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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Social Media müssen endlich zu einer Selbstverständlichkeit werden

Eine verstärkte Präsenz in sozialen Netzwerken sollte eine Notwendigkeit darstellen. Wer sich hingegen dafür entscheidet, sie zu ignorieren, riskiert viel.
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Politiker, aber auch Unternehmer sollten sich nach Ansicht von Tijen Onaran in der heutigen Zeit in sozialen Netzwerken bewegen. Quelle: Reuters
Facebook- und Twitter-Logos

Politiker, aber auch Unternehmer sollten sich nach Ansicht von Tijen Onaran in der heutigen Zeit in sozialen Netzwerken bewegen.

(Foto: Reuters)

Für viele ist diese Meldung nichts Besonderes, doch mir ist sie im Gedächtnis geblieben: Der frühere SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel hat vor Kurzem angekündigt, dass er sich anlässlich seines neuen Postens als Arbeitsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit aus den sozialen Medien zurückziehen will.

Das Ironische – und vielleicht auch Tragische – an dieser Meldung: Seinen Rückzug aus Social Media machte er ausgerechnet über Twitter und Instagram publik – und erreichte seine Follower somit ein letztes Mal direkt. Seine neue Position ist jedoch hochgradig mit dem Personalwesen verknüpft und sollte ihn eigentlich dazu motivieren, den direkten und persönlichen Kontakt zur Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

Ich bin davon überzeugt, dass insbesondere Menschen, die Funktionen im Bereich Human Resources (HR) übernehmen, verstärkt dort präsent sein müssen, wo die eigene Zielgruppe ist. Das bedeutet im digitalen Zeitalter zwangsläufig, sich in den sozialen Netzwerken zu bewegen.

Insbesondere HR-Abteilungen müssen verstärkt Social Media zur Kommunikation nutzen: Allein angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels führt am aktiven Recruiting in sozialen Netzwerken kein Weg vorbei – und damit ist nicht gemeint, den Link zur Stellenanzeige auf der Firmenhomepage in die eigene Timeline zu posten. Es geht auch ganz allgemein darum, Community-Management zu betreiben, Teil der Diskussion zu sein und die Themen zu bestimmen, die wichtig für die eigene Zielgruppe sind.

Es gibt aber noch mehr Gründe, warum eine verstärkte Präsenz in den sozialen Netzwerken für viele heute keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Das gilt nicht nur für Parteien und Politiker, sondern vor allem für Unternehmen und deren Vertreter.

Selten zuvor in der jüngsten Geschichte gab es so viele grundlegende Umwälzungen und damit verbundene Unsicherheiten – angefangen bei der Digitalisierung über die Neudefinition der Arbeitskultur bis hin zu weltweiten Handelskonflikten.

Damit die Menschen auf den Wandel nicht nur mit Verunsicherung und Ängsten reagieren, ist es entscheidend, dass Social Media genutzt werden, um Zusammenhänge und Entwicklungen zu erklären. Kein anderes Medium bietet die Möglichkeit, die eigene Zielgruppe so exakt anzusprechen wie soziale Netzwerke.

Besonders in Zeiten der Digitalisierung ist es unabdingbar, dort beispielsweise Veränderungen in der Arbeitswelt oder Produktentwicklungen zu erklären. Denn es sind gerade diese Bereiche, die bevorzugt Besorgnisse auslösen, weil viele fürchten, dass ihre Tätigkeit in Zukunft durch Maschinen oder Software übernommen werden könnte.

Wenn jedoch auf den Plattformen die Möglichkeiten kommuniziert werden, die neue Entwicklungen mit sich bringen, dann steigen auch die Chancen, dass diese am Ende tatsächlich genutzt werden – das gilt vor allem, wenn es um New Work und HR geht. Denn je besser die eigenen Mitarbeiter über Angebote, Weiterbildungsmöglichkeiten oder firmeninterne Netzwerke informiert sind, desto eher werden sie die damit verbunden Chancen auch nutzen.

Meiner Einschätzung nach bleiben in diesem Bereich viele Unternehmen hinter dem zurück, was möglich ist. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass wir insbesondere in Deutschland bei der Diskussion rund um neue Medien und Technologien in vielerlei Hinsicht seit vielen Jahren nicht von der Stelle kommen. Wir diskutieren immer noch über iPads an Schulen und kommen über die Frage „Ja oder Nein?“ nicht hinaus.

Sehr viel spannender wäre doch in diesem Zusammenhang die Frage, welche Fächer und welche Inhalte sich besonders dafür eignen, digital vermittelt zu werden? Oder zu fragen, welche Rolle digitale Medien bei der Lehrerausbildung spielen sollten? Denn sobald klar ist, welche Vorzüge die digitale Vermittlung bei bestimmten Inhalten tatsächlich bringt, erledigt sich die Frage nach dem „Ob“ von selbst.

Ähnlich gestaltet sich die Grundsatzdiskussion über sozialen Medien, gegenüber denen es sehr viele Vorbehalte gibt und deren Nutzen für Unternehmen zum Teil kontrovers diskutiert wird. Ich habe auch nichts gegen eine gesunde Portion Respekt gegenüber den Social Media.

Ich glaube jedoch, dass uns eine endlose Grundsatzdiskussion nicht weiterbringt. Wir müssen lernen, bestimmte Veränderungen, die sich in den vergangenen Jahren vollzogen haben, zu akzeptieren, um die damit verbundenen Chancen zu nutzen.

Social Media sind aus dem Leben einer großen Zahl von Menschen nicht mehr wegzudenken. Social Media zu nutzen, heißt, den Menschen dort zu begegnen, wo sie sich ohnehin täglich informieren und austauschen. Erst von diesem Standpunkt aus können wir sinnvoll darüber sprechen, wie wir mit den neuen Tools und Technologien produktiv umgehen können.

Wer sich heute dafür entscheidet, Social Media zu ignorieren, riskiert viel: Wer nicht selbst die Chance wahrnimmt, die eigenen Themen zu setzen und voranzutreiben oder das Bild der eigenen Person zu gestalten, das nach außen hin wahrnehmbar ist, riskiert, dass andere diese Aufgabe übernehmen.

Besonders in politisch schwierigen Zeiten steigen die Risiken, die damit verbunden sind, anderen das Feld zu überlassen, sogar drastisch an. Wenn falschen Behauptungen und Meinungen nicht mit guten Gegenargumenten begegnet wird, verfestigen sich diese irgendwann zu Gewissheiten. Alle Verantwortlichen, die ein demokratisches Verständnis von Politik und Wirtschaft haben, sollten ihre Stimme verantwortlich einsetzen und sollten entsprechend in sozialen Medien präsent sein.

Social Media muss zu einer Selbstverständlichkeit werden. Dazu gehört, dass der Umgang damit in den Bildungskanon aufgenommen werden muss. Wie wichtig Aufklärung ist, merke ich bei vielen meiner Workshops: Sobald ich erkläre, zu welchem Zweck die verschiedenen Social-Media-Kanäle eingesetzt werden können, schwinden automatisch Zurückhaltung und anfängliche Bedenken.

Mehr: Tijen Onaran ist überzeugt: Jeder hat einen Markenkern. Die Frage ist, was wir daraus machen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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1 Kommentar zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Social Media müssen endlich zu einer Selbstverständlichkeit werden"

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  • Dieser These kann man nur zustimmen, wenn gewährleistet wäre, daß es nicht immer wieder die gleichen US-amerikanischen Plattformen wären, die das Unternehmen buchen / beschicken muß. Die Auswahl beschränkt sich ja faktisch auf den Alphabet Konzern und den facebook Konzern. Hier gibt es für Europa ein großes Defizit.