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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Was wir von Bundespräsident Steinmeier auf Instagram lernen können

Wer nicht in sozialen Medien präsentiert ist, hat viele Nachteile. Jeder braucht ein „Social Me“. Steinmeier macht vor, wie man sich authentisch im Internet bewegt.
1 Kommentar
Neuerdings lässt der Bundespräsident die Menschen via Instagram an seinem Wirken teilhaben. Quelle: dpa
Frank-Walter Steinmeier

Neuerdings lässt der Bundespräsident die Menschen via Instagram an seinem Wirken teilhaben.

(Foto: dpa)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist auf Instagram aktiv. Es lohnt sich wirklich, ihm dort zu folgen. Auch wenn auf der Foto-Plattform erst wenige Beiträge zu finden sind, ist sein Auftritt meiner Meinung nach schon jetzt bemerkenswert.

Denn man merkt, dass seine Beiträge ernst gemeint sind und es nicht nur darum geht, einfach nur dabei zu sein. Was Steinmeier auf Instagram im Feed und in den Storys präsentiert, ist vielmehr ein authentischer Blick in das Leben eines Bundespräsidenten.

Zwar sind in Steinmeiers Instagram-Account auch ein paar inszenierte Bilder zu finden – es gibt aber auch genug authentische. Insbesondere im direkten Vergleich mit den Social-Media-Aktivitäten anderer Politiker ist der Instagram-Auftritt des Bundespräsidenten ziemlich einmalig.

Der Grund, warum Social-Media-Auftritte oft sehr ausstaffiert und daher weniger authentisch wirken, hat einen Namen: Personal Branding. Menschen und insbesondere diejenigen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen wie Politiker, CEOs und Influencer, sollen sich als Marke verstehen und deshalb ihr Profil wie einen Markenauftritt gestalten. Das einzige Problem dabei ist: Wir sind keine Marken, wir sind Menschen.

Ich davon überzeugt, dass im Grunde jeder heute in irgendeiner Form im Netz vertreten sein muss. Es ist wie der Blogger und Kommunikationsberater Daniel Mack sagt: „Wer nicht digital ist, ist nur bedingt existent.“ Darum möchte ich vorschlagen, dass wir anstatt des Begriffs Personal Branding besser von unserem „Social Me“ sprechen.

Wer nicht auf Social-Media-Plattformen oder ganz allgemein im Internet präsent ist, ist in der einen oder anderen Hinsicht benachteiligt. Sei es bei der Gestaltung der eigenen Karriere, bezüglich der Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung der eigenen Person oder hinsichtlich der Möglichkeit, selbst Themen zu setzen.

Das betrifft nicht nur CEOs oder Politiker, sondern wirklich jeden. Bei den sozialen Medien ist es ein bisschen wie bei den Olympischen Spielen: Dabei sein ist alles. Aber das wirklich Entscheidende ist, wie man dabei ist.

Unabhängig davon, ob jemand eine eigene Homepage betreibt, ein Twitter- oder Instagram-Profil hat oder im Intranet bloggt – es geht nicht darum, Seelenstriptease zu betreiben, oder darum, zu dokumentieren, was man jeden Tag so macht.

Die spannende Frage ist: Was macht dich aus? Was prägt dich? Welche Themen interessieren dich und wie positionierst du dich zu diesen Themen? Nur wenn man selbst eine Position hat, funktioniert das Konzept des „Social Me“.

Jeder Like, jede Reaktion, jeder Post – im Prinzip wissen wir, dass all diese Aktivitäten öffentlich sind, irgendwo da draußen kursieren und registriert werden. Aber sind wir uns wirklich voll darüber im Klaren, was das bedeutet? Alle Spuren, die wir hinterlassen, führen letzten Endes wieder zu uns zurück.

Das heißt auch, dass diese Spuren zu uns passen müssen. Auch darum spreche ich lieber vom „Social Me“. Denn wir sind keine abstrakte Marke, die losgelöst von unserer Persönlichkeit existiert.

Unsere digitale Identität ist aber auch nicht einfach da, sondern wir müssen sie uns erschaffen. Das ist immer wieder herausfordernd und auch anstrengend, aber im Grunde genommen ist das eine enorme Chance. Ein Gedanke, der dabei hilft, sich aller Konsequenzen dieses Prozesses bewusst zu werden: In dem Moment, in dem wir da draußen sind, werden wir automatisch für andere zum Vorbild.

Das, was wir von uns selbst öffentlich zeigen, sollte also keine Projektionsfläche davon sein, was oder wie wir vielleicht gerne wären. Unsere digitale Identität muss unserer Persönlichkeit entsprechen und das Beste von uns repräsentieren, was wir zu bieten haben.

Denn die Chance, die sich uns durch die sozialen Medien bietet, ist unglaublich wertvoll. Die digitalen Kanäle sind ein Multiplikator, der uns einfach so zur Verfügung steht, und den wir nutzen sollten. Denn diese Reichweite können wir niemals mit analogen Mitteln erreichen. Es ist eine einmalige Chance, die sich nicht einmal ein Bundespräsident entgehen lässt.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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1 Kommentar zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Was wir von Bundespräsident Steinmeier auf Instagram lernen können"

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  • social media! aktiv dabei zu sein!? es vermittelt einem: gefühlte universale Mitgliedschaft in einer Gesellschaft volle Suchender! Aber wonach? Likes? von Wem? Der/Die Unbekannten? vielleicht ist diese Person mir widerlich? oder ein Mensch der auch auf der permanenten Suche ist! "ich setze ein Like und schon wird dem Unbekannten wie gut sein Brei ist." und weitere Unbekannten sehen wie viele andere Unbekannte den Unbekannten bewerten...das ist pur Community feeling. Nun wenn alles erledigt ist- habe ich immer noch kein Gespräch geführt, müsste niemandem Antwort geben und weiß auch nicht ob alles was da steht der Wahrheit entspricht!
    Menschen versuchen sich ständig davon zu überzeugen dass, das was im Netz sich "frei-gemacht" hat eine richtige Sache ist. Lavi