterium bei der Wahl ihres Arbeitgebers.

Die global durchgeführte Studie weist dabei insbesondere in Deutschland bei diesem Thema einen großen Nachholbedarf aus. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen hat sich demnach der Diversität angenommen. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, sondern letzten Endes um sehr viel mehr.

Bevor das Thema Diversität jedoch konkret angegangen werden kann, muss zunächst geklärt werden, was genau darunter zu verstehen ist. Anders gesagt: Die Diversität muss in ihrer ganzen Vielfalt anerkannt werden.

Einer der ersten Gedanken bei der Rede über Diversität ist sicher der an die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern. Dieses Verständnis greift jedoch zu kurz. Auch wenn ich persönlich dieses Thema für absolut bedeutend halte, möchte ich betonen, dass Diversität sehr viel mehr Dimensionen hat, die mindestens genauso wichtig sind.

Diversität umfasst mindestens folgende sechs Aspekte: und zwar die ethnische Herkunft und Nationalität, Behinderung, Religion und Weltanschauung, Alter, sexuelle Orientierung sowie Geschlecht und geschlechtliche Identität. Diese Dimensionen lassen sich noch konkreter definieren, beispielsweise durch soziale Herkunft, Bildungsstand oder Familienstand. Je differenzierter Unternehmen beim Thema Diversität vorgehen, desto mehr Aspekte der Persönlichkeit der einzelnen Mitarbeiter können bei der Gestaltung der Unternehmenskultur berücksichtigt werden.

Diversität ist der ausschlaggebende Faktor, um die Talente von heute und von morgen zu erreichen. Auch aus meiner praktischen Beobachtung heraus kann ich immer wieder feststellen, dass es längst nicht mehr nur Frauen darum geht, auf Vielfalt und Chancengleichheit zu achten. Längst legen weibliche und männliche Talente gleichermaßen Wert auf Diversität.

Auch die erwähnte Zehnder-Studie zeigt das sehr deutlich: Die Differenzen zwischen den Geschlechtern spielt eine immer geringere Rolle. Unterschiedliche und konträre Auffassungen und Überzeugungen gibt es vor allem zwischen den Generationen.

Umso wichtiger ist es für Arbeitgeber, beim Thema Diversität auch andere Aspekte von Diversität im Blick zu haben und beispielsweise generationsübergreifende Konzepte zu fördern. Mentoring-Programme, in denen zwei unterschiedliche Generationen voneinander lernen, können Abstände verringern und gegenseitiges Verständnis fördern.

Wie können Arbeitgeber Diversität fördern?

Solche Programme sind nur ein möglicher Ansatzpunkt, um Diversität zu fördern. Wichtig ist generell der Blick über den eigenen Tellerrand. Arbeitgeber, die Diversität ernst nehmen, müssen Rahmenbedingungen schaffen, die Perspektivwechsel erlauben. In meinem Unternehmen Global Digital Women erproben wir aktuell das Format „Job Swap“. Dabei tauschen zwei Personen für drei Tage lang miteinander den Job, um so auch mal die Erfahrungen anderer zu sammeln.

Was zunächst auf den ersten Blick ganz spannend klingt, kann durchaus herausfordernd sein. Am Ende des Tages ist man garantiert reich an neuen Erfahrungswerten, aber zunächst bedeutet das, seine eigene Komfortzone zu verlassen. Dazu gehören Mut und sehr viel Unsicherheit. Vor allem für Arbeitgeber sind das genau die Aspekte, die in ihrem Alltag eigentlich keinen Raum haben dürfen.

Besonders in Deutschland gilt Unsicherheit als unannehmbar. Kein Wunder also, dass Deutschland beim Thema Diversität im internationalen Vergleich weit abgeschlagen ist. Ein Stück weit ist die Zurückhaltung vieler Menschen gegenüber dem vermeintlich Unbekannten auch verständlich. Stereotype, Vorurteile und Angst sind die größten Hürden, wenn es um Diversität geht. Es gilt, diese abzubauen.

Diversität muss auch in die Aufsichtsräte

Eine wesentliche Veränderung in diesem Bereich ist auch davon abhängig, wie sehr Aufsichtsräte das Thema Diversität ernstnehmen. Zwar ist der Aufsichtsrat „nur“ ein Kontrollgremium, das nicht unbedingt mitentscheidet, wenn es um Human Resources und Personalpolitik geht. Was ein Aufsichtsrat aber durchaus kontrollieren kann, ist die Unternehmenskultur als Ganzes und ob Themen wie Diversität auch wirklich gelebt werden.

Aufsichtsräte können aber noch mehr tun: Sie können Diversität vorleben. Das heißt, dass Gremien wie diese selbst diverser werden müssen. Nur so können Firmen Mitarbeitern und potenziellen Angestellten glaubwürdig vermitteln, dass sie die gesamte Unternehmenskultur diverser machen wollen.

Dabei möchte ich an dieser Stelle nicht unterschlagen, dass Diversität gerade am Anfang auch viel Kraft und Energie kostet. Denn die eigenen Meinungen und Positionen immer wieder hinterfragen zu müssen, kann anstrengend sein und Überwindung kosten.

Doch diese Anstrengung lohnt sich letzten Endes und wird sich in Zukunft auszahlen. Der Zusammenhang zwischen Diversität und Innovationskraft von Unternehmen ist sowohl wissenschaftlich beschrieben als auch durch Studien belegt. Aus diesem Grund sollte das Thema Diversität auch besser im Bereich Innovation angesiedelt sein als in den HR-Abteilungen.

Allein um als Arbeitgeber für junge Talente in Frage zu kommen, sollten sich Unternehmen in Deutschland endlich dem Thema Diversität verstärkt annehmen. Der Erhalt und Ausbau der eigenen Innovationskraft, Kreativität und des wirtschaftlichen Erfolgs durch die Förderung von Diversität sollte im Grunde Motivation genug sein.

Neben dem Mut, sich auf sein Gegenüber und die damit verbundene Unsicherheit einzulassen, brauchen die Arbeitgeber der Zukunft allen voran ein hohes Maß an Akzeptanz und Toleranz. Ohne diese beiden zentralen Werte ist Diversität in der Unternehmenskultur nicht zu haben.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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