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Expertenrat – Holger Schmidt Die größte Handelsplattform der Welt ist Amazon noch lange nicht

In seinem Aktionärsbrief hat Jeff Bezos wohl eher unfreiwillig das abflachende Handelsvolumen sichtbar gemacht. Amazon braucht neue Wachstumstreiber.
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Der Amazon-Chef ist derzeit der reichste Mensch der Welt. Quelle: Reuters
Jeff Bezos

Der Amazon-Chef ist derzeit der reichste Mensch der Welt.

(Foto: Reuters)

Im jüngsten Aktionärsbrief hat Amazon-Chef Jeff Bezos deutlich gemacht, wo das Wachstum seines Unternehmens herkommt: von den Dritthändlern, deren Handelsvolumen seit 1999 um durchschnittlich 52 Prozent im Jahr wächst – auf inzwischen 160 Milliarden US-Dollar.

Der eigene Handel beträgt dagegen lediglich 117 US-Milliarden Dollar und legt auch „nur“ um jährlich 25 Prozent zu. Amazon ist also schon lange kein Onlinehändler mehr, sondern vorwiegend eine Plattform für externe Anbieter.

Die Zahlen mögen gigantisch klingen, aber die größte Handelsplattform der Welt ist das Unternehmen damit noch lange nicht. Der chinesische Konkurrent Alibaba, seit der Gründung als reinrassige Plattform unterwegs, bringt es fast auf das dreifache Handelsvolumen, die US-Handelskette Walmart auf knapp das Doppelte. Und JD.com aus China mit seinen 250 Milliarden US-Dollar macht Amazon gerade Rang drei der Weltrangliste streitig.

Denn Amazon ist nicht nur „kleiner“, sondern auch „langsamer“, als viele denken. Denn Bezos hat in dem Aktionärsbrief – wohl eher unfreiwillig – das abflachende Wachstum des Handelsvolumens sichtbar gemacht.

Im vergangenen Jahr betrug der Zuwachs nur noch 19 Prozent nach 24 und 27 Prozent in den Jahren zuvor. Zwar sind neue Kategorien wie das Großhandelssegment Amazon Business noch lange nicht ausgereizt, doch neue Wachstumstreiber wären selbst in dem dynamischen Amazon-Kosmos hilfreich.

Amazons eigener Handel beträgt 117 US-Milliarden Dollar und legt jährlich 25 Prozent zu.
Amazon-Grafik

Amazons eigener Handel beträgt 117 US-Milliarden Dollar und legt jährlich 25 Prozent zu.

Diese Märkte sind natürlich längst identifiziert: Künstliche Intelligenz (KI) für Unternehmen aus der Cloud („KI-as-a-Service“), die Gesundheitsbranche und der Aufbau der Sprachplattform rund um Alexa stellen aktuelle Investitionsschwerpunkte dar.

Zum Beispiel arbeiten mehr als 10.000 Menschen bei Amazon am Aufbau der sprachbasierten Computing-Plattform, die eines Tages die Smartphones ablösen soll. Wie so oft bei Amazon benötigen diese Investitionen einen langen Vorlauf. Kurzfristig kommt das Wachstum daher weniger aus der Expansion in neue Märkte als aus der vertikalen Integration: Den Händlern werden immer mehr Services angeboten.

Denn in die Taschen von Amazon fließt nicht nur ein Teil des Umsatzes der Dritthändler, sondern auch die Erlöse aus Zusatzdiensten wie Logistik, Zahlungsabwicklung oder aus der KI-Anwendung aus der Amazon-Cloud. Auch die lange vernachlässigte Werbung wird im Moment mit Macht vorangetrieben.

Allerdings hinken die Amerikaner dem Pionier Alibaba auch in diesem Bereich hinterher, denn dessen Werbeerlöse betrugen im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Dollar.

Überhaupt kann Amazon noch viel von Alibabas frühzeitiger horizontaler Expansion in andere Branchen lernen. Zum Beispiel, was das Finanzgeschäft angeht: Das hat Alibaba-Gründer Jack Ma zum Beispiel schon früh in Ant Financial ausgelagert.

Dessen Geschäftsmodell gilt als wegweisende Plattform für die Finanzbranche. Ein Drittel aller Chinesen legt Geld in die Finanzprodukte des Unternehmens an. Mit Alipay besitzen die Chinesen auch das dominante Zahlungssystem, das sich derzeit auch in Deutschland etabliert.

Wer Angst vor Google Pay und Apple Pay hat, sollte sich lieber die asiatischen Modelle anschauen. Vielleicht machen die Quartalszahlen in der kommenden Woche schon klar, wie intensiv Jeff Bezos im Moment nach Asien schielt.

Dr. Holger Schmidt ist Digital Economist, Buchautor, Speaker und lehrt „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt. Für die Ecodynamics GmbH beschäftigt er sich mit Plattformökonomie.

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