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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran In Deutschland herrscht ein extrem verzerrtes Bild vom Unternehmertum

Viele Menschen sind der Meinung, dass Unternehmer ihr Geld vom Fließband erhalten und den ganzen Tag faulenzen. Diese Ansicht schadet uns allen.
11 Kommentare
Von Unternehmern herrscht in Deutschland ein verzerrtes Bild, meint Tijen Onaran. Quelle: gms
Mann und Frau am Strand

Von Unternehmern herrscht in Deutschland ein verzerrtes Bild, meint Tijen Onaran.

(Foto: gms)

Mir könnte es doch tatsächlich kaum besser gehen: Als Hauptgang gab es ein Steak vom japanischen Kobe-Rind. Und während ich die Zeilen dieser Kolumne verfasse, gönne ich mir als Nachspeise ein mit feinstem Blattgold verziertes Stück Schokokuchen. Sobald ich die harte Arbeit des Schreibens hinter mich gebracht haben werde, werde ich mich in meinem privaten Pool erholen und mir zur Entspannung ein paar Cocktails gönnen. So, und nicht anders, muss das Leben als erfolgreiche Unternehmerin schließlich in Deutschland aussehen – und diesem Bild möchte ich auch so gut wie möglich entsprechen.

Denn wenn sich Menschen in Deutschland eine Vorstellung davon machen, wie das Leben von Unternehmern aussieht, muss es wohl pompös zugehen. Die SPD wirbt sogar seit Kurzem für den Erhalt des Solis bei Spitzenverdienern und hat dazu eine Kampagne gestartet.

Was mich daran stört, ist nicht der Inhalt der Forderung, sondern die Darstellung des Spitzenverdieners. Zur Erinnerung: Der Spitzenverdiener ist natürlich männlich. Er „verdient“ sein Geld nicht, er erhält es quasi automatisch vom Fließband. Ihm bleibt daher nichts mehr zu tun, als auf einer Sonnenliege zu entspannen und gemütlich einen Cocktail zu schlürfen.

Weder habe ich etwas gegen Cocktails noch etwas dagegen, mich in einer Sonnenliege zu entspannen. Die zu Recht umstrittene Darstellung der SPD halte ich für ein Symptom. Denn was dadurch zum Vorschein kommt, ist, dass ein verzerrtes Bild von erfolgreichen Unternehmern vorherrscht, wenn es um deren Lebenswirklichkeit geht.

Dieses Zerrbild wird ironischerweise genährt von Geschichten von Menschen, die ihr Unternehmen erfolgreich verkaufen oder denen es gelingt, ihr Geschäftsmodell erfolgreich zu skalieren. Oft heißt es, dass sie dadurch endlich ihr wahres Gesicht zeigen und fortan einen faulen Lenz haben würden. Die harte Arbeit, die dazu geführt hat, wird aber vollständig ausgeblendet. Woran liegt es, dass die Wahrnehmung nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, wenn es um Leistungsträger geht?

Schon wieder eine Neid-Debatte?

Ich muss immer wieder feststellen, dass Debatten rund um Erfolg und Unternehmertum Missgunst und Neid hervorrufen. Das erlebe ich häufig, wenn es um das Wachstum von jungen Unternehmen und Start-ups geht. Anstatt sich über Erfolge zu freuen, stellt sich in Diskussionen sofort die Frage: Haben die Betroffenen den Erfolg wirklich verdient? Die Vermutung, dass Gründern das Unternehmer-Gen in die Wiege gelegt wurde, ist stets naheliegender als die Vermutung, dass hier jemand sehr viel geleistet hat.

Ich selbst komme beispielsweise nicht aus einem Unternehmerhaushalt und für mich ist das Unternehmertum eine unglaublich tolle berufliche Chance, für die ich sehr dankbar bin – für die ich aber auch bereit bin, sehr viel zu leisten. Allerdings bezweifle ich, dass ich mich für diesen Weg entschieden hätte, wenn ich nur mit Bildern konfrontiert worden wäre, die Unternehmer als Menschen zeichnen, die ihren Erfolg im Grunde nicht verdient haben.

Die Wahrheit ist: Verzerrte und negative Darstellungen vom Unternehmertum schaden uns allen. Was wir stattdessen brauchen, ist ein realistisches Bild davon, was es bedeutet, ein Unternehmen zu gründen, zu führen und weiterzuentwickeln.

Dazu gehören sehr viel Fleiß, schlaflose Nächte und die Bereitschaft, viel unterwegs zu sein. Und selbst wenn jemand dann mal im Liegestuhl liegt und sich entspannt? Na, und? Was spricht denn dagegen, es toll zu finden, was diese Menschen geleistet haben und dass sie ihre Erfolge auch zu Recht genießen?

Zu einem realistischen Bild vom Unternehmertum gehört meiner Meinung nach auch eine differenziertere Betrachtung: Baut jemand ein Unternehmen nur aus eigenen Mitteln auf, oder gibt es Investoren im Hintergrund? Die Frage stelle ich gar nicht, weil das eine besser ist als das andere.

Ich stelle die Frage deshalb, weil ein genaueres Wissen über die Gründe und Ursachen von Entwicklungen und Ereignissen im unternehmerischen Alltag das Verständnis erleichtern. Vielleicht fördert ein differenziertes und positives Bild vom Unternehmertum am Ende dann sogar das Interesse von Menschen, selbst ihre Geschäftsideen zu verwirklichen.

Mehr: Tijen Onaran ist überzeugt: Jeder hat einen Markenkern. Die Frage ist, was wir daraus machen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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11 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : In Deutschland herrscht ein extrem verzerrtes Bild vom Unternehmertum"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese Rentiers, also Vermögensbesitzer, die von den Zinsen ihres Vermögens ein schönes Leben in Müßiggang und Luxus führen, gibt es tatsächlich. Thorsten Veblen hat darüber ein Buch geschrieben: The Theory of tle Leisure Class, und darin die Theorie des statusorientierten Konsums entwickelt. Auf diese Gruppe von Rentiers wird mit diesem Bild der SPD hingewiesen. Mehr nicht. Die geradezu aufgeregte Reaktion zeigt doch nur, dass sich hier einige getroffen fühlen und die unternehmensnahe Presse sich verpflichtet fühlt, eine hart arbeitende Klasse insgesamt zu verteidigen. Was die Leistungsträger betrifft, so bin ich 1992 in Aufsichtsräte gekommen, als die Vorstande von Kapitalgesellschaften noch einige Hunderttausende DM pro Jahr bekommen hatte. Als ich die Aufsichtsräte 2010 verlassen hatte, waren es einige Mi.€ pro Jahr. Die Leistungen waren 1992 und 2010 auf dem gleichen Niveau. Was seit 1992 an Einkommensexplosion stattgefunden hat, kann mit Leistung nicht erklärt werden.

  • Wie kann man so unverschämt sein und solche Behauptungen aufstellen?

    Von einer Abbildung der SPD auf ganz Deutschland zu schließen ist ja schonmal waghalsig, dass Menschen nicht gerne als Unternehmer relaxen würden weil das Geld von alleine kommt ist auch weit hergeholt.

    Hätten alle Menschen diese Bild im Kopf würden sie in Scharen zum Finanzamt rennen und ihre Firma eintragen lassen. Tatsächlich passiert das aber nicht... mhhh... komisch.

    Keiner will Unternehmer werden weil es sich nicht lohnt, weil der Fiskus die Arbeit erheblich erschwert und der Markt absolut gar nix hergibt.

    Sattdessen bekommt eine junge Frau auch noch eine Plattform um ihre geistigen Ergüsse der Welt zu offenbaren, um, natürlich ganz nebensächlich, auf das eigene Profil hinzuweisen und im nächsten Artikel zu erklären wie man sich selbstvermaktet. Ihr Motto: Es geht nicht um selbstinszenierung, es geht um Inhalte!

    Dass ich nicht lache! Wo ist ihr Inhalt auf der Strecke geblieben? Vermutlich alles in ihrem Buch über Networking nachzulesen. Wie kann man nur so schamlos sein?

    Solche Umstände werden eiskalt ignoriert und man eröffnet wieder die Neiddebatte in allen Medien, um vom wahren Problem abzulenken. Leistung lohnt sich nicht, Blender wie sie bekommen viel zu viel Kohle.

    So einfach ist es zu erklären, mehr braucht man nicht dazu sagen.

    Sie könnten Größe beweisen und dazu stehen, tun sie und Ihre Sippe aber nicht, weil dann alles zusammenfällt.

    Ich habe einfach keine Lust mehr, dieser ewige What-Aboutism und künstliche Echauffieren über Kleinigkeiten (SPD Bilder). Es dreht sich alles im Kreis und man kommt nicht weiter.

    Was ist aus dem guten alten Kompromiss geworden? Beide Seiten gestehen sich Fehler ein und man trifft sich in der Mitte, so wurde früher Politik gemacht. Heute polarisiert man einfach bis keiner mehr Bock hat und gewinnt die Debatte. Das ist wie ein Schachspiel gegen eine Taube, egal wie gut man spielt, die Taube kackt das Brett voll und wirft die Figuren um.

  • Seit über 20 Jahren habe ich nunmehr drei Unternehmen mit rund 15 Mitarbeitern.
    Die Sichtweise auf den Unternehmer hat sich seitdem drastisch zum negativen gewandelt:
    -Früher war er als Arbeitgeber angesehen und hofiert (z.B. Arbeitsagentur), heute wird er abfallend gesehen und beschimpft (ausser es handelt sich um Jobsangebote bei denen sehr starkes Vermittlungsinteresse besteht)
    -Der Unternehmer wird von allen als Melkkuh betrachtet und ausgenommen, da er es ja hat. Dass die Angestellten, Vermieter, Finanzamt und viele mehr das Geld einfordern, ungeachtet wie die Geschäfte laufen, wird da gerne ausgeblendet. Wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken, muss die Privatschatulle herhalten.
    -Trotz verschiedener Rechtsformen ist der Unternehmer bei bestimmten Aspekten dennoch unbegrenzt haftbar. Das nicht versicherbare Risiko ist der Unternehmerlohn.
    -Die Geschäfte laufen vieler orts nicht mehr sehr gut. Preise, die für ein wirtschaftliches Arbeiten nötig wären, können unterdies nicht mehr erziehlt werden. Überdies sind bei vielen Berufen, die Gehälter viel höher derzeit, als eigentlich gerechtfertig wäre, wegen des Fachkräftemangels. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass die meisten selbstständigen keinen oder kaum Urlaub machen, Relativiert sich der angebliche Reibach weiter. Das Haus als Altersvorsorge wird als Luxuxgut mit großem Neid von der Umwelt wahrgenommen. Bei anderen ist es blos eine schiere Zahl auf dem Rentenbescheid.
    -Nicht der Unternehmer setzt die Angestellten unter Druck, sondern umgekehrt. Vollbeschäftigung.
    -Der Unternehmer wird kriminalisiert

    Hier im Großraum München schließen viele, teilweise traditionelle Unternehmen, nicht weil es an Kunden mangelt, sondern weil die Rahmenbedingungen derart unattraktiv geworden sind, dass man nicht mehr weiter machen möchte.

  • Zunächst habe ich mich gefragt: Wer ist das? Muss ich die kennen? Nach lesen des Artikels muss ich sagen: Nein! Wieder so eine gehypte Jung-Unternehmerin. Welche Lebenserfahrung haben Sie mit .. keine Ahnung noch nicht einmal 25 Jahren? Dass Irgendjemand in Deutschland Jemandem das Unternehmertun leidet ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Wenn´s nur um neue Leser für das Handelsblatt grhz: Der Schuss ging nach hinten los. Schönen Tach noch.

  • Wer mehr Geld zur Verfügung hat, hat auch mehr Geld dass er/sie nicht zum überleben braucht. Mehr Kraft, mehr Verantwortung. So muss das laufen. Ich sehe es genau so wie Herr Kühn; seit 20 Jahren Unternehmerin; und ja, ich erschaffe Arbeitsplätze, aber ohne die Arbeit, die mir die Kollegen Arbeitnehmer zur Verfügung stellen, würde ich gar nichtsumsetzen können. Und, ich profitiere von den gemeinsamen Errungenschaften unserer Gesellschaft, um meine Unternehmertum umzusetzen. Es ist nur gerecht anhand meiner Möglichkeiten mich finanziell einzubringen. Neid istBestandteil der menschlichen Natur, beschränkt sich nicht auf dieses Thema.

  • Warum sollte in Deutschland ein verzerrtes Bild vom Unternehmertum vorhanden sein? Natürlich gibt es eine Menge (Vor-)Urteile, hauptsächlich auf der persönlichen Ebene, die letztendlich auch über die Medien angeheizt werden, aber jeder, der einen Unternehmer kennt, oder selbst einer ist, weiß was davon bei genauer Betrachtung übrig bleibt. Wir reden wohlgemerkt von Unternehmern und nicht von allen Wohlhabenden, die ja nicht unbedingt für ihr Vermögen hart gearbeitet haben.

    In der politischen Debatte war davon auch an keiner Stelle die Rede. Da war die Rede von Verantwortung und Solidarität. Was die meisten sich allerdings wünschen würden, wäre eine differenziertere Betrachtungsweise und Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit. Irgendwie haben Politiker da eine etwas kurze Gedächtnisspanne.

    Für den nächsten Beitrag von Frau Onaran würde ich mir eine präzisere Analyse und einige Lösungsvorschläge wünschen. Sonst macht das Umdenken in Richtung Handelsblatt auch für 1€ keinen Sinn.

  • Zu dem Kommentar der jungen Unternehmerin muss ich sagen, etwas an den Haaren herbeigezogen.Niemand ist neidisch auf erarbeitete Erfolge von Unternehmern. Wenn allerdings ein Firmengründer nach 1 Jahr eine pompöse Villa bauen kann? Da kommt eben-NEID-auf, weil der Erfolg sicher auf Kosten seiner Belegschaft geht. Um es mal an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen: US Prädident Trump hat für mich so gut wie keine Intelligenz, aber besitzt Milliarden und -DIE-hat er doch sicherlich nicht mit harter Arbeit (auch nicht in Anfangszeiten) selbst erarbeitet?..das ist einfach meine Sicht eines deutschen-Normalbürgers..ich neide niemandem seinen Erfolg..aber bitte nicht auf Kosten anderer, das sieht die Autorin des Artikels wohl anders...

  • Ein ganz hervorragender Artikel, der auch genau meiner Beobachtung entspricht.

    Man könnte den Bogen jetzt noch weiter spannen und die ganzen "Anti-Reichtums-Programme" mit einfließen lassen,

    Unternehmer leisten oft wesentlich mehr, tragen höhere Risiken und haben oft die Verantwortung für mehrere Arbeitsplätze. Was ist daran sozial ungerecht, wenn jemand der mehr leistet und für andere Arbeitsplätze schafft, auch am Monatsende mehr Verdienst nach Hause bringt? Warum muß jemand, der mehr leistet, noch mehr abgeben, als ohnehin schon?

    Ich kenne beide Seiten, Unternehmer und Arbeitnehmer. Im Moment bin ich letzteres. Ich war eben nicht mehr bereit, oben genannte Ansprüche zu erfüllen - zeige aber auch jetzt nicht mit dem Finger auf andere.

    @ Herr Kühn: Wie kann jemand, der selber das Thema auswählt und dazu schreibt, sein eigenes Thema verfehlen? Die Logik erschließt sich mir nicht...

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    sehr geehrte Frau Onaran,
    Sie werden eine Neiddebatte nie ganz vermeiden können. Und Herr Kühn hat genau das kommentiert, was ich auch unterstreiche. Was mich aber stört, ist die bereits in der Überschrift getroffene Feststellung, das gelte für Deutschland. Sicher, die SPD ist eine deutsche Partei. Aber das Problem ist nach meiner Feststellung international.. Als in Görlitz an der polnischen Grenze Wohnender weiß ich, wovon ich rede. In Polen wird genau das Gleiche diskutiert. Von Freunden in den USA und Großbritannien höre ich das ebenso. Es ist einfach menschlich, und wir sollten keine unnötigen Gedanken daran verschwenden, meint mit einem freundlichen Gruß
    Friedrich Rothe

  • Geht es nicht ganz simpel darum, dass das der Trend des stärker werdenden Arm-Reich-Gefälles aufgehalten werden soll.
    Es ist ja schön, wenn einige "es geschafft" haben. Das Ausmaß ist doch was irritiert. Dann von "Neid von" statt "Solidarität mit" den Mitbürgern zu sprechen; das wirkt frech.

    Sie müssen sich ja klar machen, dass nicht jeder Unternehmer sein kann. Wir brauchen Sozialarbeiter, Erzieher, Bäcker, Physiotherapeuten, Arzthelfer, Krankenschwestern etc.
    Die können gar nicht alle Unternehmer sein. Ihr Leben finanzieren müssen Sie trotzdem.

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