Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Keine Angst vor Social Media!

Fake News, Shitstorms, Cyber-Mobbing – es gibt genug Gründe, Facebook und Twitter zu meiden. Doch die Waffen vor Hetzern und Lügnern zu strecken wäre fatal.
Kommentieren
Die sozialen Medien sind stark in Verruf geraten. Quelle: Reuters
Im Netz

Die sozialen Medien sind stark in Verruf geraten.

(Foto: Reuters)

Vor rund vier Jahren habe ich mich bei Twitter angemeldet – aus Neugier. Ich wollte zunächst einmal schauen, was dieses Twitter überhaupt ist, was es mit mir macht und vor allem: was es mit anderen macht.

Ich habe viel beobachtet, ausprobiert, gelacht, den Kopf geschüttelt. Wenn ich heute Workshops zu Social Media gebe, fällt mir auf, dass sich viele der Teilnehmer damit gar nicht erst beschäftigen wollen. Doch in einer Welt, in der die Lauten immer lauter werden, sollten gerade diejenigen, die wirklich etwas zu sagen haben, ihre Stimme erheben.

Die Angst geht um – aber warum?

Warum werden die sozialen Netzwerke aktuell so negativ wahrgenommen? Bedenken wegen des Datenschutzes spielen, gerade in Deutschland, sicher auch eine Rolle. Doch im Moment verbinden viele Menschen mit Twitter, Facebook und Co. vor allem Trump, Fake News, rechte Stimmungsmache und Shitstorms. Social Media macht den Leuten Angst.

Bei so vielen negativen Assoziationen gehen die positiven Aspekte völlig verloren oder werden ebenfalls ins Negative umgedeutet. Insbesondere von Führungskräften höre ich immer wieder, dass Social-Media-Auftritte doch nicht viel mehr seien als Ego-Marketing und Self-Branding. So verwundert es kaum, dass der Eindruck immer weiter verstärkt wird, dass vor allem diejenigen gehört werden, die am lautesten schreien und am meisten polarisieren.

Jetzt erst recht!

Gerade in diesem Moment die Waffen zu strecken und jenen das Feld zu überlassen, die für das negative Image von Social Media verantwortlich sind, wäre fatal. Jetzt erst recht müssen diejenigen ihre Stimme erheben und sichtbar werden, die nicht damit einverstanden sind, dass im Netz Lügen verbreitet werden und negative Stimmungsmache Überhand nimmt.

Im Grunde brauchen die sozialen Medien einen Image-Berater. Denn die digitalen Kommunikationskanäle sind nichts anderes als ein Tool, das auf die eine oder auf die andere Art – zum Guten wie zum Schlechten – verwendet werden kann. Und im Moment ist es wichtiger denn je, diejenigen, die Social Media zu etwas Gutem einsetzen wollen, zu bestärken, dies auch zu tun.

Die positiven Effekte von Social Media

Ob es sich nun um Facebook, Twitter oder Instagram handelt oder unternehmensinterne Plattformen – die Chancen und Möglichkeiten, die digitale Netzwerke bieten, überwiegen die negativen Aspekte bei Weitem. Unternehmen können hier ihre eigene Geschichte erzählen und ihre eigene Agenda setzen, anstatt dass einfach nur über sie gesprochen wird.

Wer schweigt, vergibt die Chance, mitzureden und Themen positiv zu besetzen. Wenn Unternehmen dies verantwortungsvoll und klug machen, können sie ihr Profil und ihre Marke schärfen, sodass sie auch als Arbeitgeber die Aufmerksamkeit von jungen Menschen bekommen.

Vernetzung ist auch die Voraussetzung, dass ein Wissenstransfer stattfinden kann (Stichwort: Reverse Mentoring). Wenn Menschen sich vernetzen, können sie zudem für andere zum Vorbild werden und sich gegenseitig motivieren und empowern. Ich selbst wäre ohne soziale Medien niemals dort, wo ich heute bin. Mein Netzwerk habe ich nicht etwa von zu Hause mitbekommen, sondern habe es mir selbst nach und nach mit Hilfe von Facebook, Twitter und Co. aufgebaut.

Demokratisierung und Social Media sind anstrengend

In den vergangenen Jahren wurde deutlich, dass Social Media den Lauf der Dinge sowohl in die eine als auch in die andere Richtung beeinflussen können. Nach der anfänglichen Euphorie, die Netzwerke wie Facebook und Twitter ausgelöst haben, folgte eine Phase der Ernüchterung.

Heute sind wir in der Realität und vielleicht auch an einem Wendepunkt angekommen. Die unbequeme Wahrheit lautet, dass der Demokratisierungsprozess, den die sozialen Netzwerke ohne Zweifel ausgelöst haben, anstrengend sein kann.

Die Folge darf aber nicht sein, dass wir die positiven Aspekte vergessen und die „Guten“ nun denen das Feld überlassen, die die Gesellschaft zum Negativen hin beeinflussen wollen. Wir brauchen eine positive Gegenbewegung. Das kann aber nur gelingen, wenn wir keine Angst haben, uns in den sozialen Netzwerken zu bewegen und mitzuteilen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Keine Angst vor Social Media!

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Keine Angst vor Social Media!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%