Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Warum Wandel auch Abschiede braucht

Wann ist der richtige Zeitpunkt zu gehen? Manager und Führungskräfte, die an ihren Ämtern kleben, verhindern Veränderung und Innovationskraft.
Kommentieren
Veränderungen in Unternehmen hängen auch an personellem Wandel. Quelle: dpa
Leerer Schreibtisch

Veränderungen in Unternehmen hängen auch an personellem Wandel.

(Foto: dpa)

Antje Neubauer, Leiterin der Bereiche Marketing und PR der Deutschen Bahn, hört beim Konzern auf. Diese Nachricht hat mich aufhorchen lassen.

Denn eigentlich ist Neubauer auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Erst vergangenes Jahr wurde sie als „Kommunikatorin des Jahres“ ausgezeichnet – einer der renommiertesten Preise der gesamten Branche. Warum also jetzt aufhören, wo sie den Zenit ihrer Laufbahn erreicht hat?

In einem Interview erklärte sie, was sie zu diesem Schritt bewogen hat. Sie hört nicht bei der Bahn auf, weil ihr eine bessere Stelle angeboten wurde. Vielmehr legt sie nach 25 Jahren, in denen sie hart daran gearbeitet hat, zu diesem Punkt zu gelangen, einfach erst einmal eine Pause ein, um Zeit für anderes zu haben – und das Leben zu genießen. Ich finde, dass sie damit ein starkes Zeichen setzt und damit für viele andere ein Vorbild sein sollte.

Besonders in Deutschland tun sich Manager und Führungskräfte mit dem Aufhören mitunter sehr schwer. Dieses Phänomen lässt sich sowohl auf einer individuellen Ebene diskutieren, hat aber auch weitreichende wirtschaftliche Implikationen. 

Warum es für viele schwer ist zu gehen

Selbst Antje Neubauer gibt zu, dass sie es vermissen wird, Macht zu haben. Macht bedeutet für sie allerdings, Gestaltungsspielraum zu haben und die Möglichkeit, etwas zu bewegen und zu verändern. Ich glaube, dass für viele andere Führungskräfte, die an ihren Posten hängen, Macht etwas anderes bedeutet. Und sie unter anderem deswegen nicht ans Aufhören denken.

Denn Macht, verstanden als Verfügungsmacht über Menschen oder Budget, verführt. So wird sie zum reinen Selbstzweck. Und das kann dazu führen, dass Menschen ihren Job mehr lieben als ihr Leben.

Wer zu lange sein Amt ausführt, läuft Gefahr den Sinn für alles abseits der Arbeit zu verlieren und vernachlässigt diese Dinge. Hinzu kommt häufig die blanke Angst vor Macht- und Bedeutungsverlust. Auch die Tatsache, dass es weder eine Amtszeitbegrenzung gibt, noch – im Gegensatz zur Politik – überhaupt darüber diskutiert wird, führt zu einem Klima, in dem der selbstbestimmten Abgang Tabuthema ist.

Dass die wenigsten Menschen in Führungspositionen darüber nachdenken, wann der beste Moment zum Gehen ist, ist im Zweifelsfall mehr als nur ein persönliches Problem.

Warum es wichtig ist, den Weg frei zu machen

Der Umstand, dass gerade in Deutschland Führungspositionen viel zu lange besetzt bleiben, verhindert Veränderung. Menschen, die 30 Jahre lang dieselbe Tätigkeit ausgeführt haben, können nicht die gleiche Dynamik entfesseln, wie jemand, der neu auf eine Position kommt.

Damit meine ich nicht so sehr, dass es zwingend jüngere Menschen sein müssen, die in Führungsposition kommen sollen. Doch steht die Innovationsfähigkeit von Unternehmen auf dem Spiel, wenn Menschen so lange an ihren Stühlen kleben, dass sie darauf herausgetragen werden müssen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Der Wechsel an der Spitze ermöglicht Veränderungen und ist damit ein Ausdruck dafür, dass New Work auch wirklich gelebt wird. Wenn Positionen öfter für Leute frei werden, ist das eine Chance, damit einen neuen und vielleicht auch diverseren Blick auf aktuelle Herausforderungen zu gewinnen. Eine neue Perspektive ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit erhalten sowie mehr Agilität und eine größere Vielfalt gewinnen. 

Die Kunst zu Enden – eine Frage des Luxus?

Die Kunst, die Karriere selbstbewusst und selbstbestimmt zu beenden, wird in Deutschland nicht nur nicht gelebt – die Frage an sich scheint ein Tabu zu sein. Als ich auf Twitter eine Diskussion zu dem Thema angeregt hatte, folgte eine Kontroverse, deren Ausmaß und Heftigkeit mich ehrlich gesagt überrascht haben. Viele betrachten ein selbstbestimmtes Ende von Führungskräften als Luxusproblem. Ohnehin seien dazu nur Menschen in der Lage, die es sich finanziell leisten können.

Weder glaube ich, dass ab einem bestimmten Punkt Geld die Motivation ist, einen Job immer weiter zu machen, noch glaube ich, dass Geld ausschlaggebend für die Entscheidung ist, aufzuhören. Als ich mich selbst vor einigen Jahren dazu entschlossen habe, meinen sicheren Job zu kündigen, um etwas anderes zu machen – ohne zu wissen, was dieses andere denn überhaupt sein könnte – hatte ich keine finanziellen Polster. Ich wusste einfach, dass es die richtige Entscheidung war und dass ich es deshalb einfach machen musste.   

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Warum Wandel auch Abschiede braucht

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Warum Wandel auch Abschiede braucht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote