Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Strategie „Absprung“ – So wird der Job-Wechsel zum Erfolg

Häufige Jobwechsel sind zur Norm geworden. Um den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu finden, ist ein gut funktionierendes Netzwerk unersetzlich.
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Die Generation Empowerment hängt nicht mehr unter allen Umständen an einem Job. Quelle: imago/Science Photo Library
Zufriedener im neuen Job

Die Generation Empowerment hängt nicht mehr unter allen Umständen an einem Job.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Die Arbeitswelt hat sich innerhalb einer Generation so grundlegend verwandelt, dass ein Karriereverlauf heute kaum mehr mit dem von vor 25 Jahren vergleichbar ist. Eine Folge davon sind sicher zahllose Gespräche am Küchentisch mit Eltern, die wahrscheinlich der Verzweiflung nahe sind und vor lauter Sorgen schlaflose Nächte hinter sich haben. Auch meine Eltern waren zunächst schockiert, als ich ihnen vor vier Jahren erzählte, dass ich meinen sicheren Job gekündigt habe.

Meine Mutter hat mir sogar eine Wartenummer für einen Termin im Arbeitsamt besorgt, damit ich möglichst schnell mit meiner Wiedereingliederungsmaßnahme beginnen kann, wenn ich auf dem Boden der Tatsachen ankommen würde. Soweit kam es aber zum Glück nicht. Das hatte allerdings sehr viel weniger mit Glück zu tun, als mit dem Vertrauen in mich selbst und nicht zuletzt deswegen, weil ich auf ein funktionierendes Netzwerk zurückgreifen konnte.

Im Zeitalter von New Work sind häufige Jobwechsel, berufliche Neuorientierung oder Sabbaticals inzwischen zur Norm geworden. Die Ursachen dafür sind durchaus vielfältig. Ein Grund sind die immer kürzeren Innovationszyklen und neue Technologien, die die Arbeitswelt transformieren. Die Halbwertszeit von spezifischem Wissen sinkt darum, während gleichzeitig Generalisten mehr Erfolg haben, zu deren Grundausstattung eine positive Einstellung zum lebenslangen Lernen gehört.

Ein anderer Grund ist das neue Selbstverständnis der Generation Empowerment, die sich nicht einfach ihrem Schicksal fügt, sondern es lieber selbst in die Hand nimmt und aktiv gestaltet. Dazu gehört es auch, nicht unter allen Umständen an einem Job zu hängen. Nun könnte man sagen, dass dieses Phänomen vor allem junge Menschen betrifft, die sich von Praktikum zu Praktikum hangelt und erst noch ihren Weg suchen. Ich glaube aber, dass diese Entwicklung die ganze Gesellschaft betrifft.

Sinkende Halbwertszeiten im Management

Noch vor wenigen Jahren galt es als bei Führungspositionen und im Management als Zeichen von Misserfolg, Führungsschwäche oder persönlichem Scheitern, wenn man nicht mindestens 10 Jahre an der Spitze eines Unternehmens stand. Mehrere Studien belegen, dass die Halbwertszeit von Managern seit vielen Jahren kontinuierlich sinkt.

Die Ursachen sind auch hier durchaus unterschiedlich. Einerseits wirken sich auch hier starke Bewegungen an den Märkten und die Entwicklung neuer, disruptiver Technologien aus. Andererseits führen immer öfter Fehlentscheidungen zum vorzeitigen Beenden von Verträgen. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass Führungskräfte häufiger Verantwortung für ihr eigenes Handeln tragen müssen.

Gleichzeitig erleben wir gerade in diesem Bereich auch das Phänomen, dass Menschen es nicht schaffen, den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden und dadurch nötige Veränderungen hinauszögern. So oder so stehen Menschen in Führungspositionen damit häufiger als früher vor der Herausforderung, ihre eigene Agilität steigern zu müssen.

Und das gelingt vor allem durch eine intensivere Pflege des eigenen Netzwerks. Immer wieder höre ich von Menschen, dass für sie die Gleichung zutrifft: Job weg = Netzwerk weg. Damit fehlt ihnen gerade im Moment der Krise das, was sie dringend bräuchten: Ihr Sicherheitsnetz.

Netzwerke bestehen jedoch nicht einfach aus Kontakten, die einem zu einem neuen Job verhelfen können. Es sind vielmehr Menschen, die einen motivieren, weil sie Vorbilder sind, es sind Menschen, die einen inspirieren, weil sie Mut beweisen, es sind Menschen, die einen als Mentoren unterstützen und zum richtigen Zeitpunkt mit einem Rat beiseite stehen. Netzwerke können damit als Korrektiv dienen, das dabei hilft, den richtigen Zeitpunkt zum Gehen zu finden.

Die eigene Agilität zu steigern bedeutet, im Austausch mit anderen zu stehen, neue Ideen zu diskutieren und auch die Zahl der potentiellen Optionen zu erhöhen. Netzwerke können genau das leisten – allerdings nur, wenn sie nicht erst dann aktiviert werden, wenn sie am meisten gebraucht werden.

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

 

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