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Expertenrat – Holger Schmidt Die Cloud-Initiative Gaia X ist richtig – aber löst unser digitales Problem nicht

Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht fast nur auf klassischen Modellen. In der digitalen Welt sind neue Qualitäten gefragt, bei denen Deutschland hinterherhinkt.
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In Dortmund wurde Gaia X vorgestellt. Quelle: dpa
Digital-Gipfel 2019 der Bundesregierung

In Dortmund wurde Gaia X vorgestellt.

(Foto: dpa)

Nun also Gaia X. Deutschlands neueste Antwort auf die Vorherrschaft von Amazon, Microsoft oder Google soll eine dezentrale Cloud-Plattform sein, in der Daten nicht nur gespeichert, sondern auch miteinander verknüpft werden. Die auf dem Digitalgipfel vorgestellte Super-Cloud soll die Daten nach europäischen Standards verarbeiten und vor dem Zugriff ausländischer Behörden schützen.

Um Deutschlands Rückstand auf diesem Gebiet aufzuholen, soll die IT-Branche eng mit der Industrie zusammenarbeiten, sollen Start-ups, Mittelständler oder Konzerne mithilfe von Schnittstellen miteinander verzahnt werden. Gaia X sei die Verbindung zwischen den Inseln der Innovation in Deutschland, heißt das im Politikersprech.

Gaia X ist ein mutiger und richtiger Schritt. Aber selbst wenn Gaia X eines Tages funktionieren sollte, kann das ambitionierte Cloud-Projekt bestenfalls die Infrastruktur für etwas viel Wichtigeres bereitstellen: die Entwicklung wettbewerbsfähiger digitaler Geschäftsmodelle.

Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht heute fast ausschließlich auf klassischen Modellen. In der digitalen Welt sind aber neue Qualitäten gefragt, vor allem datengetriebene Modelle auf Basis von Künstlicher Intelligenz und Plattformen. In beiden Disziplinen hat Deutschland bisher nicht viel erreicht.

Gerade einmal ein Viertel der Industrie beschäftigt sich hierzulande mit der Entwicklung dieser digitalen Modelle, zeigt eine Umfrage der IG Metall. In der Plattformökonomie sieht es noch trüber aus: Obwohl sich schon ein Zehntel des globalen Bruttoinlandsprodukts aus der traditionellen Ökonomie in diese rasant wachsende Plattformschicht verlagert hat, beträgt Europas Anteil an den 100 wertvollsten Plattformen der Welt gerade einmal drei Prozent.

Zwar entstehen auch hierzulande Plattformmodelle wie Zalando, Spotify oder N26, aber andere Länder haben früher und mit höherem Risiko in diese neuen Geschäftsmodelle investiert. Aktuell entfallen daher 68 Prozent des Plattformmarktes auf Amerika; 27 Prozent auf Asien. Afrika erreicht zwei Prozent und ist damit beinahe so erfolgreich wie Europa.

Gaia X wurde auf dem Digitalgipfel als wichtiger Pfeiler für die europäische Datensouveränität, die Demokratie und sogar die freie Welt ausgerufen. Mehr Pathos geht nicht. Wer aber die Erfolgsgeschichte staatlicher Digitalprojekte kennt, darf zumindest Zweifel anmelden, ob dieser Retter der digitalen Souveränität (rechtzeitig) fertig wird.

Wer darüber hinaus die Schwierigkeiten der deutschen Industrie kennt, im Rahmen des Industrie-4.0-Projekts ein gemeinsames Betriebssystem für die digitale Fabrik zu bauen, darf Zweifel anmelden, ob sie nun zur Zusammenarbeit bereit sind, wenn noch Mittelständler und Start-ups dazukommen.

Wer immer vor den amerikanischen Plattformen warnt, darf nun zeigen, wie ernst diese Warnungen gemeint sind. Oder wie ein Unternehmer zitiert wurde: „Wenn Daten das neue Öl sind, sollten wir anfangen, uns die Hände schmutzig zu machen.“

Mehr: Deutschland und Frankreich arbeiten beim Aufbau einer europäischen Cloud eng zusammen. US-Konzerne wie Microsoft warnen vor Datenprotektionismus.

Dr. Holger Schmidt ist Digital Economist, Buchautor, Speaker und lehrt „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt. Für die Ecodynamics GmbH beschäftigt er sich mit Plattformökonomie.

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