Pamela Reif

Expertenrat – Pamela Reif Gesundheit ist vieles – aber kein Wettbewerb

Auf Facebook oder Instagram vergleichen wir ständig unser Leben mit dem von anderen. Doch bei der Gesundheit hört der Spaß auf, sie ist kein Wettbewerb. Und man sollte akzeptieren, dass es einem nicht immer gutgehen kann.
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Gesundheit ist nie ein abgeschlossener Prozess, durch den man irgendwann den Gipfel des vollkommenen Wohlbefindens erreicht. Quelle: obs
Fitnesstraining

Gesundheit ist nie ein abgeschlossener Prozess, durch den man irgendwann den Gipfel des vollkommenen Wohlbefindens erreicht.

(Foto: obs)

Durch das Internet und vor allem den Aufstieg von Social Media haben wir permanent die Möglichkeit, uns mit anderen zu vergleichen. Und wir tun es, wir vergleichen uns mit allem und jedem, in jeder Hinsicht: Aussehen, Erfolg, Geld, Zufriedenheit – und auch Gesundheit. Wer am fittesten ist, die beste Figur hat, sich immer gesund ernährt – ja, der muss auch gesünder sein als ich, so die logische Schlussfolgerung in vielen Köpfen. Aber ist das der Sinn von „Gesundheit“, sich ständig zu vergleichen? Was heißt das eigentlich, gesund sein?

Gerade im Bereich der Fitnessindustrie ist Gesundheit mittlerweile so etwas wie der absolute Maßstab: Es zählt nicht nur, wer die meisten Gewichte heben kann oder am besten aussieht, sondern vielmehr das „Gesamtpaket“. Es geht darum, mit seinem Körper im Einklang zu sein, äußerlich sowie innerlich. Das muss per se erst mal nichts Schlechtes sein: Auf die eigene Gesundheit zu achten hat noch niemandem geschadet, logisch. Gefährlich wird es dann, wenn Gesundheit nur angestrebt wird, um ein Spiel der Konkurrenzen und imaginärer Wettbewerbe mit anderen Menschen zu gewinnen.

Gerade in Bezug auf Fitness sollte Gesundheit absolut nichts sein, das man für irgendjemand anderen als sich selbst macht. Und: Nicht alles, bei dem man sich um den eigenen Körper kümmert, soll oder muss unbedingt etwas mit Ästhetik zu tun haben. Ich trainiere definitiv nicht vier bis fünf Mal die Woche im Fitnessstudio, um jemand anderem zu gefallen oder um besser als jemand anderes auszusehen. Ich trainiere noch nicht einmal deshalb, um lediglich mir selbst zu gefallen – natürlich spielt das auch eine Rolle, aber nicht unbedingt die Hauptrolle. Mit Sport und gesunder Ernährung will ich vor allem eines erreichen: Gesundheit. Ich will meinem Körper Gutes tun – weil es mein Körper und meine Gesundheit sind, und nicht, weil ich damit jemandem gefallen oder jemanden übertreffen muss.

Um zu verstehen, wieso Gesundheit keinesfalls ein Wettbewerb sein sollte – und es eigentlich auch gar nicht sein kann – muss man vielleicht wissen, was es laut allgemeinem Verständnis überhaupt bedeutet, „gesund zu sein“. Natürlich erst einmal, dass wir nicht krank sind. Gesund sein heißt für uns meistens fit zu sein, der Körper funktioniert und hat Energie. Es geht also vor allem um körperliches Wohlbefinden. Das ist aber lange nicht alles.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit so: „Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“ Heißt also: Gesund sein bedeutet nicht einfach nur, nicht krank zu sein. Vielmehr geht es um ein ganzheitliches Wohlbefinden, das nicht nur durch Sport, gesunde Ernährung und regelmäßige Check-ups beim Arzt erreicht werden kann. Denn: Ich kann so viel trainieren, wie ich will, so viele Vitamine zu mir nehmen wie nur möglich und höchstens alle paar Jahre mal Schnupfen haben – doch das heißt noch lange nicht, dass ich rundum gesund bin. Im Gegenteil: Manchmal kann der Anschein körperlicher Gesundheit sogar die Folge von mangelnder physischer Gesundheit sein. Wenn jemand sechsmal die Woche trainieren geht und restriktiv gesund isst, aus dem bloßen Wunsch heraus, „besser“ auszusehen, einem Ideal nahezukommen oder vielleicht sogar aus Selbsthass – dann ist das nicht gesund. Psychisch nicht, und auf Dauer mit großer Wahrscheinlichkeit auch körperlich nicht.

Körperliche Gesundheit ist nicht alles

Vor allem das psychische Wohlbefinden spielt neben der körperlichen Gesundheit eine große Rolle. Zu psychischer Gesundheit wiederum sagt die WHO Folgendes: „Ein psychisch gesunder Mensch kann seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und ist imstande, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen“. Oftmals hängen körperliches und psychisches Wohlbefinden natürlich eng zusammen. Viele von uns wissen aus eigener Erfahrung: Manchmal funktioniert der Körper nicht, wie wir es gerne hätten, weil die Psyche nicht mitmacht. Umgekehrt sind wir geistig nicht auf der Höhe, weil der Körper nicht hundertprozentig fit ist. Unser Körper reagiert auf Stress, auf Ängste, auf Konflikte. Unsere geistige Fitness lässt nach, sobald wir körperlich krank sind. Auch unsere soziale Gesundheit kann darunter leiden, zum Beispiel, wenn wir uns isolieren, wenn es uns schlecht geht.

Gesundheit hat viele Dimensionen. Gerade deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass Gesundheit nichts ist, was sich vergleichen lässt. Und vor allem, dass sie nicht immer sichtbar ist. Natürlich kann ich sehen, ob jemand fit und sportlich ist, gesund isst, vielleicht kann ich sogar meine Blutwerte mit denen von anderen vergleichen. Ich weiß deshalb trotzdem nicht, wie gesund – in jeder der vielen Dimensionen – diese Person ist. Gerade auf Instagram wird das oft vergessen – ich spreche aus Erfahrung. Als Influencerin postest du zu einem großen Teil die „schönen“ Bilder deines Lebens. Kaum jemand teilt die Momente, in denen es einem schlecht geht, man sich niedergeschlagen fühlt, eben die ganz normalen Tiefen des Lebens. Meistens wird gelächelt, gepost, motiviert. Gerade im Bereich Fitness und Gesundheit wird einem deshalb leicht Glauben gemacht, jemand verkörpere jeden Tag das Bild des strahlenden Lebens, innerlich und äußerlich. Aber niemand ist perfekt, und die wenigsten können von sich behaupten, 365 Tage im Jahr rundum zufrieden, energiegeladen und gesund zu sein. Weder körperlich noch geistig.

Ist es also sinnvoll, „Gesundheit“ anzustreben, um ein bestimmtes Bild nach außen zu transportieren? Oder dem Bild einer anderen Person möglichst nahe zu kommen? Zu versuchen, möglichst gesund auszusehen – nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu trainiert, nicht zu unfit? Meiner Meinung nach sollte es vielmehr darum gehen, jeden Tag aufs Neue an der eigenen Gesundheit zu arbeiten, physisch und psychisch. Nicht, um sagen zu können: „Schaut mich an, ich bin die Gesundheit in Person.“ Denn Gesundheit ist nie ein abgeschlossener Prozess, durch den man irgendwann den Gipfel des vollkommenen Wohlbefindens erreicht. Es gibt immer wieder schlechte Tage, Phasen, in denen es uns in irgendeiner Weise nicht gutgeht und wir uns nicht optimal fühlen. Wir haben immer wieder aufs Neue die Möglichkeit, an unserer Gesundheit zu arbeiten. Das sollten wir aber definitiv nicht, um jemandem etwas zu beweisen oder nach außen hin gesund zu wirken. Denn Gesundheit kommt letztendlich von innen – erst dann ist man überhaupt in der Lage, effektiv und mit einer positiven Basis auch körperlich an sich zu arbeiten.

Pamela Reif, 21, ist Social-Media-Influencerin, Autorin und Unternehmerin. Ihre Hobbys Fitness, Mode und Beauty hat sie zum Beruf gemacht und teilt ihre Leidenschaft täglich mit ihrer Online-Community, zum Beispiel auf Instagram.

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