Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Jeder hat einen Markenkern – Die Frage ist, was wir daraus machen

Jeder von uns hat eine Personal Brand. Bei deren Gestaltung sollte es aber nicht um die permanente Selbstinszenierung gehen, sondern um Inhalte.
Kommentieren
Tijen Onaran

Das erste Mal in meinem Leben ist mir das Thema Personal Branding begegnet, als ich vor einigen Jahren für den Landtag von Baden-Württemberg kandidierte. Über meine politische Agenda hatte ich mir zuvor wenig Gedanken gemacht. Ich wusste nur: Ich will die Welt verändern.

Zum Glück konnte ich mich auf erfahrene Wahlkampfstrategen verlassen, die mich mit Wahlkampfthemen ausstatteten, die ihrer Ansicht nach zu mir „passten“: Familie und Migration. Damit waren nicht nur meine Themen gesetzt, sondern es wurden auch jegliche Vorurteile bedient.

Ich bin zwar eine Frau, aber warum sollte automatisch Familie mein Fachgebiet sein? Schließlich habe ich nicht einmal Kinder. Und obwohl ich türkische Wurzeln habe, bin und fühle ich mich als Deutsche. Ich bin hier geboren, aufgewachsen, und in meiner Erziehung spielte die Herkunft meiner Eltern keine große Rolle. Was meine Personal Brand ist, also was mich zur Marke macht, wurde mir erst in dem Moment klar, in dem ich für etwas stehen sollte, was ich nicht bin.

Die wichtigste Erkenntnis, die Erlebnisse wie dieses verdeutlicht, ist: Jeder von uns hat eine individuelle Brand – egal, ob man sich dieser Marke bewusst ist oder nicht. Es gibt lediglich einen Unterschied in der Hinsicht, ob wir ihr selbst eine Kontur geben.

Die entscheidende Frage ist also, ob wir das Bild, das andere von uns haben, selbst gestalten oder nicht. Erzählen wir unsere Geschichte, oder nehmen wir in Kauf, dass andere Geschichten über uns erzählen? Wer seine Personal Brand selbst bestimmt, schafft einen Wiedererkennungseffekt oder, in anderen Worten, einen greifbaren Markenkern – ganz gleich, ob online oder offline.

Personal Branding ist keine Selfie-Show

Das größte Missverständnis, das es in Bezug auf Personal Branding gibt, lautet, dass es sich dabei nur um eine reine Selbstinszenierung handele. Meiner Überzeugung nach ist das Gegenteil der Fall. Anstatt der bloßen Ich-Botschaft sind beim Personal Branding gerade Inhalte gefragt.

Sich selbst zu kennen und zu wissen, für welche Themen man steht, welche Positionen und Meinungen man nach außen vertritt, ist die Grundvoraussetzung, um den wichtigsten Schritt beim Personal Branding zu machen: andere Menschen mit den eigenen Themen zu erreichen, sie zu bewegen und etwas zu verändern. Eine gute Personenmarke zeichnet sich dadurch aus, dass die Person auf Basis ihrer eigenen Erfahrung oder ihrer Fähigkeiten andere Menschen erreicht, ermutigt und motiviert.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb ich Personal Branding für ein wichtiges Zukunftsthema halte. Marken können insbesondere im beruflichen Kontext die Grundlage für Zusammenarbeit bilden. Sie sind effektive Kommunikations- und Kollaborationstools in einer Arbeitswelt, die immer stärker auf Innovation ausgerichtet ist, in der die Automatisierung zunimmt und die sowohl internationaler als auch diverser wird.

Insbesondere Diversität fördert Personal Branding, indem Vielfalt sichtbar gemacht wird. Die Arbeit wird dadurch agiler, dass allen Menschen in einem Team oder einem Netzwerk ganz klar bewusst ist, wer welche Expertise hat und wofür die anderen stehen.

Wer in Zukunft innerhalb eines Unternehmens, als Gründer oder als Freelancer mit seinen Ideen oder seinen Fähigkeiten Erfolg haben will, muss dafür sorgen, dass er anderen mit seinen Themen im Gedächtnis bleibt.

Wer Personal Branding betreibt, erleichtert anderen zudem die Kontaktaufnahme, weil im Idealfall zahlreiche inhaltliche Anknüpfungspunkte vorhanden sind. Gerade auch für Menschen in Führungspositionen ist Personal Branding ein Mittel, mit dem sie Empathie und Menschlichkeit zeigen können. Das wird umso wichtiger, je stärker die Arbeitswelt digitalisiert und automatisiert wird. Nahbarkeit ist hier der Gegenpol, der dringender denn je gebraucht wird.

Personal Branding braucht ein Re-Branding

Personal Branding braucht im Grunde selbst ein Re-Branding. Bei meinen aktuellen Vorträgen und Workshops habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, die Teilnehmer und Menschen im Publikum nach ihrer Meinung zum Thema Personal Branding zu fragen.

Viele der Reaktionen verdeutlichen mir, dass Personal Branding nach wie vor negativ besetzt ist. Die intuitive Antwort lässt sich auf den Punkt bringen: Ich bin ein Mensch, keine Marke.

Nach meinem Verständnis geht es beim Personal Branding aber auch gar nicht darum, sich wie ein Unternehmen ein Markenimage aufzubauen. Versuche, die das zum Ziel haben, landen zwangsläufig bei einer reinen Ego-Show.

Wir müssen uns vielmehr bewusst machen, dass wir als Menschen immer schon eine Personenmarke haben. Es geht darum, diese aktiv zu gestalten, die eigene Geschichte zu erzählen und selbst zum Sprachrohr für die eigenen Themen zu werden. Menschen folgen keinen Marken. Menschen folgen Menschen. Genau deshalb muss es beim Personal Branding um Inhalte gehen und um Geschichten, die uns selbst und andere bewegen.

Mehr: In Tijen Onarans Mai-Kolumne lesen Sie, warum die EU-Wahl 2019 eine digitale Wahl war.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Jeder hat einen Markenkern – Die Frage ist, was wir daraus machen

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Jeder hat einen Markenkern – Die Frage ist, was wir daraus machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote