Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Mehr Festival wagen – Deutsche Kongresse brauchen ein Update

Die diesjährige Cebit zeigt, dass sich auch lange etablierte Formate erneuern können. Ein Beispiel, dem so manche Veranstaltung folgen sollte.
Kommentieren
Kongresse können nur davon profitieren, wenn sie wie die Cebit mehr Festival-Charakter wagen. Quelle: dpa
Cebit 2018

Kongresse können nur davon profitieren, wenn sie wie die Cebit mehr Festival-Charakter wagen.

(Foto: dpa)

Kongresse übernehmen eine wichtige Funktion in Deutschland. Laut „Meeting- und Event-Barometer 2017/18“ nahmen im vergangenen Jahr 405 Millionen Menschen an Veranstaltungen wie Tagungen, Messen oder Kongressen teil.

Sie sind Plattformen für Austausch und Präsentation, Networking-Events und Ausstellungsorte für Innovation und Fortschritt. Und sie sind ein wenig in die Tage gekommen. Zwar sprechen wir heute viel von neuer Arbeitskultur beziehungsweise „New Work“ – vieles bleibt aber, wie es immer war.

Dazu gehört auch das Format der Kongresse, die in Deutschland im Regelfall auf eine lange Tradition zurückblicken können. Bei vielen Events, die ihrer langen Tradition verpflichtet sind, verraten vor allem die Präsentationsformate selbst das Alter der Veranstaltung. Formate mit Frontbeschallung, bei denen einer spricht und alle anderen zuhören, gehören hier zum guten Ton. Darin zeigt sich jedoch auch eine Vorstellung von Hierarchie, die der heutigen Arbeitswelt nicht mehr angemessen ist.

Dass es auch anders geht, konnte ich vergangene Woche auf der Cebit feststellen. Der Veranstaltung einen Festival-Charakter zu verleihen halte ich für einen gelungen Versuch, dem Kongress-Format ein Update zu verpassen. Dabei sind vor allem drei Elemente entscheidend, um Veranstaltungsformate an die Realität der heutigen Arbeitswelt anzupassen.

1. Weg von Hierarchien und hin zu mehr Diversität

Erstens muss es bei Kongressen heute möglich sein, dass Menschen aus unterschiedlichen hierarchischen Ebenen zusammenkommen können. Damit Veranstaltungen wie Kongresse auch in Zukunft ihre wichtige Funktion für die Wirtschaft erfüllen können, ist es wichtig, dass sich neue Netzwerke bilden können.

Dazu gehört es auch, dass nicht immer nur CEOs auf der Bühne stehen. Auch Mitarbeiter beziehungsweise Corporate Influencer, die ihr Unternehmen repräsentieren, müssen eine Chance haben, zu Wort zu kommen. Dadurch bilden Kongresse die Realität der neuen Arbeitswelt nicht nur viel besser ab, sondern werden zugleich als Veranstaltung spannender.

2. Die Formate selbst müssen sich ändern

Zweitens müssen sich die Formate auf Kongressen selbst ändern. Es nützt nichts, die Person auf der Bühne mit einer anderen auszutauschen, wenn das Format der Frontbeschallung gleich bleibt. Kongresse müssen agiler werden. Das bedeutet, dass sie sich mehr zu hybriden Veranstaltungen entwickeln können, die virtuelle Interaktionsräume öffnen.

Das gelingt aber auch durch Formate, die zeitgemäßer sind: Panel-Diskussionen, Fishbowls, Fireside-Chats oder andere innovative Formate regen zu mehr Austausch an und sind zugleich ein Symbol für mehr Öffnung.

3. Das Geheimnis eines begeisterten Publikums

Nicht zuletzt sind drittens die Redner selbst der Schlüssel für das Kongress-Update. Unsere Führungskräfte müssen sich verstärkt in Rhetorik schulen und die Kunst des Storytelling beherrschen. Wer weiß, wie man eine gute Rede hält, kann sein Publikum begeistern.

Diese sind heute nicht mehr einfach nur passive Zuhörer, sondern in vielen Fällen auch die Multiplikatoren von Veranstaltungen. Ob, wie stark und in welchem Ton auf Twitter über ein Event gesprochen wird, hängt ganz zentral davon ab, wie dort Inhalte präsentiert werden.

Fazit: Mehr Festival-Charakter für Kongresse

Kongresse können nur davon profitieren, wenn sie wie die Cebit mehr Festival-Charakter wagen. Viele Kongresse und Veranstaltungsformate sollten sich hier eine Scheibe abschneiden, was innovative Formate und vor allem Lockerheit betrifft.

Diese Entwicklung wird sich in vielen Fällen zwar nicht von heute auf morgen realisieren lassen, sondern braucht Zeit und Know-how. Die Reichweite und der Impact, den Kongresse in Zukunft haben, ist aber davon abhängig, wie sehr es ihnen gelingt, sich der Realität der heutigen Lebens- und Arbeitswelt anzupassen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

 

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Mehr Festival wagen – Deutsche Kongresse brauchen ein Update

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Mehr Festival wagen – Deutsche Kongresse brauchen ein Update"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%