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Expertenrat – Holger Schmidt Selbst deutsche Politiker können beim Thema KI nichts mehr schönreden

Deutsche Firmen haben zu wenig Elan, den mit der KI verbundenen Umbruch anzugehen – und drohen abgehängt zu werden. Doch es ist noch nicht zu spät, einzusteigen.
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Deutschland droht beim Thema Künstliche Intelligenz abgehängt zu werden. Quelle: age fotostock/Getty Images
Roboter in der Forschung und Produktion

Deutschland droht beim Thema Künstliche Intelligenz abgehängt zu werden.

(Foto: age fotostock/Getty Images)

Auch wenn der Hype riesig ist: Künstliche Intelligenz (KI) kann keine Wunder vollbringen und ihre Fähigkeit, Autos autonom durch Städte zu fahren, wird wohl länger auf sich warten lassen, als die Optimisten glauben.

Denn die Entwicklung dieser Technologie steht noch am Anfang; Die ökonomischen Potenziale der Künstlichen Intelligenz sind noch nicht einmal in Ansätzen ausgeschöpft. Doch in einem Punkt herrscht weitgehende Einigkeit: dass Künstliche Intelligenz die wahrscheinlich wichtigste Basistechnologie unserer Zeit wird.

Basistechnologien wie Elektrizität ändern Produktionsverfahren und Wettbewerb quer durch alle Branchen, verwandeln flinke Start-ups in Weltmarktführer und degradieren Platzhirsche zu abgehängten Dinosauriern. Während Umbrüche dieser Dimension in der Vergangenheit stets Jahrzehnte dauerten, weil zunächst die Infrastruktur gebaut wurde, steht für die Künstliche Intelligenz schon alles bereit: Algorithmen, Daten und Rechenpower in der Cloud.

Unternehmen brauchen nur noch den Willen, die Dinge mit dem nötigen Elan anzugehen und die Experten, die mit den Daten richtig umgehen können. Beides, so scheint es, fehlt in Deutschland.

Wie schon in der Plattform-Ökonomie und beim Cloud-Computing zaudern wir, wenn ein neues digitales Geschäftsmodell oder neue digitale Technologie startklar sind. Wieder einmal überlassen wir anderen Unternehmen das Feld, das diese übrigens mit den Milliarden erschließen, die sie gerade mit Plattform-Ökonomie und Cloud-Computing verdienen. Die Fehler der Vergangenheit holen uns jetzt ein.

Wie weit uns die anderen Länder, auch in Europa, schon enteilt sind, zeigen aktuelle Zahlen sehr deutlich:

  • Dass die USA und China weit mehr Geld in KI investieren, ist nicht neu. Aber selbst in Europa liegt das deutsche KI-Investitionsvolumen weit hinter Großbritannien und Frankreich zurück, wie eine Microsoft-Studie zeigt.
  • Unter den 100 bestfinanzierten KI-Start-ups der Welt stammt genau eins aus Deutschland.
  • 60 Prozent aller KI-Patente kommen heute aus den USA; der zweite Platz geht an China. Bestes deutsches Unternehmen ist Siemens auf Rang 16, obwohl Deutschland in der Grundlagenforschung zu den Pionieren der KI gehört. Die Umwandlung in Produkte gelingt schon wieder nicht.
  • Der Anteil der Ingenieure, der Deutschland noch eine Vorreiterrolle in der Künstlichen Intelligenz zuspricht, ist innerhalb eines Jahres von 30 auf 14 Prozent gefallen.
  • Inzwischen fehlen schon mehrere Tausend Fachleute, die zwar oft in Deutschland ausgebildet werden, sich dann aber für viel Geld von Firmen aus dem Silicon Valley oder aus China abwerben lassen. Die Stellenanzeigen für KI-Experten verdoppeln sich jedes Jahr, zeigt der digitale Job-Monitor des Handelsblatts.

Selbst Politikern ist das Schönreden nicht mehr möglich. „Die Bundesregierung ist alarmiert“, kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Eröffnung der Hannover Messe die aktuelle Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz. Hinter vorgehaltener Hand können Bundesminister ihre Verzweiflung ob des wiederholten Zauderns der Unternehmen kaum noch verbergen. Langsam und kraftlos seien die KI-Ambitionen, lautet der Vorwurf.

Einziger Trost: Es ist nicht zu spät, jetzt richtig in die KI einzusteigen. Deutsche Unternehmen könnten aus dem Stand Weltmarktführer in vielen industriellen KI-Anwendungen werden. Sie besitzen auch genügend Finanzreserven, um zumindest noch dieses Ziel zu erreichen. Was sie nicht mehr besitzen, ist die Zeit, der Konkurrenz noch einmal bei der Eroberung eines digitalen Zukunftsmarktes zuzusehen.

Mehr: Algorithmen lernen immer besser, menschliche Gefühle und Entscheidungen vorherzusagen. Wirtschaft und Gesellschaft stehen vor dramatischen Umbrüchen.

Dr. Holger Schmidt ist Digital Economist, Buchautor, Speaker und lehrt „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt. Für die Ecodynamics GmbH beschäftigt er sich mit Plattformökonomie.

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