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Expertenrat – Holger Schmidt Amazons Großbestellung bei Rivian sollte in diesen vier Branchen für Unruhe sorgen

Der Onlinehändler hat beim US-Start-up Rivian 100.000 Elektro-Vans geordert. Der Auftrag könnte langfristige Folgen für mehrere Wirtschaftszweige haben.
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Amazon hat 100.000 Fahrzeuge geordert. Quelle: via REUTERS
E-Laster von Rivian

Amazon hat 100.000 Fahrzeuge geordert.

(Foto: via REUTERS)

Amazon hat vor wenigen Tagen 100.000 Elektro-Vans beim US-Start-up Rivian bestellt. Die E-Kleinlaster sollen den CO2-Ausstoß des Konzerns verringern. Die Großbestellung des Onlinehändlers ist für vier Branchen bedeutend – ein Überblick.

1. Logistik

Neben den massiven Investitionen in Logistikzentren, Lieferdrohnen und eigene Flugzeuge katapultieren die 100.000 Lieferwagen die US-Flotte von Amazon auf eine Stufe mit Konkurrenten wie UPS. Da Amazon schon heute rund die Hälfte seiner Pakete in den USA selbst ausliefert, muss dieser Schritt als Großangriff auf seine bisherigen Logistikpartner verstanden werden.

Der Elektroantrieb der Fahrzeuge macht das Unternehmen sogar zum „klimaneutralen UPS“, weil es sich um Fahrverbote in Innenstädten oder Emissionsziele keine Gedanken mehr machen muss.

2. Handel

In aller Welt investieren digitale Handelskonzerne viele Milliarden in den schnellsten Weg zum Kunden. In den USA erreicht Amazon schon drei Viertel seiner Kunden innerhalb eines Tages, und auch die Ausbaupläne in Deutschland sind höchst ambitioniert.

Und damit sind nicht nur Privatkunden gemeint, sondern auch immer mehr Unternehmen, die in einigen Jahren wahrscheinlich die wichtigste Kundengruppe von Amazon und Co. sein werden. Nicht nur Einzelhändler, sondern auch Großhändler werden sich diesen Schritt sehr genau anschauen.

3. Autoindustrie

Hier sollten auch die letzten Verfechter der guten alten Zeiten in der Realität angekommen sein. Zuletzt hatte noch Daimler 20.000 Lieferwagen (mit Verbrennungsmotoren) an Amazon geliefert. Nun hat das Unternehmen diesen Großauftrag an ein bisher nur Insidern bekanntes Start-up aus Michigan gegeben. Schon im Frühjahr hatte Amazon zusammen mit anderen Investoren 700 Millionen Dollar in Rivian investiert.

Der neue Auftrag gibt dem Start-up nun die wohl einmalige Chance, über Nacht zu einem relevanten Player in der Autobranche aufzusteigen. Ganz nebenbei könnte der Deal dem Elektroantrieb auch in der Logistik zum Durchbruch verhelfen, da nun Skaleneffekte die Produktionskosten senken und den Aufbau einer Ladeinfrastruktur forcieren. Was uns schon zu Branche Nummer vier bringt.

4. Energie

Diese Branche hätte nun ein Großprojekt, das die Ökonomie der Elektromobilität spürbar verbessern könnte. Falls Amazon das Projekt nicht gleich dazu nutzt, eine eigene Ladeinfrastruktur aufzubauen – die dann, wenn Amazon seiner üblichen Logik treu bleibt, in einigen Jahren für alle Fahrzeuge geöffnet wird.

Noch ist dies Fiktion, doch wundern sollte sich niemand. Das Szenario passt perfekt in die Plattformökonomie, die eine Branche nach der anderen erfasst. Amazon-Chef Jeff Bezos hat mit einer Ankündigung mal wieder Anschauungsunterricht geliefert, warum Plattformen das wichtigste Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie geworden sind.

Mehr: Amazon treibt das Geschäft mit Unternehmen voran. Auf dem Markt trifft der Onlinehändler aber auf starke Konkurrenz.

Dr. Holger Schmidt ist Digital Economist, Buchautor, Speaker und lehrt „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt. Für die Ecodynamics GmbH beschäftigt er sich mit Plattformökonomie.

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