Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Wir brauchen ein neues, positives Verhältnis zu Daten

Wenn es um die Auswertung von Daten geht, verstellen diffuse Ängste den Blick auf die riesigen Möglichkeiten. Wir riskieren damit unsere Zukunft.
Kommentieren
Beim Thema Daten konzentrieren wir uns zu sehr auf die die negativen Aspekte und die Gefahren. Quelle: dpa
Zahlenkolonnen

Beim Thema Daten konzentrieren wir uns zu sehr auf die die negativen Aspekte und die Gefahren.

(Foto: dpa)

Wir schreiben das Jahr 2018. Seit wenigen Wochen kann ich in der Straße, in der ich wohne, mein Parkticket mit Karte statt nur mit Bargeld bezahlen. Auch wenn ich mich über diese Entwicklung sehr freue, gibt sie mir auch zu denken.

Was ist der Grund, dass bestimmte Fortschritte bei uns nur sehr langsam ihren Weg in die Realität finden? An anderen Orten in der Welt ist es längst zur Normalität geworden, sein Parkticket mit dem Smartphone zu zahlen oder an Wahlen online, mit digitalem Personalausweis teilzunehmen.

Ich glaube, dass wir uns in der Diskussion rund um Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und New Work oft zu sehr auf die negativen Aspekte und Gefahren konzentrieren. Das wird vor allem dann deutlich, wenn es um Daten geht.

Die Angst bestimmt den Daten-Diskurs

Es fängt schon damit an, dass wir beim Stichwort „Daten“ vor allem personenbezogene Daten meinen. Dass es hier mitunter große Unterschiede gibt und beispielsweise Maschinendaten von der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) überhaupt nicht betroffen sind, geht oft unter. Die (diffuse) Angst, dass mit unseren Daten etwas passiert, das wir nicht wollen, überwiegt und verhindert eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Dabei möchte ich eines nicht unterschlagen: Selbstverständlich gibt es immer wieder Situationen, in denen wir in Europa und in Deutschland davon profitieren, dass wir uns für einen strengen Schutz von personenbezogenen Daten entschieden haben. Auch bin ich persönlich kein Fan vom „Modell China“, das nach dem Prinzip „anything goes“ seine Bürger überwacht.

Mir geht es vor allem darum, einen aufgeklärten und aufgeschlossenen Umgang mit Daten zu finden. Das gelingt nach meiner Überzeugung nicht, wenn Angst den Diskurs beherrscht.

Wissen und ein positiv besetzter Zugang zum Thema Daten halte ich für eine Grundvoraussetzung, damit es uns gelingt, in Zukunftsfeldern wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain nicht den Anschluss zu verlieren und diese in sinnvolle Geschäftsmodelle zu übersetzen.

Wir fragen uns viel zu selten, wie wir Daten sinnvoll und zum Wohl aller nutzen können. Stattdessen kommen immer reflexartig Bedenken zum Datenschutz. Dies darf uns jedoch nicht daran hindern, über die Einsatzmöglichkeiten aller uns zur Verfügung stehenden Informationen nachzudenken und diese auszuschöpfen.

Wie sinnvoll es ist, Daten zu analysieren, erschließt sich sofort, wenn es um Menschenleben geht. In der medizinischen Forschung werden Datensätze von vielen Millionen Menschen auf bestimmte Muster hin untersucht, die Identität und die Daten des Einzelnen spiele keine Rolle.

Genau diese Idee liegt beispielsweise dem Start-up Ada Health zugrunde: Ein mit KI arbeitender Chatbot hilft bei der Diagnose von Krankheiten anhand weniger Symptome und spricht Empfehlungen für die weitere Behandlung aus.

Auch wenn es um den Austausch von Wissen und Erkenntnissen sowie eine Vernetzung von Nachwuchstalenten in der Wirtschaft geht, wie beim Bildungs-Start-up Studydrive: Am Beginn der Überlegungen standen bestimmt keine Bedenken zum Datenschutz.

Und das New Yorker NGO-Start-up Givedirectly stellt unter Beweis, wie die Daten gemeinnützig eingesetzt werden können: Auf Basis von Bildanalysen identifiziert es Regionen, in denen Hilfsbedürftigkeit sehr wahrscheinlich am größten sind. Mehr Strohdächer bedeuten mehr Armut. Entsprechend verteilt die Firma seine Mittel.

Wenn wir die Zukunft gestalten und heute die Chancen, die sich mit der Digitalisierung verbinden, nutzen wollen, brauchen wir dringend einen positiven Umgang mit Daten. Wir brauchen den Mut, den Schutz der Daten nicht von vornherein über Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, Wachstumschancen und sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten zu stellen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

Startseite

Mehr zu: Expertenrat – Tijen Onaran - Wir brauchen ein neues, positives Verhältnis zu Daten

0 Kommentare zu "Expertenrat – Tijen Onaran : Wir brauchen ein neues, positives Verhältnis zu Daten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%